Meeresforschung: Drohne filmt erstmals Geburt eines Buckelwals – und stellt Wissenschaft in Frage
Pilot Alex Forrest dachte zunächst an einen Raubtierangriff. Was seine Drohne vor New South Wales einfing, war aber die vierte je gefilmte Buckelwal-Geburt, und die erste aus der Luft. Sie bringt völlig neue Erkenntnisse.

NachrichtenPanoramaMeeresforschungDrohne filmt erstmals Geburt eines Buckelwals – und stellt Wissenschaft in FragePilot Alex Forrest dachte zunächst an einen Raubtierangriff. Was seine Drohne vor New South Wales einfing, war aber die vierte je gefilmte Buckelwal-Geburt, und die erste aus der Luft. Sie bringt völlig neue Erkenntnisse. 30. 07. 2026 , 15:34 UhrAlexander Forrest war Zeuge, wie ein erwachsenes Buckwal-Weibchen bei ruhiger See ihr Kalb zur Welt brachte, und hielt die ersten Momente im Leben des Neugeborenen fest. Foto: Alexander Forrest/Organisation f/Alexander ForrestVor der Küste von Kingscliff im australischen Bundesstaat New South Wales hat Drohnenpilot Alex Forrest von der Walschutzorganisation ORRCA am 28. Juli 2026 Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Forrest beobachtete ein Buckelwal-Weibchen, das sich deutlich langsamer als die übrigen Tiere seiner Gruppe bewegte. Plötzlich erschien eine rote Wolke im Wasser. Forrest dachte zunächst an einen Raubtierangriff. Doch dann tauchte neben dem Weibchen ein zweites, kleineres Tier an der Wasseroberfläche auf: ein neugeborenes Buckelwal-Kalb. Wie wurde die Buckelwal-Geburt gefilmt?Laut der Walschutzorganisation ORRCA – Organisation for the Rescue and Research of Cetaceans in Australia – ist es erst das vierte Mal in der Geschichte, dass die Geburt eines Buckelwals auf Video festgehalten wurde. Es ist zugleich das erste Mal weltweit, dass eine solche Geburt mit einer Drohne aus der Luft aufgezeichnet wurde. Die Aufnahmen entstanden regelkonform: Forrest filmte aus einer Entfernung von mehr als 100 Metern – dem nach australischemNaturschutzrecht vorgeschriebenen Mindestabstand beim Beobachten von Meeressäugern. „Ich hoffe, dass dieses Filmmaterial dazu beitragen kann, das sehr geringe Wissen über die Geburt von Buckelwalen zu erweitern", sagte Forrest. Die Aufnahmen sollen nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgewertet werden. Warum stellen die Aufnahmen die Wissenschaft infrage?Die Sichtung sorgt in der Fachwelt für Aufsehen, denn die Aufnahmen stellen bisherige Annahmen der Meeresbiologie infrage. Bislang gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass Buckelwale ausschließlich in tropischen Gewässern gebären. Der Fund vor New South Wales, einem gemäßigten Küstengewässer, deutet nun darauf hin, dass dies nicht zwingend der Fall sein muss. Meeresbiologin Vanessa Pirotta von der Macquarie University in Sydney bezeichnete die Sichtung als „magisch". Pirotta schrieb auf der Plattform X: „Die Tatsache, dass dieses Junge genau wusste, was zu tun war, nämlich an die Oberfläche zu kommen, war ein ganz besonderer Moment. "Was wissen Forscher über Buckelwale und ihre Fortpflanzung?Derzeit befinden sich tausende Buckelwale der Art Megaptera novaeangliae auf ihrer jährlichen Wanderung entlang der australischen Ostküste in Richtung wärmerer Gewässer im Norden. Buckelwale bringen alle zwei Jahre ein Kalb zur Welt. Das sind die wichtigsten Fakten zu Buckelwalen:Größe: bis zu 17 MeterGewicht: bis zu 40 TonnenGeburtsgewicht eines Kalbs: rund 1. 300 KilogrammFortpflanzungsrhythmus: alle zwei Jahre ein KalbPaarungsverhalten: Bullen locken Weibchen mit stundenlangen Gesängen an und vertreiben Konkurrenten aggressivWährend der Paarungszeit versuchen Bullen laut dem WWF mit teils stundenlangen Gesängen, Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Buckelwal-Bullen wälzen sich dabei und schlagen mit ihren Flippern auf die Meeresoberfläche, ein Schauspiel, das durch die Drohnenaufnahmen nun eine neue wissenschaftliche Dimension erhält. Buckelwale: Vom Aussterben bedroht und doch ein ComebackBuckelwale gehören zu den bekanntesten Meeressäugern der Welt – und waren lange Zeit vom Aussterben bedroht. Jahrhundertelanger kommerzieller Walfang dezimierte die Bestände der Art Megaptera novaeangliae auf wenige tausend Tiere. Seit dem internationalen Walfangverbot von 1986 erholen sich die Populationen langsam, aber spürbar. Der WWF schätzt den heutigen Weltbestand auf rund 80. 000 bis 90. 000 Tiere – ein Hoffnungszeichen, aber kein Grund zur Entwarnung. Nach wie vor bedrohen zahlreiche Faktoren das Überleben der Meeresriesen:SchiffskollisionenVerfangen in FischernetzenMeereslärmverschmutzungKlimawandel und steigende Wassertemperaturen, die die Nahrungsgrundlage verändernSchutzorganisationen wie ORRCA und der WWF setzen sich weltweit für den Erhalt der Buckelwale ein, mit Monitoring-Programmen, Aufklärungsarbeit und dem Einsatz moderner Technologien wie Drohnen. Timmy: Der Buckelwal, der Deutschland in Atem hieltBuckelwal „Timmy" sorgte im Frühsommer 2026 für Schlagzeilen, als er in der Nordsee gesichtet wurde, weit außerhalb seines üblichen Verbreitungsgebiets. Was folgte, war eine wochenlange Odyssee. Timmy strandete wiederholt: zunächst in der Wismarer Bucht, dann Ende März auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Dort steckte der geschwächte Wal rund vier Wochen fest. Die offiziellen Rettungsversuche wurden schließlich eingestellt, woraufhin eine private Initiative die Rettung übernahm. Nach der spektakulären Rettungsaktionverstarb Timmy mit hoher Wahrscheinlichkeit, er wurde tot vor der dänischen Insel Anholt angespült. Hartwin: Buckelwal in der OstseeÄhnlichesAufsehen erregt aktuell „Hartwin": Ein Buckelwal, der in der Wismarer Bucht an der Ostseeküste gesichtet wurde. Das Umweltministerium bestätigte die Sichtung und beobachtete das Tier. Beide Fälle zeigen ein Muster: Buckelwale tauchen zunehmend in europäischen Gewässern auf. Fachleute sehen darin einen möglichen Zusammenhang mit dem Klimawandel, der die Wanderrouten der Meeressäuger verändert. Was passiert jetzt mit den Drohnenaufnahmen?Die Drohnenaufnahmen vom 28. Juli 2026 werden nun von Meeresforscherinnen und Meeresforschern wissenschaftlich untersucht. Über die Geburt von Buckelwalen ist bislang nur sehr wenig bekannt. Die Weltpremiere vor Australien liefert erstmals Bildmaterial, das neue Erkenntnisse über den Geburtsvorgang und das Fortpflanzungsverhalten dieser Meeressäuger ermöglichen könnte. Wenn die Auswertung ergibt, dass Buckelwale auch in gemäßigten Gewässern gebären, müssten bisherige Annahmen der Meeresbiologie grundlegend revidiert werden.