Die Wissenschaft widerspricht dem Klerus: Als Galileo Galilei unser Weltbild änderte
Der italienische Gelehrte mit einem besonderen Interesse für Mathematik und Astronomie war Thema beim letzten Abendvortrag des Semesters am Campus Zweibrücken. Referent war Pierre Leich, Präsident der Simon Marius Gesellschaft in Nürnberg.

Pfälzischer MerkurZweibrückenDie Wissenschaft widerspricht dem KlerusAls Galileo Galilei unser Weltbild änderteZweibrücken·Der italienische Gelehrte mit einem besonderen Interesse für Mathematik und Astronomie war Thema beim letzten Abendvortrag des Semesters am Campus Zweibrücken. Referent war Pierre Leich, Präsident der Simon Marius Gesellschaft in Nürnberg. 04. 06. 2026 , 17:41 UhrHubert Zitt (links), Organisator der Abendvorträge am Campus Zweibrücken, hatte Pierre Leich ins Audimax der Hochschule eingeladen. Foto: Susanne LilischkisDie Geschichte dürften den meisten Leuten bekannt sein: Galileo Galilei wird im Jahr 1633 von einem Inquisitionsgericht der katholischen Kirche dafür verurteilt, dass er behauptet, die Sonne und nicht die Erde stehe im Zentrum unserer Galaxie. Er muss die These widerrufen und steht bis zum Ende seines Lebens unter Hausarrest. Wie kam es zu diesem harten Urteil und wäre es vermeidbar gewesen? Dieser Frage ging Pierre Leich, Präsident der Simon Marius Gesellschaft in Nürnberg, beim letzten Abendvortrag in diesem Semester im Audimax der Zweibrücker Hochschule nach. Der Referent zeichnete Galilei gleichzeitig als einen genialen Forscher und sturen Hitzkopf, der sich nicht beugen lassen wollte. Schon 1508 schreibt Kopernikus seine These nieder, die Sonne stehe im Zentrum des Weltalls. Wissenschaftlich beweisen kann er das nicht, ebenso wenig wie später Galilei. Doch die Idee eines heliozentrischen Weltbildes wird fortan in Wissenschafts- und Kirchenkreisen lebhaft diskutiert. Im Jahr 1608 beflügelt eine neue Erfindung das Interesse der Astronomen: Das Teleskop wird zum ersten Mal vorgestellt. Natürlich beobachtet auch Galileo Galilei den Himmel. Mit einem selbst gebauten, verbesserten Fernrohr; und er möchte sofort über seine Erkenntnisse publizieren – damit es kein anderer vor ihm tut. So berichtet er von seinen Entdeckungen, unter anderem der Jupitermonde oder dass der Planet Venus Phasengestalten wie der Mond zeigt. Auch der Mond selbst wird zum Gegenstand wissenschaftlicher Beobachtungen, die durch das Teleskop möglich werden. Anders als geglaubt, weist er Krater, Berge und Täler auf. Auch die Sonne ist nicht der makellose Himmelskörper, der sie nach den göttlichen Gesetzen eigentlich sein sollte. Ganz akribisch zeichnet Galilei über einen längeren Zeitraum die Sonnenflecken auf. Es rumort im Bereich der Wissenschaft. Mehrere Weltbilder treten in Konkurrenz. Das ptolomäische Weltbild, das bis dahin Gültigkeit hatte, sieht die Erde im Zentrum, umkreist von den Planeten. Das kopernikanische Weltbild stellt die Sonne ins Zentrum. Andere Ideen sehen die Erde im Zentrum mit einer um sie kreisenden Sonne. Um diese Sonne sollen sich die anderen Planeten bewegen – eine Art Mischsystem aus beiden Modellen. Es hätte bei den gelehrten Diskussionen in Wissenschaftskreisen bleiben können, doch nun mischen sich Vertreter des Klerus in die Angelegenheit ein. Martin Luther und Philipp Melanchthon melden sich zu Wort. Das kopernikanische Weltbild lehnen sie ab, mit Verweis auf Josua 10. 12. In der Bibel hält Gott die Sonne an – setzt also die Naturgesetze außer Kraft. Um die Sonne anhalten zu können – so die Meinung der Kirche – muss sie sich bewegen. Das kann sie nicht, wenn sie im Zentrum des Weltraums steht. Galileo ist anderer Ansicht, seiner Meinung nach kann die Bibel nicht im Wortlaut ausgelegt werden. „Und hier“, so Pierre Leich, „begibt Galileo sich auf ein gefährliches Terrain, denn er behauptet, dass die Bibel in mathematischen Fragen nicht das letzte Wort hat. “Die Antwort der Kirche kommt prompt: Der Forscher muss sein mathematisches Werk „De Revolutionibus“ verändern. Doch Galilei möchte von seinen Überzeugungen nicht abrücken. Der Klerus erlaubt ihm, seine Ergebnisse zu publizieren – allerdings nur als Hypothesen. Das sieht der Forscher nicht ein. In seinem Buch „Dialog“ setzt er sich über das Publikationsverbot hinweg, indem er wenig subtil ein Streitgespräch dreier Personen zugunsten des kopernikanischen Weltbildes niederschreibt. Er wird prompt von der Inquisition angeklagt und muss seinen Thesen abschwören. Angeblich soll Galilei am Ende des Prozesses gemurmelt haben: „Und sie bewegt sich doch!“Der ganze Streit mit der Kirche war nach Ansicht Leichs nicht rein naturwissenschaftlich motiviert. Erst als Galilei begann, den Wortlaut der Bibel freier auszulegen, fingen die Probleme an. Doch der wissenschaftliche Fortschritt ließ sich nicht lange aufhalten. Im Zeitalter der Aufklärung wurde die allumfassende Macht der Kirche zurückgedrängt. „Lange Zeit war es so: Die Wissenschaft kommt von Gott und sie wird über die Kirche vermittelt“, erklärte Leich, „doch dann wurde es möglich, Wissen zu erwerben, ohne die Kirche als Vermittler. “