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Zehn Jahre Brexit: Die Mehrheit will zurück in die EU, die Politik aber nicht

An feierlichen Versprechen vor und nach dem Votum vom 23. Juni 2016 fehlte es ja nicht. Das Gesundheitssystem würde stärker, die Steuern niedriger, die Arbeitsverhältnisse besser und die Schulklassen endlich. . .

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Zehn Jahre Brexit: Die Mehrheit will zurück in die EU, die Politik aber nicht

An feierlichen Versprechen vor und nach dem Votum vom 23. Juni 2016 fehlte es ja nicht. Das Gesundheitssystem würde stärker, die Steuern niedriger, die Arbeitsverhältnisse besser und die Schulklassen endlich wieder kleiner. Boris Johnson versprach im Brexit-Wahlkampf 2016 fast auf jedes Problem eine Lösung gefunden zu haben: Ein Austritt aus der EU. Auch Nigel Farage, der Veteran der Austrittsbewegung, kündigte an, dass „alles absolut billiger“ werde, „weil wir uns der weiten Welt öffnen mit diesem Schritt“. Das Problem mit all dem: Die Versprechen halten einem Realitäts-Check nicht stand. Expertenschätzungen zufolge hat das britische Nationalprodukt durch den Brexit um bis zu acht Prozent eingebüßt. Britische Exporte in die EU sind seit dem finalen Austritt 2020 um zwölf Prozent gesunken. Und auch im Alltag der Briten ist die versprochene Freiheit mittlerweile mehr Problem als Lösung. Der Brexit brachte Probleme im AlltagZum simplen Postversand für Päckchen muss man nun endlose Formulare ausfüllen und oft auch Exportsteuern bezahlen. Britische Urlauber, die die Insel verlassen wollen müssen nun geduldig sein. An der Grenze müssen sie meist Zollfragen beantworten und Fingerabdrücke abgeben. Lebensmittel sind zudem aufgrund von Exportkontrollen teurer und nicht billiger geworden. Besonders stark davon betroffen: Bewohner in den ärmeren Gebieten Nord- und Mittelenglands, die 2016 mit ihren Stimmen noch mehrheitlich für den Austritt votierten. Nigel Farage hat den Brexit vorangetrieben© IMAGO/Martin PopeDer Wind hat sich daher gedreht. Letzten Umfragen zufolge gehen zwei Drittel aller Briten davon aus, dass der Brexit sich „negativ“ ausgewirkt hat für ihre Heimat. Bei einigen der 52 Prozent, die einst für den Austritt stimmten ist der Vorfreude mittlerweile Ernüchterung gewichen. Inzwischen drängen drei Viertel aller Befragten, darunter auch viele Wähler der rechtsnationalenNigel-Farage-Partei Reform UK, auf erneute „enge Beziehungen zu Europa“. Die EU ist für viele wieder eine HoffnungVoll zurückkehren in die EU wollen demUmfrageinstitut YouGovzufolge gegenwärtig 55 Prozent der Befragten. Vor allem die Jugend sehnt sich nach Europa. Bereits sieben von zehn jungen Briten hoffen auf erneuten Beitritt. Verantwortlich dafür ist auch Donald Trump, der laut einer Mehrheit der Briten ein weitaus schlechterer Bündnispartner sei als die EU. Die Chancen auf eine Rückkehr – sie stehen trotz allem schlecht. Mehr als die Ankündigung, neue Deals mit der EU zu schließen oder sich annähern zu wollen, ist bisher noch keinem führenden Politiker in Großbritannien über die Lippen gekommen. Auch der am Montag zurückgetretene Labour-Chef und Premierminister Keir Starmerstartete keine Kehrtwende. Zu groß war die Angst vom britischen Boulevard des „Verrats am Brexit“ bezichtigt zu werden. Ein Risiko, das bisher niemand wagte.

Quelle: kleinezeitung.at

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