Niedrigwasser-Lage spitzt sich zu: So will die Politik reagieren
Nicht nur am Rhein, Europas wichtigster Wasserstraße, sinken die Pegel auf historische Tiefststände: Austrocknende Flüsse plagen die deutsche Binnenschifffahrt, die Branche fordert Hilfe von. . .

Nicht nur am Rhein, Europas wichtigster Wasserstraße, sinken die Pegel auf historische Tiefststände: Austrocknende Flüsse plagen die deutsche Binnenschifffahrt, die Branche fordert Hilfe von derPolitik. Bundesverkehrsminister Steffen Bilgerkündigte unter anderem weitere Lockerungen des Sonntagsfahrverbots für Lkw an, damit wichtige Güter dennoch ans Ziel kommen. Bei einem digitalen Treffen mit den Landesverkehrsministern werde dies besprochen. Der CDU-Politiker sagte gegenüber unserer Redaktion: „Die Pläne müssen so gemacht werden, dass an den kommenden Sonntagen auch noch mehr davon Gebrauch gemacht wird. “ Dies sorge für weitere Entlastung, „wenn es um bestimmte Güter geht, die nicht länger an den Häfen gelagert werden dürfen. “Auch Baden-Württemberg setzt Sonntagsfahrverbot für LKW ausUnter anderem haben Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland dassonntägliche Lkw-Fahrverbotbereits gelockert. Am Montag kündigte auch Baden-Württemberg an, ausnahmsweise Transporte zu erlauben, „die unmittelbar oder mittelbar der Bewältigung der Folgen des Niedrigwassers dienen“. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter hatte gegenüber unserer Redaktion die Pläne grundsätzlich befürwortet. Noch beteiligt sich der Freistaat aber nicht daran. Bilger sieht in der der Verlagerung von Gütern von den Wasserwegen auf Schienen und Straßen sowie der Aufschiebung nicht zwingend nötiger Bauarbeiten die richtige Antwort auf die herausfordernde Lage: „Wir haben schnell gehandelt und das hilft uns jetzt auch, in dieser schwierigen Situation hoffentlich gut durchzukommen. “Flüsse und Kanäle sollen Bilger zufolge auch langfristig besser an Klimarisiken angepasst werden. So werde ein Förderprogramm des Bundes für die Umrüstung von Schiffen auf Niedrigwassersituationen nicht wie bisher vorgesehen gekürzt, sondern vielmehr ausgeweitet. So heiß wie nie zuvorLaut dem Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus war es im Juni und Juli in Westeuropa so heiß wie nie zuvor in diesen beiden Monaten: im Durchschnitt 21,62 Grad. Zudem wurden besonders wenig Niederschläge registriert. Die Folge sind austrocknende Flüsse. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich aktuell in der Kaub in Rheinland-Pfalz. Dort befindet sich ein entscheidender Messpunkt für die Rheinschifffahrt. 2018 zeigte er nur noch eine Wasserhöhe von 25 Zentimetern an, bis dato der niedrigste jemals gemessene Stand. Doch vor wenigen Tagen sank der Pegel erstmals unter die 20-Zentimeter-Marke, zuletzt zeigte er nur noch 17 Zentimeter, sogar einstellige Werte drohen. Bei so wenig Wasser sei der Rhein bald nicht mehr durchgängig befahrbar, warnt der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Der Fluss werde dann praktisch zweigeteilt sein. Reeder fordern Modernisierung von Schleusen und WehrenFür die Branche eine bedrohliche Aussicht. Steffen Bauer, Chef der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK), mit mehr als 300 Schiffen Deutschlands größte Binnenreederei, sagte unserer Redaktion: „Der Rhein ist die Lebensader unserer Industrie. Seine Leistungsfähigkeit ist entscheidend für stabile Lieferketten, Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. “ Von der Politik erhofft er sich eine umfassende Reaktion: „Kurzfristig brauchen wir eine nationale Koordinierungsstelle Niedrigwasser. Sie muss Wasserstraße, Schiene, Straße, Häfen und Wirtschaft eng koordinieren. “ So könnten gerade in Niedrigwasserphasen Engpässe vermieden werden. Mittel- bis langfristig, so der Reederei-Chef weiter, sei ein Resilienzprogramm nötig, das die Modernisierung von Schleusen, Wehren und Hebewerken mit Blick auf künftige Niedrigwasserlagen bündle. Die Forderung seiner Branche an die Politik: „Mindestens 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. “ Bauer ist überzeugt: „Wer heute in den Rhein investiert, investiert in die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland. “