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Ziehen kühlende Bautraditionen aus Afrika und Indien in Österreich ein?

Sind Sommer mit konstant über 30 Grad die neue Normalität im Land? Wird wohnen ohne Klimaanlage, wie in südlichen Breitengraden, bald auch in Österreich unmöglich? In Kärnten überlegt man, dieSchulferien. . .

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Ziehen kühlende Bautraditionen aus Afrika und Indien in Österreich ein?

Sind Sommer mit konstant über 30 Grad die neue Normalität im Land? Wird wohnen ohne Klimaanlage, wie in südlichen Breitengraden, bald auch in Österreich unmöglich? In Kärnten überlegt man, dieSchulferien vorzuverlegen, weil Unterricht bei dieser Hitze im Juni unerträglich und die Nachrüstung aller Klassenzimmer mit Klimaanlagen zu teuer sei. „Schulgebäude wurden bisher meist nach Osten zur Morgensonne ausgerichtet. Man wollte am Vormittag viel Licht in den Klassenzimmern. Das wird nun zum Problem. Die Klassen werden schon in den Morgenstunden, noch vor dem Unterrichtsbeginn, stark aufgeheizt“, sagt der Kärntner Architekt Gerhard Kopeinig. Architekt Gerhard Kopeinig© Helmuth WeichselbraunDass Wohnen und Arbeiten ohne teure und energieintensive Klimanlagen unmöglich wird, galubt der Architekt aber nicht. „Architektur, Bau- und Gebäudetechnik müssen sich den neunen Verhältnissen anpassen. “ Lernen, wie man ohne elektrische Klimaanlagen Extremhitze bewältigt, könne man auch aus jahrhundertealten Bautraditionen in Afrika und Indien. WindtürmeBei so genanntenBadgirsetwa, sie kommen traditionell in der persischen Architektur von Westasien bis in den arabischen Raum zum Einsatz, handelt es sich um massive Windtürme. Ohne elektrischen Strom kühlt der damit eingefangene Wind die Gebäude und sorgt für eine natürliche Belüftung. Eine einfache und ideale Lösung, gerade in Wüstengebieten mit trockener Hitze. Mehr als die reine Überhitzung sei bei uns aber die Luftfeuchte ein großes Thema, sagt Kopeinig: „Mehr Wärme bringt mehr Feuchtigkeit. Die drückende Schwüle belastet uns am Tag und in den Tropennächten über 20 Grad. Der Körper kann sich nicht erholen. Gebäudetypologien und Materialverwendung müssen deshalb überdacht werden. “Lehm und KalkTraditionelle Lehmziegelarchitektur in Tunesien© IMAGO/Hanna WagnerIn Regionen wie der Sahelzone werde traditionell mit Lehmziegeln gebaut. Die hohe Speichermasse nehme die Tageshitze auf und halte das Innere kühl. „Die Wärme wird erst in den Nächten abgegeben und Lehm hat hervorragende feuchtereguliernde Eigenschaften“, erklärt der Architekt. Weshalb Lehm immer öfter auch bei uns Verwendung finden werde: „Gerade bei der Sanierung historischer Gebäude nutze ich gerne sechs bis acht Zentimeter dicke Lehmplatten für die Innenraumdämmung. Dadurch schaffe ich ein hervorragendes Klima mit sehr effizientem Feuchteausgleich. “ Die Alternative sei ein Material, das auch bei uns immer Tradition hatte, „mit Kalkplatten erreiche ich ähnliches bei geringeren Kosten“, erklärt Kopeinig. Dicke MauernDicke Wände seien ein weiteres Mittel, das traditionell in den Hitzeregionen der Welt für kühle Innenräume sorgen würde. Massive Bauweise mit bis zu 45 Zentimetern verhindert das Aufheizen, selbst bei Temperaturen über 40 Grad. „In Vorarlberg erzeugt ein Hersteller Ziegel mit so hohem Raumvolumen, dass sich im Sommer die Inneräume nicht über 26 Grad erhitzen können und im Winter die Temperatur nicht unter 22 Grad sinkt. Wohlgemerkt ohne Heizung oder Kühlung“, sagt der Architekt. Die Nutzung solcher Ziegel sei allerdings nur in Gebieten mit niedriger Baudichte, also im ländlichen Raum ökonomisch sinnvoll, „in Innenstädten ist das kaum leistbar“. Wasser als KühlungIn Japan gibt es den Brauch des „Uchimizu“. Dabei werden die Straßen, Gehwege und Höfe mit Wasser besprengt, die Verdunstung kühlt kurzfristig das Haus. In Indien hängt man Vetiver-Matten aus einem getrocknten aromatischen Tropengras vor Fenster und Türen und besprengt sie gelegentlich mit Wasser. Wenn der Wind durch sie weht, gelangt kühle Luft in den Raum. Verdunstungskälte kenne jeder, der vom Schwimmen aus dem Wasser kommt. Diesen Effekt könne man auch bei uns nutzen und statt mit Klimaanlagen könne ein Gebäude auch mit Grundwasser gekühlt werden, erklärt der Architekt: „Über einem Rohrsystem, gleich einer Fußbodenheizung, kann man Raumdecken ausstatten. Das etwa acht Grad kalte Grundwasser wird hochgepumpt und verlässt das Gebäude mit etwa 16 Grad wieder. Die perfekte ökologische Alternative zur Klimaanlage. “ Die Anfangsinvestition sei höher, die laufenden Kosten dafür sehr niedrig, schon zahlreiche Tourismusbetriebe habe er in Kärnten so hitzeresistent gemacht. BegrünungHäuser mit begrünten Innenhöfen findet man seit Jahrhunderten in allen Hitzepolen der Welt. Von Südamerika über Spanien, Afrika bis Asien haben sie Tradition: „Schattige Innenhöfe sind super, weil sie sich den ganzen Tag lang nicht erhitzen. “ Und Fassadenbegrünung und Baumstruktur werden sowohl im privaten wie im gewerblichen Bau unausweichlich werden, ist sich der Architekt sicher. Es werde ein Bekenntnis zu mehr Grün und weniger Versiegelung brauchen. „Riesige asphaltierte Parkplätze vor Einkaufszentren werden ohne Beschattung nicht mehr nutzbar sein. Bäume und Carports mit PV-Anlagen zur Beschattung werden kommen müssen. “ Des Weiteren werde der Sonnenstand, nicht nur über den Tag, sondern über das gesamte Jahr eine wichtige Rolle spielen: „Bei stärker werdender Sonneneinstrahlung überhitzen viele Glasfassaden heute nicht nur im Sommer, sondern bei flacher Sonneneinstrahlung schon im Februar. Terrassen mit Südausrichtung ohne großen Balkon oder Überdachung darüber wird kaum jemand mehr genießen können. “

Quelle: kleinezeitung.at

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