Nach Raketen-Aufstieg und Rückzug: Ricarda Lang berichtet bald live, was Politik mit Menschen macht
Sie bezeichnet sich selbst als Humorbeauftragte der Grünen, dabei hatte Ricarda Lang einige Jahre sicherlich nicht so viel zu lachen. Denn mit gerade mal 32 Jahren hat Ricarda Lang im Politikbetrieb schon. . .

Sie bezeichnet sich selbst als Humorbeauftragte der Grünen, dabei hatte Ricarda Lang einige Jahre sicherlich nicht so viel zu lachen. Denn mit gerade mal 32 Jahren hat Ricarda Lang im Politikbetrieb schon eine Menge erlebt, nicht zuletzt als Bundesvorsitzende von 2022 bis Ende 2024. Die Schwäbin gilt als prägende Stimme einer neuen politischen Generation. Diese Stimme ist laut und noch ein wenig lauter geworden, seit sie sich von der Parteispitze zurückgezogen hat. Wie blickt Ricarda Lang seither auf die Maschinerie Bundespolitik? Darum geht es beim SÜDKURIER-Forum mit Chefredakteur Stefan Lutz am Mittwoch, 22. Juli, im Bodenseeforum in Konstanz. So melden Sie sich anAb 2026 erheben wir für unsere bislang kostenfreien SÜDKURIER-Foren einen Teilnahmebeitrag. Damit verbessern wir die Verlässlichkeit zwischen Anmeldung und tatsächlicher Teilnahme und gehen bewusster mit den begrenzten Plätzen um. Gleichzeitig sind unsere Aufwände für Organisation und Infrastruktur deutlich gestiegen. Der Beitrag schafft Planungssicherheit und ermöglicht es uns, die Veranstaltungen weiterhin nachhaltig, hochwertig und professionell umzusetzen. Tickets für das SÜDKURIER-Forum am Mittwoch, 22. Juli, mit Grünen-Politikerin Ricarda Lang können Sie buchen unterwww. meinSK. de/lang, sie kosten 9 Euro für Abonnenten und 13 Euro für Nichtabonnenten. Beginn ist um 19 Uhr, der Einlass ins Foyer beginnt um 18 Uhr und in den Saal um 18. 30 Uhr im Bodenseeforum in Konstanz. Von Nürtingen in die erste Reihe und zurückRicarda Lang ist weiterhin Teil dieses Politikbetriebs, denn seit 2021 ist sie Bundestagsabgeordnete für ihren Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd. Von ihrer Heimat Nürtingen aus hat sie sich schon früh auf den Weg gemacht, um politisch etwas zu bewegen. Auslöser war nach eigenen Angaben der Jobverlust ihrer Mutter, einer Sozialarbeiterin in einem Frauenhaus. „Aus der anfänglichen Wut wurde bald der Wunsch nach Veränderung und der Antrieb, mich für mehr soziale Gerechtigkeit einzusetzen“, schreibt Lang dazu auf ihrer Webseite. Mit diesem Einsatz ist sie schnell weit gekommen: von 2015 bis 2019 war sie im Bundesvorstand der Grünen Jugend, von 2019 bis 2022 stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen und von 2022 bis 2024 nicht nur Parteivorsitzende mit Omid Nouripour, sondern auch frauenpolitische Sprecherin. Und das in einer Zeit, als die grün-rote Bundesregierung ständig in der Kritik stand und letztlich zerbrach. Ende 2024 zog sie nach einer bitteren Niederlage der Grünen bei der Landtagswahl in Brandenburg die Konsequenzen. Es brauche neue Gesichter, um die Partei aus dieser Krise zu führen. Unsichtbare Unsicherheit und massive HasskommentareIn dieser intensiven Zeit gab es auch persönliche Unsicherheiten, wie Lang bei Instagram offenlegt: „Zwei Tage davor war ich als Parteivorsitzende zurückgetreten und wusste gar nicht, wie es in meinem Leben weiter geht btw“, schreibt sie unter ein Bild von sich mit ihrem Mann. „In dieser Zeit war ich bei jedem Post unsicher wegen Kommentaren zu meinem Äußeren btw“, steht bei einem Selfie. „btw“ steht für „by the way“, also nebenbei, und mit diesem Schlagwort werden derzeit Hintergründe geteilt, die in einer auf den ersten Blick perfekten Instagram-Welt oft nicht sichtbar sind. Gut sichtbar ist hingegen seit Jahren die massive Kritik an ihrer Person: Ricarda Lang ist Hasskommentaren, Hetze und digitaler Gewalt ausgesetzt. Dabei ging es immer wieder um ihre Figur, auch um eine fehlende Berufsausbildung abseits der Politik. In beiden Punkten gibt es nun keine Angriffsfläche mehr: Sie hat stark abgenommen, außerdem erreichte im Sommer 2025 den Bachelor of Laws und mache nun berufsbegleitend den Master im Fernstudium. Doch die Kritik prägte sie, wie sie in einem Interview mit der „Zeit“ sagte: Angesichts vieler Vorurteile und falscher Zuschreibungen habe sie wohl versucht, „so ernsthaft, glatt und perfekt wie möglich zu sein“. Ricarda Lang im April beim Landesparteitag der Berliner Grünen. Foto: Christoph Soeder/dpaDem Hass, der im Internet kursiert, will sie keine Macht mehr geben. Erst im Dezember prangerte sie an, dass Hasskommentare dafür sorgen würden, dass Menschen sich aus dem Internet zurückziehen. „Doch darauf habe ich keinen Bock mehr. Denn das Netz gehört uns allen. “Kein Grund, sich als Oppositionspolitikerin zu freuenRicarda Lang nutzt das Netz heute auch mal für persönliche, unperfekte Einblicke und zeigt sich nach dem Halbmarathon oder einen Monatsrückblick inklusive selbstgebackenem Kuchen. Im Mittelpunkt stehen aber politische Inhalte und damit erreicht sie ein Millionenpublikum. Dabei spart sie nicht mit Kritik – das tun wenige, besonders wenn sie in der Opposition sind. Anfang Mai schlug sie bei einer Rede im Bundestag den Bundeskanzler Friedrich Merz mit eigenen Worten, wie sie selbst es bezeichnet, und stellte fest: „Sie haben keine Idee, keine Vision und keinen Plan für dieses Land. “ Das kommt gut an: 6,8 Millionen Menschen haben das Video bei Instagram gesehen, rund 474. 000 haben es geherzt, 23. 800 haben es geteilt und 10. 900 kommentiert. Die 32-Jährige spart allerdings auch nicht mit Realismus und einem Blick auf das große Ganze. Denn die Probleme der aktuellen Regierung seien für die Opposition kein Grund zur Freude. „Es ist nicht nur so, dass das Vertrauen in diese Regierung verloren geht, sondern es geht das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Politik als Ganzes verloren. “ Daher lautete ihr Appell Ende Mai 2026 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“: „Reißt euch endlich zusammen. “Wenn sich Ricarda Lang äußert, hier beim Landesparteitag der Berliner Grünen im April, benennt sie immer wieder Missstände und macht Vorschläge, wie es besser ginge. Beim SÜDKURIER-Forum können Abonnenten und Nicht-Abonnenten sie live im Gespräch mit Chefredakteur Stefan Lutz erleben. Foto: Christoph Soeder/dpaWie Ricarda Lang von der Seitenlinie die Bundespolitik wahrnimmt, wird sie beim SÜDKURIER-Forum auf der Bühne des Bodenseeforums in Konstanz verraten. Im Gespräch mit Chefredakteur Stefan Lutz geht es umTempo, Druck, Erwartungen und persönliche Grenzen, aber auch über Wendepunkte und neue Perspektiven nach dem Rückzug aus der ersten Reihe. „Ricarda Lang hat ihren Lebensentwurf sehr früh vollkommen neu definieren müssen und ist dabei nicht untergegangen“, sagt Stefan Lutz. Damit sei sie Inspiration für viele Menschen. „Ich freue mich sehr auf den Abend mit ihr. Und klar, wir werden auch über Politik sprechen. “