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Marzili-Streit: Linke Berner Politik scheitert an Realität

Trans-Affäre in FrauenbadiProgressive Berner Politik droht an Realität zu scheiternAusgerechnet ihr Kernthema Identitätspolitik könnte der linken Stadtregierung auf die Füsse fallen. Bürgerliche wittern. . .

Von Annalena Müller · · 3 min Lesezeit

Marzili-Streit: Linke Berner Politik scheitert an Realität

Trans-Affäre in FrauenbadiProgressive Berner Politik droht an Realität zu scheiternAusgerechnet ihr Kernthema Identitätspolitik könnte der linken Stadtregierung auf die Füsse fallen. Bürgerliche wittern Oberwasser und reichen Vorstoss ein. Publiziert: vor 36 Minuten|Aktualisiert: vor 32 MinutenAnnalena MüllerPolitredaktorin SonntagsBlickDie Zutrittsregeln für den Frauenbereich der Berner Kultbadi Marzili sind klar: Willkommen ist jede Person, die sich als Frau versteht – unabhängig von biologischen Gegebenheiten. Rein formell hat die Stadtregierung also alles richtig gemacht, als sie klarstellte: Die Transfrau, die am vergangenen Sonntag von der Polizei aus dem «Paradiesli» abgeführt wurde, hielt sich dort rechtmässig auf. Die zuständige grüne Gemeinderätin Ursina Anderegg (45) entschuldigte sich sogar öffentlich für den Vorfall. Ein Schritt mit Seltenheitswert in der Schweizer Politik. Widerstand auch in der StadtpolitikDoch die öffentliche Debatte interessiert sich wenig für juristische Formalitäten. Seit einer Woche beherrscht der Eklat die Schlagzeilen, linke und bürgerliche Politiker überbieten einander mit Schnellschüssen. Die SVP will amtliche Geschlechtsanpassungen wieder erschweren. Die Grünen fordern zusätzliche Schutzräume und mehr Toleranz. Während linke Forderungen in Bern normalerweise gut ankommen, formiert sich ausgerechnet beim links-grünen Kernthema Identitätspolitik spürbarer Widerstand. Andereggs Haltung, die unermüdlich betont:«In Bern gilt als Frau, wer sich als Frau fühlt», erntet im Frauenbad wie in den Kommentarspalten hauptsächlich Widerspruch. Es dürfte der Stadtregierung kaum gelingen, die Debatte einfach auszusitzen. Chantal Perriard (58), frühere Berner Co-Präsidentin der FDP und heutige Stadträtin, machte am Donnerstag mit einem dringlichen Vorstoss Druck: Darin fordert sie den Gemeinderat auf, die aktuellen Zugangsregeln der Badi umgehend zu überprüfen und anzupassen. Perriard machte in der letzten Woche eine Umfrage unter 50 «Paradiesli»-Besucherinnen: «82 Prozent von ihnen gaben an, dass die Anwesenheit einer Person mit sichtbaren männlichen Geschlechtsmerkmalen ihre Intimsphäre stark oder teilweise beeinträchtigt», so Perriard. Sie lässt keinen Zweifel: «Wir müssen die Verunsicherung der Nutzerinnen ernst nehmen. »Minderheitenschutz oder Frauenschutz?Letztlich geht es im aktuellen Streit auch um die Abwägung, ob das Interesse einer Minderheit höher zu gewichten ist als das Schutzbedürfnis von Frauen. Fakt ist: Viele Frauen in der Schweiz erleben auch heute noch häusliche und sexualisierte Gewalt. Eine abnehmende Tendenz ist nicht zu erkennen. Erst vor wenigen Wochen zeigte eineStudie der Universität Zürich, dass jeder fünfte Schweizer Mann das eigene Geschlecht für überlegen und Gewalt für legitim hält. Entsprechend wichtig seien Schutzräume für Frauen, sagt Perriard. Sie betont aber: «Es geht nicht darum, Schutzbedürfnisse verschiedener Gruppen gegeneinander auszuspielen. » Eine mögliche Lösung sieht sie darin, ein klar angekündigtes Zeitfenster vorzusehen, in dem auch Transfrauen mit amtlichem Geschlechtseintrag «weiblich» und sichtbaren männlichen Geschlechtsmerkmalen das «Paradiesli» nutzen könnten. Die übrigen Nutzerinnen könnten sich darauf einstellen und selbst entscheiden, ob sie den Frauenbereich während dieser Zeit besuchen möchten. Im grün-linken Gemeinderat, der Berner Exekutive, dürfte dieser Vorstoss kaum auf Begeisterung treffen. Die zuständige Gemeinderätin Anderegg will sich auf Anfrage nicht äussern. Für sie gelte aber weiterhin: «Frau ist, wer sich als Frau fühlt. » Ob diese Einstellung mehrheitsfähig ist, scheint zunehmend unsicher.

Quelle: blick.ch

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