US-Landwirte in der Krise: Wie Trumps Agrar-Politik China und Brasilien stärkt
© IMAGO/ZUMA Press WireDonald Trump geriert sich gerne als Freund der Farmer, wie hier bei einer Veranstaltung Anfang Juni in Wisconsin. Doch seine Politik ist zu ihrem Vorteil nicht. Amerikas Landwirtschaft. . .

© IMAGO/ZUMA Press WireDonald Trump geriert sich gerne als Freund der Farmer, wie hier bei einer Veranstaltung Anfang Juni in Wisconsin. Doch seine Politik ist zu ihrem Vorteil nicht. Amerikas Landwirtschaft hängt am staatlichen Geld und verliert Marktanteile. Die Verantwiortung liegt vor allem im Weißen Haus. Die Geschichte vom Hamelner Rattenfänger kennt jeder: Gefälliges Geflöte führt ins Verderben. Und auch den amerikanischen Landwirten steht das Wasser bis zum Hals. Sie waren in Scharen denVersprechungen Donald Trumpsgefolgt, sie in ein „goldenes Zeitalter“ zu führen. Nun, man könnte sagen, dass das goldene Zeitalter dank seiner Hybris recht kurz war. Hinzu kommt, dass China, Iran, Brasilien und etliche andere Länder nicht nach Trumps Pfeife tanzen. Ausbaden müssen es die amerikanischen Landwirte. US-Landwirtschaft bleibt trotz Krisen leistungsfähigGrundsätzlich bleibt die amerikanische Landwirtschaft leistungsfähig, nur dass sich die Leistung immer weniger auszahlt. Amerikanische Landwirte müssen aufgrund des Krieges im Iran und Trumps Zollpolitik für Düngemittel, Treibstoff und Maschinen tiefer in die Tasche greifen. Genau wie ihre Kollegen in der ganzen Welt. Trumps Steine, die er den Landwirten im globalen Handel in den Weg legt, tun ihr Übriges. Und, als wäre es damit noch nicht genug, spüren auch Trump-Fans, wie der Klimawandel und Dürren ihre Ernten gefährden. Die Organisation „Defend America Action“, das ist eine mit der Demokratischen Partei verbundene Forschungsgruppe, berichtet, dass fast 60 % der Landwirte ihre finanzielle Lage schlechter einschätzen. Zudem habe die Zahl der Insolvenzen in der Landwirtschaft im Jahr 2025 um 46 % zugenommen. Leistung zahlt sich für Landwirte nicht ausGleichwohl erwartet der USDA Economic Research Service 2026 für den gesamten US-Agrarsektor ein Net Farm Income von 153,4 Mrd. Dollar. Nominal wären das 0,7 % weniger als 2025, inflationsbereinigt 2,6 % weniger. Die Produktionskosten werden mit 477,7 Mrd. Dollar ungefähr auf Vorjahresniveau erwartet. Gleichzeitig spielen staatliche Zahlungen eine erhebliche Rolle: Direkte Zahlungen des Bundes werden für 2026 auf 44,3 Mrd. Dollar geschätzt, 13,8 Mrd. mehr als 2025. Das heißt: Die gesamten Einkommen sehen relativ stabil aus, aber sie verdecken erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben und Betriebszweigen. Allein staatliche Hilfen färben das Bild schön. Verluste bei den 9 wichtigsten FeldfrüchtenDie rosa Brille nutzt den Farmern wenig. Das American Farm Bureau Federation – also nicht eine Regierungsbehörde, sondern der große US-Bauernverband – rechnet für 2026 bei neun wichtigen Feldfrüchten mit 31 Mrd. Dollar Verlust auf Vollkostenbasis, ohne staatliche Hilfen. Für 2027 erwartet es sogar 32 Mrd. Dollar. Beispielhaft zeigt die Kultur Soja, wie schwierig eine Lageeinschätzung ist. Und wie eng erfolgreiches Arbeiten auf dem Feld mit Weltpolitik verzahnt ist. China kauft sein Soja woandersDas US-LandwirtschaftsministeriumUSDA erwartet eine Rekord-Sojaerntevon rund 4,5 Mrd. Bushel. Die Farmer haben 85,4 Mio. Acres angebaut, das sind 5 % mehr als 2025. USDA prognostiziert derzeit einen durchschnittlichen Saisonpreis von 11,40 $/Bushel. Soja-Bauern könnten die Sektkorken knallen lassen. Amerika könnte sehr viel Soja produzieren, wenn nicht zur selben Zeit der wichtigste historische Absatzmarkt von der Fahne gehen würde. So hatte sich China nach Angaben der US-Regierung verpflichtet, in den Jahren von 2026 bis 2028 jeweils mindestens 25 Mio. Tonnen US-Soja zu kaufen. Die Existenz dieser Zusage wurde seinerzeit auch unabhängig berichtet. Doch China kauft bei anderen ein. Brasilien profitiert von Trumps AgrarpolitikDas Magazin wallstreetOnline berichtet, dass vor den jüngsten Bestellungen für 2026 etwas mehr als 4 Mio. Tonnen Soja bestellt waren; einschließlich neuer Käufe komme man erst auf 4,5 bis 5 Mio. Tonnen. Zudem hat China im Juni 13,55 Mio. Tonnen Soja importiert, davon 12,08 Mio. aus Brasilien und nur 1,27 Mio. aus den USA. Brasilien also. Das Land ist längst der große Player in Sachen Soja und China nimmt mehr als 60 % der weltweit importierten Sojabohnen ab. Daraus ergibt sich eine hübsche Ménage à trois. Brasilien ist zum dominierenden Anbieter geworden, China ist mit Abstand der wichtigste Käufer, und die USA konkurrieren um den verbleibenden chinesischen Bedarf. US-Farmer schauen zu. Gefährliche Entwicklung für US-LandwirteÄhnlich sieht es auch bei Mais und Weizen aus. Unterm Strich steigen die Produktionskosten, während die Einnahmen stagnieren oder sogar fallen. Hier entwickelt sich ein gefährlicher Effekt: Das American Farm Bureau hatte bereits im April mehr als 5. 700 Farmer befragt. Dabei kam heraus, dass 70 % nicht die gesamte benötigte Menge kaufen würden, weil Dünger so teuer sei. Hohe Düngerpreise führen zu weniger Düngung. Das bedeutet geringere Erträge und höhere Stückkosten und damit schrumpfen die Margen weiter.