Erfinder des Klima-Worst-Case: „Es ist egal, wie wahrscheinlich oder realistisch RCP8. 5 betrachtet wird“
Der Entwickler des umstrittenen Klima-Worst-Case-Szenarios RCP8. 5 verteidigt das Modell trotz wachsender Kritik weiterhin. „Es ist egal, wie wahrscheinlich oder realistisch RCP8. 5 betrachtet wird!“, sagte der Energieökonom und frühere IPCC-Leitautor Nebojša Nakićenović der Zeit.

Der österreichische Energieökonom Nebojša Nakićenović hat das umstrittene Worst-Case-Klimaszenario RCP8. 5 verteidigt. In einem Interview mit derZeitsagte der frühere IPCC-Leitautor auf die Frage, ob es richtig sei, dass Klimaforscher das Szenario künftig nicht mehr berücksichtigen wollten: „Nein. “ Er würde „so ein extremes Szenario nach wie vor nicht ausschließen“. Auf den Einwand, Kritiker bemängelten seit Jahren, eine Verzehnfachung der Kohlenutzung und eine Verdreifachung des CO₂-Gehalts seien undenkbar, antwortete er: „Es ist egal, wie wahrscheinlich oder realistisch RCP8. 5 betrachtet wird!“ Am Ende seien das „Berechnungen, Narrative, wie sich die Zukunft entwickeln könnte, und zwar in verschiedenste Richtungen“. Damit bestätigt ausgerechnet einer der zentralen Entwickler des Szenarios den Kernvorwurf vieler Kritiker: RCP8. 5 war nie in erster Linie eine realistische Prognose, sondern ein Extremmodell. Genau dieses Modell wurde jedoch jahrelang in Medien, Politik und Klimadebatte als Maßstab für drohende Katastrophenszenarien verwendet. Nakićenović weist den Vorwurf zurück, das Szenario sei frei erfunden worden. „Wir haben RCP8. 5 also nicht einfach aus dem Hut gezaubert“, sagte er. Der Weltklimarat habe damals neue Zukunftsszenarien benötigt. Der Auftrag sei gewesen, „das ganze Spektrum der Möglichkeiten“ abzubilden – von niedrigen bis hohen Emissionen. RCP8. 5 entstand 2011. Es beschreibt eine Welt ohne Klimaschutzmaßnahmen, mit zwölf Milliarden Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts, schwachem Wirtschaftswachstum und extrem hohen Treibhausgasemissionen. Inzwischen wollen Klimaforscher das Szenario nicht mehr länger als plausiblen Pfad behandeln. Lesen Sie auch:Nakićenović hält trotzdem an solchen Extremszenarien fest. Es wäre „unverantwortlich“, nicht zu erforschen, was passieren würde, sollten die Emissionen „ein katastrophal hohes Niveau“ erreichen. Hochemissionsszenarien seien nötig, um Klimamodelle zu testen und die Anpassung an den Klimawandel zu untersuchen. cm