Aus Kohlhof: Als erste Saarländerin beim Afrika-Cup – Aliya Diagne jagt mit Mali das WM-Ticket
Eigentlich wollte Aliya Diagne in diesem Jahr nur ihre Wurzeln in Mali besuchen. Stattdessen kämpft die 25-Jährige aus Neunkirchen-Kohlhof nun als erste Saarländerin überhaupt beim Afrika-Cup um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027.

SportSaar-SportAus KohlhofAls erste Saarländerin beim Afrika-Cup – Aliya Diagne jagt mit Mali das WM-TicketKohlhof·Eigentlich wollte Aliya Diagne in diesem Jahr nur ihre Wurzeln in Mali besuchen. Stattdessen kämpft die 25-Jährige aus Neunkirchen-Kohlhof nun als erste Saarländerin überhaupt beim Afrika-Cup um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027. 28. 07. 2026 , 17:07 UhrAliya Diagne spielte vier Jahre in den USA für die Butler University in Indianapolis, danach auch für Studententeams in London und Shanghai. Jetzt kämpft sie beim Afrika-Cup in Marokko mit Mali um die WM-Qualifikation. Foto: Aliya Diagne/Saarbrücker ZeitungEine 25-Jährige ausNeunkirchen-Kohlhofschreibt diese Woche saarländische Fußball-Geschichte. Denn Aliya Diagne steht unverhofft als erste Saarländerin überhaupt vor ihrem Debüt beim bereits gestarteten Afrika-Cup. Dort geht es für die Weltenbummlerin und die Nationalmannschaft Malis sogar um ein Ticket zur Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. „Das kam alles schon überraschend mit der Nominierung. Sportlich bin ich ganz guter Dinge, dass wir das schaffen können“, sagt Diagne: „Ziel ist es, ins Halbfinale zu kommen, dann hätten wir die Qualifikation geschafft. Dafür haben wir die Qualität auf jeden Fall. “Im saarländischen Frauen- und Mädchenfußball ist die meist im Mittelfeld spielende Diagne vielen noch ein Begriff, obwohl sie das Saarland 2019 mit 18 Jahren verlassen hatte. Ihr Vater wurde in Malis Hauptstadt Bamako groß, bekam ein Stipendium in Deutschland und fasste dort privat und beruflich Fuß. Mittlerweile leitet der Vater eine Firma, die über Informatik und künstliche Intelligenz berät. „Mein Papa hat lange Fußball gespielt, wir sind sowieso eine sportliche Familie, meine Mutter hat Leichtathletik gemacht. Auch meine beiden älteren Brüder haben Fußball gespielt“, erzählt Diagne der SZ. Vom Saarland in die große Fußball-WeltSo wurde sie früh angesteckt, trat schon mit vier Jahren erstmals gegen den Ball. Diagne spielte in der Jugend beim SV Furpach und von der U14 bis zur U17 beim FC Homburg. „Sie hat ganz lange bei den Jungs gespielt, sogar in der C-Jugend-Regionalliga“, erinnert sich ihre einstige Mentorin Margret Kratz. Bei der ehemaligen Verbandstrainerin des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV) spielte sie in verschiedenen saarländischen Auswahlmannschaften von der U14 bis zur U18. „Sie ist sehr leistungswillig und zweikampfstark“, sagt Kratz: „Und was man hervorheben kann bei ihr: Sie ist ein unglaublich netter Mensch, der sich sehr für Gerechtigkeit einsetzt. Deswegen war sie bei mir auch Kapitänin und hat das mit Bravour gemeistert. “21 BilderFCS-Frauen gegen Hertha BSC - die besten Bilder vom Spiel21 BilderFoto: Stefan RegelIn der U17 folgte Diagne einem ihrer früheren Trainer bei den Jungs des FC Homburg, Kai Klankert, zur SV Elversberg, die mit Unterstützung des SV Göttelborn ein neues Frauenfußball-Projekt initiierte – und Diagne erlebte mit der Teilnahme an der U17-WM in Uruguay einen Karriere-Höhepunkt. Die deutsche Nationalmannschaft schied dabei im Viertelfinale mit 0:1 gegen Kanada aus. Da die Länderspiele in der Jugend waren, war der Verbandswechsel nun analog wie im Männerfußball kein großes Problem. Studium statt Profikarriere – und dann die ÜberraschungNach dem Abitur am Deutsch-Französischen Gymnasium in Saarbrücken ging Diagne als Stipendiatin zum Studium in die USA, spielte viereinhalb Jahre im Team der Butler University in Indianapolis in der Division 1. „In den USA ist Frauenfußball ein großes Ding. Das war alles schon sehr professionell dort“, berichtet die Sportlerin. Danach zog es sie nach London, wo sie an der London Business School ihren Global Master Abschluss in Management abschloss. Zu dem Studium gehörte auch eine Zeit in der chinesischen Millionen-Metropole Shanghai. „Dort war ich bis Anfang Juni“, berichtet Diagne, die neben fließend Englisch und Französisch nun auch etwas Chinesisch spricht. Wohin es die Kosmopolitin nach dem Studienabschluss und dem Afrika-Cup hinzieht, weiß sie noch nicht. „Ich würde gerne in der Strategieberatung arbeiten, da kann man superviel lernen. Langfristig möchte ich wie mein Vater im Bereich Wirtschaftsentwicklung arbeiten“, sagt Diagne, die in diesem Januar sowieso Mali, das Land ihrer Vorfahren, besuchen wollte. Dazu kam es zwar nicht, stattdessen kam sie nun im Juli als Nationalspielerin dorthin. „Ich hatte vor Jahren schon mal Kontakt mit dem Verband von Mali, das ist aber irgendwann im Sand verlaufen“, erzählt sie. Der Traum von der WeltmeisterschaftIn Birama Konaté kam nun ein neuer Trainer, der verstärkt im Ausland Talente mit malischen Wurzeln suchte. Da ein Onkel von Diagne in Bamako wohnt und gleichzeitig den Verband berät, war der Kontakt schnell hergestellt. „Ich habe dem Trainer ein Highlight-Video von mir geschickt, dann haben wir telefoniert“, sagt Diagne, die nach der Zeit in den USA auch in Shanghai und London in Studenten-Mannschaften gespielt hatte. Konaté gefiel offensichtlich, was er sah, er lud sie zu einem Vorbereitungscamp ein. Fünf Tage spielten etliche Fußballerinnen um einen Platz im Team. Für Diagne lief es gut, jetzt steht sie im offiziellen Kader für den Afrika-Cup. Bei einem Trainingslager in der Nähe von Casablanca verlor Mali ein Testspiel gegen die Elfenbeinküste mit 0:1 – aber auch mit einer Leistung, auf der man aufbauen kann, findet Diagne: „Wir haben viele Mädels aus Frankreich, der 1. , 2. und 3. Liga dort, viele Profis, Spielerinnen von Paris FC, PSG und zwei aus den USA. Das Niveau ist schon sehr hoch. “ Daher sei sie optimistisch: „Es geht jetzt darum zusammenzufinden. “Eine Weltenbummlerin mit großen ZielenWie bei den Männern, wo jüngst neun von zehn afrikanischen Teams die K. o. -Runde der WM erreichten, erlebt auch der Frauenfußball auf dem riesigen Kontinent einen enormen Aufschwung. „Die letzten Jahre ist hier richtig viel passiert“, sagt Diagne: „Es ist alles sehr professionell geworden und wird immer besser. “ Die „les Aigles“, also „die Adler“ aus Mali, starten an diesem Mittwoch (22 Uhr MEZ) gegen Kamerun ins Turnier. Weitere Gruppengegner sind Kap Verde (2. August) und Ghana (6. August). Die besten zwei Teams der vier Gruppen kommen ins Viertelfinale. Dort noch ein Sieg – und die WM wäre sicher. Sportlich sieht Diagne ihre Stärken in der Balleroberung, im Zweikampf und der Übersicht. Als Linksfuß spielte sie schon auf der linken Abwehrseite, im linken Mittelfeld oder wie gegen die Ivorerinnen als linke Offensivspielerin. Da sie zuletzt in Studententeams spielte, benötigte die 25-Jährige für die Teilnahme am Afrika-Cup noch eine gültige Spielberechtigung bei einem Verein, um für Mali spielen zu können. Da halfen Ex-Trainer Klankert und die SV Elversberg unkompliziert aus und meldeten sie wieder als Spielerin an. „Wir drücken Aliya alle Daumen für die WM-Qualifikation mit Mali“, sagt Klankert. Dort hat sich seit Diagnes letztem Besuch 2017 einiges verändert. „Es ist moderner geworden, weltoffener. Mein Vater hat zum Beispiel einige Projekte initiiert, die mit Digitalisierung in West-Afrika zu tun haben. “ Diagnes nächstes Projekt soll jedenfalls mindestens das Halbfinale im Afrika-Cup und dann die WM sein – und wer würde besser zu einer Weltmeisterschaft passen als die saarländische Weltenbummlerin?SaarbrückenSV ElversbergFC 08 HomburgSportSaar-SportZur Startseite