Hier spricht der gute alte Herausgeber. Irrtümer der Ö-Politik IV
Bis Montag werde ich den verlegten Zettel finden, kann Ihnen dann von dem oben erwähnten Hinweis berichten und dabei mit den Irrtümern unserer Innenpolitik fortfahren. So endete die S-Kolumne vergangenen. . .

Bis Montag werde ich den verlegten Zettel finden, kann Ihnen dann von dem oben erwähnten Hinweis berichten und dabei mit den Irrtümern unserer Innenpolitik fortfahren. So endete die S-Kolumne vergangenen Samstag. Es ist Montag, ich habe den Zettel gefunden und kann fortfahren. Zuvor gestatten Sie mir ein Wort zum Fußball. Trotz großflächigen Ausfalls des Glasfasernetzes der EVN im Waldviertel kehrte das Netz gerade rechtzeitig zurück, dass ich ÖFB-TV empfangen und dem Spiel beiwohnen konnte. Ungestört von jedem Kommentar, vom Platzsprecher versorgt mit den nötigen Informationen, sah ich ein souveränes Spiel von Schwarzweiß Bregenz. Obwohl noch nicht alle Neuzugänge spielberechtigt waren, ließ die Mannschaft von Anfang an keinen Zwiefel offen, wer hier das Spiel kontrolliert. Die Heimmannschaft kam kaum aus der eigenen Hälfte, das Führungstor gelang einem japanischen Neuzugang schon in der 2. Minute nach schönem Spielzug, und am Ende siegte man in der 1. Runde des ÖFB-Pokals auswärts beim Mühlviertler Regionalligaclub Bad Leonfelden mit 5:0. Besser konnte die Saison nicht beginnen. Nun zum erwähnten Zettel. Es ist schon eine Woche her, dass mich ein Leser über ein Posting der grünen Abgeordnete Eva Blimlinger informierte, die auf Facebook einFalter-Mailyder Kollegin Tóth folgendermaßen kommentiert hatte:»Früher (1994-2014) schrieb Armin Thurnher - Falter „Im Übrigen bin ich der Meinung, die Mediaprint muss zerschlagen werden“ Und heute jubelt die Babler-Adorantin Barbara Toth, dass es eine Vertriebsförderung - selbstverständlich auch und vor allem für die Mediaprint (Kronen Zeitung, Kurier, Raiffeisen, Funkegruppe) gibt. Investment in ein Auslaufmodell und jedenfalls keine Unterstützung für Journalist:innen. Wie sich die Zeiten im Falter – Die Wochenzeitung aus Wien – ändern, schade. Nein leider nicht richtig gemacht Andreas Babler« (Satzzeichen von Blimlinger)Es ist manchmal gut, so etwas ein wenig liegen zu lassen. Bekanntlich schreibe ich noch immer im Falter,bei Bedarfdurchaus gegen die Mächtigen des Boulevard, auch wenn es denen nicht mehr so prächtig geht wie einst. Barbara Tóth ist keineswegs eine „Babler-Adorantin“, sie schenkt dem SPÖ-Chef zu Zeiten auch kritisch ein. Ihr Kommentar befasste sich mit dem ersten Schritt einer reformierten Medienförderung und lobte diesen. Solche Reformen müssen bekanntlich in einer Dreierkoalition durchgebracht werden und sind deshalb Minimalkompromisse. Ohne sie mit den Minimalkompromissen grüner Medienpolitik vergangener Regierungen vergleichen zu wollen, geht Babler zweifellos in die richtige Richtung: Qualität zu fördern und auch in die Versorgung benachteiligter Schichten (älterer, in abgelegene Regionen wohnender Menschen) zu investieren ist keineswegs ein „Auslaufmodell“; ein Auslaufmodell ist eher die Fetischisierung digitaler Kommunikation, wie sie unter Blimlingers Mitwirkung zur Einstellung der Wiener Zeitung als Druckwerk und damit zum Verschwinden als Institution führte. Das mag Schnee von gestern sein, aber Eva Blimlinger ist medienpolitisch als Kritikerin in einer schlechten Position, die sie durch Verunglimpfung der Kollegin Tóth nicht verbessert. Im Übrigen denke ich nicht daran, mich (den „guten alten Thurnher“) gegen den Falter ausspielen zu lassen. Ich bin bekanntlich dessen Herausgeber, wobei die Frage erlaubt ist, was das eigentlich ist, ein Herausgeber. Herausgeber ist kein Titel für einen Über-Chefredakteur. So etwas mag es bei Zeitschriften gegeben haben, die statt Gehaltserhöhungen ihre Redakteure rudelweise zu Chefredakteuren ernannten. Dem Mediengesetz zufolge ist der Herausgeber eine Person, welche die Linie des jeweiligen Mediums bestimmt; eine Vorstellung, die aus Zeiten weltanschaulich festgelegter Publikationen stammt und – um es mit Eva Blimlinger zu sagen – ein wie Auslaufmodell anmutet. Mit der aktuellen Produktion des Mediums ist der Herausgeber nicht normalerweise nicht befasst. Was inhaltliche und politische Fragen oder gar Haltungen betrifft, verlasse ich mich auf das Vorbild, das ich abgebe, gerade auch, wenn dieses diskutabel erscheint – dann diskutiere man es eben. Wie aber soll man „inhaltliche Linien“ bestimmen, wenn man meint, in einem Land der fehlgelenkten Lenklust komme es zuerst einmal darauf an, jene Selbständigkeit zu fördern, die einen Menschen dazu bringt, erstens etwas zu denken und sich zweitens zu trauen das auch zu schreiben? Auch in diesem Sinn ist Blimlingers Posting fatal, fordert es doch so etwas wie publizistischen Gehorsam und Kommandojournalismus. (Wenn ich Grenzen ziehe, auch das kann vorkommen, dann vor allem in Stilfragen und gegen den Gebrauch journalistischen Jargons; aber auch hier zeigt die Praxis mitunter die Grenzen meiner Macht). Der Falter. Lesen Sie ihn. Unterstützen Sie sich und ihn mit einemAbonnement. Was wir aus der Pandemie gelernt haben könnten: Distanz kann nicht schaden, halten Sie Ihre Impfungen up to date, Händewaschen ist nie falsch, benützen Sie Masken, wenn es sich empfiehlt, wenn Sie Symptome haben, versuchen Sie Kontakte mit anderen zu vermeiden. Und bleiben Sie rücksichtsvoll. Der Autor per Mail: thurnher@falter. atDer Autorauf BlueSky,Instagram,Facebook