Politik: Die Kickl-Tales oder das Sommermärchen vom „hegemonialen Volkskörper“
Achtung, im Sommer steigt wieder die Chance (oder Gefahr, je nach Standpunkt), Politiker:innen persönlich zu begegnen. Die Parteien starten ihre „Sommertouren“. Das ist an sich keine schlechte Idee. In Ungarn. . .

Achtung, im Sommer steigt wieder die Chance (oder Gefahr, je nach Standpunkt), Politiker:innen persönlich zu begegnen. Die Parteien starten ihre „Sommertouren“. Das ist an sich keine schlechte Idee. In Ungarn gewann Péter Magyar auch deshalb, weil er selbst Hunderte Wahlkampfveranstaltungen absolvierte, damit die Menschen ihn persönlich kennenlernen. Nicht nur als Zerrbild der Viktor-Orbán'schen Propagandakanäle. Nur wie die Regierungsparteien ihre „Sommertouren“ anlegen, finde ich seltsam. SPÖ-ChefAndreas Bablersreist unter dem Motto „Ordnen statt spalten“, dem aktuellen Partei-Slogan. KanzlerChristian StockersTour heißt „Österreichim Gespräch“, moderiert von Vera Russwurm und Arabella Kiesbauer. Stockers Sommer-Aktion ist nicht von derÖVP, sondern vom Kanzleramt organisiert. Wenn der Regierungschef eine Ferienkampagne einschiebt, sollte er da nicht auch seinen Vizekanzler und die Außenministerin mit dazu einladen? Oder ist der Gedanke schon völlig abwegig, dass die Dreierkoalition GEMEINSAM durch Österreich tourt, um für ihre Arbeit GEMEINSAM zu werben?Offensichtlich wird es das nicht geben. Lieber reist jeder für sich. Aber so werden Christian Stocker, Andreas Babler undBeate Meinl-Reisingerihren gemeinsamen Rivalen, FPÖ-ChefHerbert Kickl, nicht einbremsen. In Umfragen liegt dieFPÖseit Wochen recht stabil bei plus/minus 37 Prozent. ÖVP undSPÖdümpeln beide bei 20 Prozent dahin. Zur Erinnerung:Sebastian Kurzholte als ÖVP-Chef bei den Nationalratswahlen 2019 37,5 Prozent. Für Kickl könnte also noch ein bisschen mehr drinnen sein. Wie simpel diese „Kickl Tales“ doch sind. Sie gehen so: Wenn ich „Volkskanzler“ werde, schaffe ich Euch ein Österreich mit einem „homogenen Volkskörper“, entledigt aller Fremden, weil die werde ich „remigrieren“. Außerdem befreie ich Euch vom Brüsseler Joch, der Fremdbestimmung, weil das Recht geht in Österreich immer noch vom Volk aus. Wir lassen uns nichts diktieren!FALTER. maily - Der fast tägliche Newsletter aus der FALTER-RedaktionNormalerweise kommt der FALTER einmal die Woche zu Ihnen nach Hause. FALTER. maily erscheint aber fast täglich – mit aktuellen Inhalten und Einschätzungen direkt aus unserer Redaktion. Unseren Newsletter können Sie hier kostenfrei abonnieren. Beim Absenden des Formulars ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie später es erneut. Vielen Dank für Ihr Interesse!Sofern Sie noch kein anderes Newsletterthema von uns abonniert haben, erhalten Sie nun einen Link an Ihre E-Mail Adresse, um Ihre Anmeldung zu bestätigen. Wir nutzen Ihre E-Mailadresse auch, um Sie im Rahmen unserer Kundenbeziehung über eigene Produkte (Bücher, DVDs & Blu-Rays, CDs, FALTER-Fanartikel, FALTER-Abos und Sonderpublikationen) zu informieren. Dies nehmen wir, gestützt auf unser berechtigtes Interesse Werbung (Art 6 Abs 1 lit f DSGVO) zu betreiben, vor. Sie können der Zusendung jederzeit widersprechen. Ein Link zur Ausübung des Widerspruchs ist in allen E-Mails, die wir automatisiert versenden, enthalten bzw. kannhiererfolgen. Den Blauen ist es verblüffend schnell gelungen, den rechtsextremen Kampfbegriff „Remigration“ zu normalisieren. Noch verblüffender ist, dass viele Menschen Kickl offenbar glauben wollen, dass Österreichs Probleme mit einem Schlag gelöst wären, wenn man nur massenhaft Ausländer außer Landes schafft – oder ihnen zumindest die Sozialleistungen kürzt. Kickls Propaganda eines „homogenen Volkskörpers“ funktioniert auch deshalb so gut, weil die Idee dahinter tief im historischen Gedächtnis Österreichs verankert ist. Dieses deutschnationale, rechtsextreme und nationalsozialistische Narrativ spielt mit der österreichischen Urangst vor Überfremdung. Wienwar immer eine Metropole der Migrant:innen, so wie das Staatswesen drumherum. Das Fremde, das waren zuerst fast immer die Juden, Roma und Sinti. Die Nazis wollten „Rassenreinheit“ schaffen, wie das endete, ist bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg überlebte das Phantasma einer „reinen Österreichertums“ in der Ablehnung der „Tschuschen“. Jetzt sind die „Muslime“ das, was angeblich stört. „Österreich zuerst“, „Umvolkung“, „Homogener Volkskörper“, „Remigration“: Keine Partei bedient seit mehr als dreißig Jahren so konsequent rassistische Ressentiments. Stay on the message, nennen diese Strategie Politikberater. Und dagegen hat die Dreierkoalition wirklich keine stärkere „Message“ anzubieten? Etwa die von einem Österreich, das sich als weltoffenes, europäisches, vielfältiges Land versteht? In dem Rassismus und Angstmache keinen Platz haben, worauf wir stolz sein können? Vielleicht können sich Stocker, Babler und Meinl-Reisinger, wenn sie schon den Sommer getrennt touren, für den Herbst zu einer gemeinsamen Österreich-Erzählung zusammenraufen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr. Achten Sie auf sich in den kommenden Hitzetagen,Heute für Sie auffalter. at:2187 Schülerinnen und Schüler wurden im vorigen Schuljahr zeitweilig vom Unterricht suspendiert, nachdem sie Lehrkräfte oder Mitschüler attackiert, sich selbst oder andere gefährdet hatten. Tendenz: steigend. Hinter der Zahl verbergen sich aber keineswegs kleine Kriminelle, sondern Kinder, die aufgrund von Diagnosen wie Autismus, Trisomie 21 oder Ähnlichem besondere Unterstützung nötig haben, schreibt Nina Horaczek. Aber dafür fehlt das Geld. Und das bringt die Inklusion in der Schule an ihre Grenzen. Vielleicht sagt Ihnen der Name Isabelle Weber aufs Erste nichts. Die Ökonomin wurde 2023 bekannt, als sie in der Energiekrise eine Gaspreisbremse forderte. Sie steht für eine Generation jüngerer Wirtschaftswissenschaftler, die angesichts der großen globalen Herausforderungen für unorthodoxe Lösungen plädieren. Eva Konzett hat mit ihr über einige davon gesprochen:etwa über eine neue, „antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Seltsame Einleitung für ein Kochrezept: Was das Mikrobiom ist und wo es wohnt, war lange Zeit völlig unbekannt. Inzwischen weiß man aber nicht nur das – sondern auch, wie man ihm (und damit sich selbst) etwas Gutes tun kann. Zum Beispiel mit diesem cremigen Bohnensalat mit Sardine und knackigem Gemüse, den Katharina Seiser diese Woche für Sie zubereitet. Da jauchzt nicht nur das Mikrobiom selbst, sondern auch der Gaumen. PS: Hitze hin, Hitze her – eine Ausrede für schlechten Kleidungsstil sind auch die hohen Außentemperaturen nicht. Die Redaktion von FALTERs Best of Vienna hat für Sie eine Liste von Wiens angesagtesten Designerinnen zusammengestellt:Hier erfahren Sie, wo Kollektionen zu finden sind, die frischen Wind in die Wiener Modeszene bringen. Wie konnte das passieren?Wie konnte das passieren? Warum waren die Nazis so rasch so erfolgreich? Und kann es wieder geschehen? Solche Fragen stelle ich mir unweigerlich, wenn ich mir Kickls aktuelle Botschaften so anschaue. In diesem Gespräch mit mir analysiert der Historiker Götz Aly, wie es die Nazis es geschafft haben, einen großen Teil der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen und dort zu halten. Wird es wieder passieren?Tobias Portschywar der Streber unter den österreichischen Nazis, binnen kürzester Zeit machte er das Burgenland „judenrein“. Im östlichsten Bundesland gab es sieben traditionsreiche jüdische Gemeinden: Eisenstadt, Mattersburg, Kittsee, Frauenkirchen, Kobersdorf, Lackenbach, Deutschkreutz. Ihre Geschichte hat die Journalistin und Politologin Margaretha Kopeinig in dem lesenswerten Buch „Jüdisches Burgenland. Begegnungen mit einer zerstörten Kultur“ aufgeschrieben. Dafür sprach sie auch mit Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky, dessen Mutter in Lackenbach aufgewachsen ist. Er warnt: Was damals passierte, kann sich wiederholen. Das Buch können Sie imfaltershopbestellen. Wie beginnt es?„Die FPÖ feiert – Ist die politische Mitte chancenlos?“ Das war das Thema einer politischen Talkrunde auf Puls4, bei der ich teilnahm. Es diskutierten SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim, Ex-SPÖ-Tirol-Chef Georg Dornauer, ÖVP-Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger und Norbert Nemeth (stellvertretender FPÖ-Klubobmann). Nemeth vermied es deutlich, sich vom Begriff„Remigration“ und den rechtsextremen Identitäten zu distanzieren. Nachzusehenhier. Der Sommer mit dem FALTERDer FALTER geht diesen Sommer nicht auf Tour, Sie können uns aber trotzdem live erleben. An vier Dienstagen im Juli und August finden die FALTER-Sommer-Naturgespräche im MQ statt. Katharina Kropshofer lädt Gäste in den begrünten Innenhof. Es geht um heiße Städte, kluge Tiere und dicke Luft. Und all das bei freiem Eintritt. Alle Termine, Themen und Gästefinden Sie hierPodcast 1Florian Scheuba berichtetin der aktuellen Folge seines FALTER-Podcastsvom Kampf der FPÖ gegen Meldestellen für Wiederbetätigung und Sektenfragen, sowie von Visionen einer ihrer Abgeordneten von „Dimensionstoren“ in den Pyrenäen. Mit der ehemaligen Justizministerin und jetzigen Justizsprecherin der Grünen,Alma Zadić, spricht er über Bundestrojaner, Bundesstaatsanwälte und Bundespräsidentinnen. Das ganze Gesprächfinden Sie hier. Podcast 2Im neuen FALTER-Buchpodcast ist Felicitas Prokopetz mit ihrem neuen Buch „Schon schwankte die Welt“ zu Gast. Darin befindet sich die Protagonistin Viktoria endlich an einem Punkt im Leben, der sich richtig gut anfühlt. Die Tochter, die sie sehr jung bekommen hat, geht ihre eigenen Wege und sie hat endlich den Mut, ihren beruflichen Traum zu leben: der Erforschung des Verhaltens von Rabenvögeln. Doch da verliebt sich Viktoria Hals über Kopf in einen Studenten, der ihr Sohn sein könnte und schon schwankt die Welt. Hier können Siedirekt in die Folge einsteigen. AnzeigeDer FALTER Kultursommer 2026, Ihr Guide durch den Sommer mit über 50. 000 österreichweiten Terminen zu Festivals, Veranstaltungen und Ausstellungen bis Ende September. Kostenfrei bestellen!