Paramount, die Ellisons und die Politik: Warum der Warner-Deal. . .
Medien. Paramount schlägt bei seinem Versuch, den Rivalen Warner zu übernehmen, heftiger Widerstand entgegen. Eine Richterin hat die Übernahme nun vorerst auf Eis gelegt. Was steckt dahinter?
New York/ Los Angeles. Eigentlich war der Deal schon unter Dach und Fach. Die Aktionäre von Warner Bros. hatten bereits im April der Übernahme durch den Konkurrenten Paramount Skydance mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Netflix hatte sich zwei Monate davor aus dem Bieterkampf zurückgezogen. Um die Aktionäre von dem 111 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss zu überzeugen, hatte Paramount-Chef David Ellison ihnen 650 Millionen Dollar pro Quartal zusätzlich zugesagt, sollte die Übernahme nicht bis Ende September finalisiert sein. David Ellison, Sohn des Oracle-Gründers und Trump-Unterstützers Larry Ellison, steht nun unter Zeitdruck. Denn eine Bundesrichterin in Kalifornien hat die Übernahme nach einer Klage von zwölf demokratisch geführten Bundesstaaten auf Eis gelegt. Sie will den Fall noch eingehend prüfen. Was ist da schon wieder passiert?Die zwölf US-Bundesstaaten (Kalifornien, Arizona, Colorado, Connecticut, Massachusetts, Minnesota, Nevada, New Jersey, New Mexico, New York, Oregon und Washington) argumentieren, die bereits genehmigte Übernahme würde zu „höheren Preisen, geringerer Qualität und weniger Inhalten“ für das Publikum führen. Die US-Regierung von Donald Trump hatte die Übernahme, die auch den bekannten Nachrichtensender CNN umfasst, im Juni bereits ohne Auflagen genehmigt. Das Justizministerium hatte erklärt, der Zusammenschluss werde „voraussichtlich nicht zu einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs und der amerikanischen Verbraucher“ führen. Die Aktien von Paramount und Warner gaben nach der Entscheidung der Richterin deutlich nach. Mehr dazuWarner Bros. Discovery, 2022 aus der Fusion von WarnerMedia und Discovery entstanden, hat Filmstudios (Warner Bros. Pictures steht hinter Harry Potter, Der Herr der Ringe, Dune, Barbie oder dem DC Cinematic Universe mit Batman und Superman), Streamingdienste (Max, HBO und Discovery), Comicverlage (DC Entertainment) und Fernsehsender. Zu letzteren zählt auch CNN. Und dieser Sender ist der eigentliche Zankapfel, denn Paramount will den ganzen Konzern (Netflix hätte die TV-Sender nicht mitübernommen). Larry Ellison und TrumpCNN war in der Vergangenheit Donald Trump kritisch gegenüber gestanden. Wie das Wall Street Journal berichtet hatte, hatte Larry Ellison, der für die Übernahme eine persönliche Garantie in Höhe von 40 Milliarden Dollar gegeben hatte und indirekt die absolute Mehrheit der Stimmrechte an der Firma seines Sohnes hält, Trump versprochen, CNN komplett umzustrukturieren. Unter anderem will er Bari Weiss, die Chefredakteurin von CBS, die zuletzt stark gegen Cancel Culture, Wokeismus und pro Israel aufgetreten ist, die redaktionelle Gesamtleitung von CNN übertragen, wenn der Deal durch ist. Die klagenden Bundesstaaten führen allerdings an, dass Paramount durch die Fusion zu viel Macht im Kabel-TV-Markt bekommen könnte, da dann CNN, die Sportsender TNT und TBS und die Paramount-Sender CBS, Nickelodeon und MTV in einer Hand wären. Paramount könnte CNN-Seher zwingen, die anderen Sender im Paket dazuzuabonnieren. Doch stoßen sie sich auch an dem Monopol bei großen Kinofilmen, die Paramount dann hätte. Mehr dazuLarry Ellison ist mit einem Vermögen von 181 Milliarden Dollar laut Bloomberg-Daten der siebtreichste Mensch der Welt. Er ist mit Donald Trump persönlich befreundet und hat auch seinen Wahlkampf unterstützt. Sein Sohn David galt ursprünglich als politisch eher links, inzwischen pflegt aber auch er Kontakte zu Trump. 2010 hat er Skydance gegründet und die Marke mit Filmen wie „True Grit“ berühmt gemacht. Mit Paramount arbeitete man immer eng zusammen, bis Skydance den Konkurrenten im Vorjahr übernahm. Paramount ist ein Zwerg unter RiesenDie größten Konkurrenten von Paramount unter den Filmstudios sind Disney (mit Marvel, Lucasfilm, Pixar und 20th Century Fox sowie dem Streamingdienst Disney+), Universal-Mutter Comcast und Sony Pictures Entertainment. Im Streaminggeschäft hat Paramount+ darüber hinaus noch mit Netflix, Amazon Prime und Apple TV zu kämpfen. Durch den Zusammenschluss mit Warner und dem Dienst Max hofft Paramount, eine Größe zu erlangen, die im globalen Markt bestehen kann. Mit einem Börsenwert von knapp zehn Milliarden Dollar ist Paramount an der Börse ein Fliegengewicht gegen Warner (65 Milliarden Dollar) und Disney (167 Milliarden Dollar). Ohne die milliardenschwere Garantie von Larry Ellison hätte Paramount die Kredite für die Übernahme kaum erhalten. Doch warum will das Unternehmen 111 Milliarden Dollar für einen Konkurrenten zahlen, der an der Börse nur 65 Milliarden Dollar wert ist? Bei einem Großteil der Differenz handelt es sich um Schulden, die Paramount mitübernimmt, bei einem Teil um die Übernahmeprämie für die Aktionäre.