Quantenoptische Bodenstation: Innsbrucks neue Verbindung zum Weltraum
Diese Woche wurde die quantenoptische Bodenstation „Marietta Blau“ am Hafelekar (Nordkette) eröffnet. Die Universität und der Forschungsstandort Innsbruck verfügen damit über eine wichtige Basis. . .

Diese Woche wurde die quantenoptische Bodenstation „Marietta Blau“ am Hafelekar (Nordkette) eröffnet. Die Universität und der Forschungsstandort Innsbruck verfügen damit über eine wichtige Basis für die Entwicklung eines weltumspannenden Quanteninternets. Die quantenoptische Bodenstation wurde nach der österreichischen Physikpionierin Marietta Blau (1894–1970) benannt. Universität Innsbruck22. 05. 2026 um 09:52Die sich bereits in Betrieb befindliche quantenoptische Bodenstation „Marietta Blau“ am Innsbrucker Hafelekar ist am Montag offiziell eröffnet worden. Benannt nach der österreichischen Physikpionierin empfängt das von der Uni Innsbruck betriebene Teleskop Signale von Quantensatelliten und eignet sich zur satellitengestützten Quantenkommunikation. Dadurch lassen sich etwa verschlüsselte Quanteninformationen senden. Damit sei „absolut sichere Kommunikation von A nach B möglich“, strich der Vizerektor für Forschung der Universität Innsbruck, Gregor Weihs, bei der Eröffnung heraus. Quanteninformation zu senden und zu empfangen, bedeute schließlich, dass man es mit einer „zufälligen Folge von Einsen und Nullen“ zu tun bekomme, die von niemandem sonst verwendet würde. Blickfang in der BerglandschaftDas mit einem ein Meter großen Spiegel ausgestattete Teleskop am Hafelekar auf 2280 Metern Seehöhe hätte zudem noch weitere Vorzüge, denn es sei „vollkommen ferngesteuert“ sowie in dieser Form aufgrund der relativen Stadtnähe weltweit einzigartig, betonte Weihs. Tatsächlich wirkt das Teleskop umgeben von Schnee und Gipfeln einigermaßen futuristisch und auch äußerst urban. Ganz in einem dunklen Grau gehalten und auf einer leichten Anhöhe stehend, ist es ein Blickfang und fügt sich doch organisch in die Berglandschaft ein. Aktuell arbeite man noch an der „letzten Meile“, führte Weihs aus. „Das bedeutet, dass das Glasfasernetz dann bald bis auf das Hafelekar heraufreicht“, was das Senden von Daten „ins Tal und ins Labor“ noch weiter vorantreibe. Kernstück der Bodenstation ist ein Ritchey-Chrétien-Teleskop mit einem ein Meter großen Spiegel in einer drehbaren Kuppel. Bei der Eröffnung dabei: Vizerektor Gregor Weihs, Bürgermeister Johannes Anzengruber, Physiknobelpreisträger F. Duncan M. Haldane, Stefan Hanslik (BMFWF) und Landeshauptmann Anton Mattle. Universität Innsbruck/FesslerMehr dazuErste Messungen laufen bereitsDer Standort am Hafelekar bietet ideale Bedingungen, um die Grundlagen satellitengestützter Quantenkommunikation zu erforschen, denn aufgrund der Höhe werden Signalverluste zwischen dem Satelliten und der Bodenstation bereits reduziert. „Bis der Austausch von Lichtstrahlen zwischen Bodenstation und Satelliten funktioniert, sind einige Herausforderungen zu bewältigen. Beispielsweise sorgen Turbulenzen in der Atmosphäre für eine zufällige Ablenkung des Lichts in beliebige Richtungen. Diese müssen live gemessen und korrigiert werden“, schildert Stefan Frick aus der Arbeitsgruppe von Weihs am Institut für Experimentalphysik. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen führt er bereits regelmäßig Messungen durch und arbeitet auf Hochtouren an der Ausrichtung des Teleskops. So ist es etwa schon gelungen, passive Satelliten zur Ausrichtung anzuvisieren. „Als Teil der Central European Quantum Communication Infrastructure (CE-QCI) bereiten wir außerdem die Station auf den geplanten europäischen Quantensatelliten EAGLE-1 vor“, gibt Frick einen Ausblick auf Meilensteine der kommenden Jahre. Untersuchung von „Überriesen“Die Bodenstation wird auch von Forschenden vom Institut für Astro- und Teilchenphysik genutzt. Hier werden beispielsweise mithilfe eines hochauflösenden Spektrographen, der über Glasfaser mit dem Teleskop verbunden wird, künftig die optischen Spektren von Sternen analysiert. Im Zentrum der Untersuchungen stehen Überriesen (große und massereiche Sterne) und sogenannte Cepheiden, zu denen auch der Polarstern zählt. (APA/cog)Mehr dazu