Kommentar zur bayerischen Kita-Reform: Politik auf dem Rücken der Familien
Die Entscheidung der Regierung, den Beitragszuschuss für die Eltern von Kindergartenkindern zu streichen, kritisiert Redakteur Markus Schwarzkugler als erneute Umverteilung zulasten der Familien.

StartseiteLokalesErdingErdingStand:07. 08. 2026, 22:00 UhrKommentareUns auf Google folgenÜbt scharfe Kritik an der Familienpolitik in Bayern: Markus Schwarzkugler. © privatDie Entscheidung der Regierung, den Beitragszuschuss für die Eltern von Kindergartenkindern zu streichen, kritisiert Redakteur Markus Schwarzkugler als erneute Umverteilung zulasten der Familien. Die Entscheidung sei „wahrlich niemandem leichtgefallen“. Die Zeiten seien schwierig. Aber hey: Der Mehrwert für die Eltern liege in der „Sicherung eines vielfältigen und hochqualitativen Betreuungsangebots“. Soweit Familienministerin Ulrike Scharf, zitiert von unserer Zeitung, als der Landtag die Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes beschlossen hatte – mit den Stimmen vonCSUund Freien Wählern. Geschichte sind damit 100 Euro monatlicher Beitragszuschuss für die Eltern von Kindergartenkindern. Binnen kürzester Zeit ein weiteres Kapitel bayerischer Politik auf dem Rücken von Familien. Die Worte aus dem Ministerium sind nichts anderes als Schönfärberei. Rückblick: Das Krippengeld (bis zu 100 Euro im Monat) wurde einkassiert, zudem hatte MinisterpräsidentMarkus Söderangekündigt, dass das Familiengeld – 250 Euro pro Monat im zweiten und dritten Lebensjahr des Kindes (insgesamt 6000 Euro) – durch eine Einmalzahlung ersetzt werde: 3000 Euro, de facto eine Halbierung. Aber die kleine Familienlobby war wohl so leise, dass man das Ganze noch komplett strich. Und nun sollen ab Januar besagte 100 Euro in die Betriebskostenförderung der Kitas fließen. Klar ist es gut, den defizitären Bereich zu fördern, den unter Kostenexplosionen ächzenden Kommunen unter die Arme zu greifen. Die Staatsregierung macht es sich aber leicht: Sie nimmt einfach den Familien das Geld und verteilt es um, statt sich Gedanken zu machen, wie man das Ganze anderweitig finanzieren könnte. So werden aber junge Familien ein weiteres Mal binnen kurzer Zeit massiv belastet. Und zwar weit über Gebühr. Jetzt können wir nur hoffen, dass nicht überall die vollen 100 Euro auf die Familien umgeschlagen werden. Die Verantwortung dafür – auch hier lehnt sich das Ministerium zurück – liegt nun bei Kommunen und Trägern. Hinter den Kulissen rauchen die Köpfe, keiner weiß so recht Bescheid. So manche/r CSU-Mitstreiter/in Scharfs im Landkreis schüttelt den Kopf. Sagen will man öffentlich lieber nichts. Schockierenderweise zeichnet sich bereits für das kommende Kita-Jahr der Kindermangel ab. Viele haben noch Plätze frei. Einkommensschwächere Familien werden sich genau überlegen, ob und wie lange sie noch einen Platz für ihre Kinder buchen. Die soziale Schere geht weiter auseinander. Vielleicht bleibt die Mama oder der Papa dann doch lieber wieder mehr zuhause. Freie Plätze dürften sich auch auf die Personalzahlen in den Einrichtungen negativ auswirken. Und weniger Buchungen heißt auch weniger Einnahmen. Man muss die Gesamtsituation sehen: Ohne finanziellen Hintergrund haben viele Familien heute keine Chance mehr, ein Eigenheim zu finanzieren. Für ein halbwegs adäquates Zuhause werden schnell Mieten über 2000 Euro fällig. Klar sind Familiengeld oder Betreuungszuschuss ein bayerischer Sonderweg gewesen, aber es ist auch nirgends so unerschwinglich teuer wie im Münchner Speckgürtel. Kinder sind die Zukunft. In der heutigen Zeit schauen aber immer mehr Menschen verstärkt auf sich selbst. Kinder? Nein, danke! Die bayerische Familienpolitik setzt diesem Trend nichts entgegen. Zur Kritik von Grünen und SPD im Landtag meinte Scharf, sie sollten als Demokraten der Mitte doch bitte nicht in den Chor der Populisten von links und rechts einstimmen. Schlechtreden sei deren Markenzeichen. Bei (berechtigter) Kritik gleich wieder die Extremisten-Keule zu schwingen, damit macht sie sich’s auch hier leicht. Gut dazu passt auf Bundesebene KanzlerFriedrich Merz, der Familien 600 Euro Steuerersparnis im Jahr in Aussicht stellt und dabei steigende Beiträge in anderen Bereichen fröhlich verschweigt. InBayernmachen voll umgelegte 100 Euro jährlich alleine schon 1200 Euro Mehrbelastung aus (pro Kind). Nichts als Blenderei also. Im Freistaat lautet die Devise: Alles für Söders schwarze Null im Haushalt! Daran arbeitet die sogenannte „Familienministerin“ brav mit. Man hat ja schon mal einen Ministerposten abgeben müssen.