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WM 2026: Stolz und Trauer - gemischte Gefühle in Afrika

Nach dem SechzehntelfinaleStolz und Trauer - gemischte Gefühle bei afrikanischen VerbändenStand: 05. 07. 2026 • 16:01 UhrJubel in Ägypten und Marokko: Zwei Teams aus Afrika schafften es mindestens ins. . .

Von Olaf Jansen · · 6 min Lesezeit

WM 2026: Stolz und Trauer - gemischte Gefühle in Afrika

Nach dem SechzehntelfinaleStolz und Trauer - gemischte Gefühle bei afrikanischen VerbändenStand: 05. 07. 2026 • 16:01 UhrJubel in Ägypten und Marokko: Zwei Teams aus Afrika schafften es mindestens ins WM-Achtelfinale. Insgeheim hatte man sich auf dem Kontinent aber mehr erhofft. In Kairo brach am späten Freitagabend quasi alles zusammen. In Ägyptens Hauptstadt - eine ohnehin notorisch total verstopfte Metropole - herrschte verkehrstechnisch Stillstand auf den Straßen. Stattdessen wurde gefeiert. Tausende, Millionen eher, tanzten und feierten nach demSieg im Sechzehntelfinale gegen Australien, lagen sich in den Armen. Achtelfinale bei der WM - welch ein Erfolg. Marokko und Ägypten - "Stolz des Kontinents"Einen Schritt weiter ist Marokko - das WM-Viertelfinalticket gezogen. Ungeheurer Stolz auch hier: "Wenn die Leute über Marokko sprechen, sprechen sie über einen ernstzunehmenden Konkurrenten, eine bedeutende Fußballnation, und das ist ein großer Stolz", befindet Marokkos Trainer Mohamed Ouahbi. Doch nicht überall in Afrika sind sie so richtig zufrieden mit dem Verlauf der WM. Natürlich: Da war der Einzug in die K. o. -Runde für gleich neun der zehn gestarteten Teams. Doch so etwas hatte man bei der auf 48 Teams aufgeblähten WM, bei der immerhin 32 in die nächste Runde einzogen, fast erwartet. Nur: Im Sechzehntelfinale blieben gleich sieben der neun auf der Strecke. In einigen Ländern sorgte das für große Trauer. Senegal - richtig Ärger nach dem AusIn Dakar, der Hauptstadt des Senegal, wurde das dramatischeWM-Aus gegen Belgien (2:3)wie ein wiederkehrender Albtraum aufgefasst. Nach dem am grünen Tisch verlorenen Finale im Afrika-Cup gegen Marokko im Januar ereilte die fußballverrückte Nation in Seattle die nächste Pleite, nachdem man sich voll auf der Siegerstraße gefühlt hatte. Überlegen gespielt, 2:0 geführt - und dann mit dem 1:2-Anschlusstreffer der Belgier in der 86. Minute aus der Bahn geworfen. Später das Aus in der Verlängerung. Verzweiflung, Trauer. Senegals El Hadji Malick Diouf blickt nach dem Ausscheiden gegen Belgien enttäuscht zu Boden. Die meisten der vorwurfsvollen Fan-Blicke trafen Trainer Pape Thiaw, der seit Dezember 2024 die Geschicke des Teams leitet. Wie im Januar, als er die Nerven verlor und sein Team während des Endspiels um den Afrika-Cup wutentbrannt in die Kabine schickte, verlor er auch in Seattle den Überblick. Wechselte in der 66. Minute mit Pape Gueye seinen Mittelfeldenker aus - plötzlich fehlte dem Team der Widerstand in der Zentrale. Gueye reagierte nach der Partie konsequent und verkündete, nicht mehr für den Senegal zu spielen, solange dieses Trainerteam am Start sei. Die Spatzen pfeifen es in Dakar von den Dächern: Thiaws Tage auf der Bank der "Löwen von Teranga" scheinen gezählt. Dabei wurde sein Vertrag unter großem Getöse erst wenige Tage vor der WM zu verbesserten Konditionen bis 2028 verlängert. Elfenbeinküste - zu wenig Ertrag für so viel KlasseFür die Ivorer war die1:2-Niederlage im Sechzehntelfinale gegen Norwegenein echter Tiefschlag. Schon gegen Deutschland hatten die "Elefanten" in der Vorrunde einen 1:0-Vorsprung verspielt, gegen die Skandinavier ließen die ambitionierten und zweifelsohne extrem talentierten Westafrikaner das Spiel erneut durch ihre Finger gleiten. "Wir waren nicht konsequent genug in unseren Angriffen", klagte nach der Partie Kapitän Franck Kessie. Tatsächlich fehlte es den Ivorern offensichtlich eher an mentaler denn an fußballerischer Klasse, um den Schritt in die Weltspitze zu tun, den man sich selbst zutraut. "Es ist, wie mit einem Boot zu kentern", beschrieb Kessie die Gefühlslage und kündigte zwischen den Zeilen Konsequenzen an: "Wir gehen jetzt in den Urlaub. Danach treffen wir Entscheidungen. "Kapverden - "Niemand fragt mehr, wo die Inseln liegen"2:3 gegen Argentinien- für die Kapverden kam im Sechzenhntelfinale das Aus - dennoch zogen die "Blue Sharks" mit stolzgeschwellter Brust vom Rasen und aus der für sie ruhmreich verlaufenen Weltmeisterschaft. Der ehemalige englische Rechtsverteidiger Gary Neville sagte gegenüber dem britischen TV-Sender "ITV", es sei "eine der großartigsten Leistungen" gewesen, die er je von einem Außenseiter gesehen habe. Diney Borges (u. ) und Dailon Livramento von Kap Verde bejubeln den Einzug ins Sechzehntelfinale. Trainer Bubista pathetisch: "Wir haben Geschichte für unser Land geschrieben. Die Spieler können stolz darauf sein, unser Land vertreten zu haben. " Und Innenverteidiger Roberto "Pico" Lopes sagte gegenüber "BBC Sport": "Eines der besten Dinge an dieser Weltmeisterschaft ist, dass niemand mehr fragt, wo Kap Verde auf der Landkarte liegt - das ist für uns ein historischer Moment. Wir haben uns einen Platz auf der Landkarte gesichert. "Algerien - das Ende einer goldenen GenerationDas war's für Riyad Mahrez. Der 35-jährige Ausnahmestürmer, der seit 2023 seine Karriere in Saudi-Arabien ausklingen lässt, gab bekannt, dasWM-Spiel gegen die Schweiz (0:2)sei sein letztes gewesen. Gut möglich, dass auch Trainer Vladimir Petkovic künftig nicht mehr auf der algerischen Bank sitzen wird. Der 62-Jährige hatte die Mannschaft 2024 übernommen, nachdem sie zwei katasrophale Afrika-Cups (2022 und 23) hinter sich hatte. Petkovic stabilisierte das Team, brachte System und Ordnung hinein, vertraute allerdings weiter auf große Teile der goldenen Generation um Mahrez, die offensichtlich an Schwung verloren hatte. Jetzt kehren sie in Algier die Scherben einer enttäuschend verlaufenen WM zusammen. Von einer "Schande" sprach die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes, "El Khabar", nachdem die "Wüstenfüchse" einzig gegen Jordanien einen Sieg hatten holen können. Noch an diesem Wochenende tritt offenbar die Verbandsspitze in Algerien zusammen und wird wohl das Aus des Trainers verkünden, dessen Vertrag noch bis 2028 Gültigkeit besitzt. Ghana, DR Kongo, Südafrika - Minimalziel erreichtFürGhana, Südafrikaund die erst ganz spät qualifizierteDemokratische Republik Kongowar die WM-Qualifikation jeweils schon ein Riesen-Erfolg. Aber wie das so ist - ist man erst einmal dabei, sind die Erwartungen groß. Zu groß manchmal. Das Aus für alle drei im Sechzehntelfinale war für Experten erwartbar - die Fans tun sich schwer damit. Nachdem auf den Straßen von Ghanas Hauptstadt Accra nach derNiederlage der "Black Stars" gegen Kolumbienaufgebrachte Fans randalierten, appellierte Sportminister Kofi Adams an den Zusammenhalt der Nation: "Lasst uns zusammenstehen. Ich denke, jeder sieht, dass wir einen guten Schritt gemacht haben und vorankommen. "Stolz im KongoIn derDR Kongowaren die Menschen hingegen einfach nur stolz angesichts des Auftritts ihrer Nationalmannschaft. "Die DRK zeigte eine heldenhafte Leistung und unterlag England (1:2) zwar, verließ das Turnier aber erhobenen Hauptes", schrieb "Le Potentiel", die wichtigste Tageszeitung im Land. Man resümierte: "Das Ausscheiden ist zweifellos schmerzhaft für das Team. Doch es sollte nicht den entscheidenden Punkt überschatten: Die Demokratische Republik Kongo hat bewiesen, dass sie mit einer der großen Fußballnationen der Welt mithalten kann. ""Das war nicht genug"Die "Daily Sun", reichweitenstärkste ZeitungSüdafrikas, fasste für den Kontinent die Lage womöglich am treffendsten zusammen. "Die Geschichte von 'hätte, könnte und sollte' scheint kein Ende zu nehmen. Denn es war wieder einmal eine knappe Niederlage für den Kontinent. Auch wenn sie die Gruppenphase überstanden haben, war das nicht genug. "

Quelle: korrespondenten.tagesschau.de

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