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Zum Ende des Rocco und Garage-Aus: „Ihr seid ja gar keine Kultur“ – Diskussion über Konzert-Krise und Politik-Frust

Rocco del Schlacko ist tot, die Garage in Saarbrücken wird schließen. Steht im Saarland die Rockkonzert-Kultur auf der Kippe? Darüber wurde in der Garage diskutiert – und es gab harsche Kritik am Kulturministerium.

Von Tobias Kessler · · 5 min Lesezeit

Zum Ende des Rocco und Garage-Aus: „Ihr seid ja gar keine Kultur“ – Diskussion über Konzert-Krise und Politik-Frust

SaarlandSaar-KulturZum Ende des Rocco und Garage-Aus„Ihr seid ja gar keine Kultur“ – Diskussion über Konzert-Krise und Politik-FrustSaarbrücken·Rocco del Schlacko ist tot, die Garage in Saarbrücken wird schließen. Steht im Saarland die Rockkonzert-Kultur auf der Kippe? Darüber wurde in der Garage diskutiert – und es gab harsche Kritik am Kulturministerium. 24. 06. 2026 , 18:54 UhrDas Püttlinger Festival „Rocco del Schlacko“ erlebte im vergangenen Jahr seine letzte Ausgabe – symbolhaft für die Krise der Rockkonzert-Branche. Foto: Oliver DietzeAm Ende sind die Gesichter auf dem Podium ziemlich lang. Kein Wunder. „Konzert-Kultur auf der Kippe?“ ist die Frage an diesem Dienstagabend – und nach anderthalb Stunden Diskussion liegt die Antwort in der pessimistischen Grauzone zwischen „fast“ und „so gut wie“. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Dieses Element enthält Daten von YouTube. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unsererDatenschutzseiteblockieren. Bittere Erkenntnis bei Diskussion zur Rock-Kultur im SaarlandDer Presseclub Saar hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, an einen Ort, der gut zur Frage passt: in die Garage, deren Tage als Konzert-Ort mitten in Saarbrücken gezählt sind (wir haben berichtet). „Clubs kämpfen ums Überleben, die Zukunft der Garage ist ungewiss“, sagt Club-Präsidentin und Ko-Moderatorin Nina Zapf-Schramm zur Einstimmung, „und letztes Jahr hat das größte Musikfestival des Saarlands, das Rocco del Schlacko, zum letzten Mal stattgefunden“. Auf dem Podium im Kleinen Club der Garage: Nina Zapf-Schramm (Presseclub Saar/Moderation), Thilo Ziegler (Rocco del Schlacko), Sebastian Biewer (Studio 30), Heiko Renno (Garage), Trixi Hussong (Den Atelier), Kai Jorzyk (Popp Concerts) und Markus Brixius (Moderator/Popscene Saar). Foto: Philipp Zapf-Schramm/Presseclub Saar„Ein Himmelfahrtskommando“Warum das? Für Rocco-Erfinder Thilo Ziegler (wie die anderen Podiumsköpfe Mitglied im Poprat-Verband) seien da viele Faktoren zusammengekommen, steigende bis explodierende Kosten etwa. „Das Weitermachen wäre ein Himmelfahrtskommando gewesen. “ Eine drastische Ticketpreis-Erhöhung hätte das Risiko verringert, „aber wenn sich nur noch bestimmte Leute das Festival leisten können, ist das nicht mehr im Sinne von Rocco“. Auf dem Podium im Kleinen Club der Garage: Nina Zapf-Schramm (Presseclub Saar/Moderation), Thilo Ziegler (Kopf von Rocco del Schlacko), Sebastian Biewer (Studio 30), Heiko Renno (Garage), Trixi Hussong (Den Atelier), Kai Jorzyk (Popp Concerts) und Markus Brixius (Moderator/Popscene Saar). Foto: Philipp Zapf-Schramm/Presseclub Saar„Ihr seid ja gar keine Kultur“Es ist auch nicht im Sinne von Heiko Renno, nach 20 Jahren die Saarbrücker Garage in der Bleichstraße aufzugeben, aber es gehe nicht anders, sagt der Veranstalter. Die Miete habe sich „seit 2023 verfünffacht und ist kaum noch leistbar“, er investiere „Geld ohne Ende“ in die Halle, die ihm nicht einmal gehört. Kosten und Gagen seien explodiert, der Druck sei enorm hoch: „Wenn an einem Abend nicht 800 bis 1000 Leute zu uns kommen, brauche ich den Laden gar nicht erst aufzusperren. “ Das Ausgehverhalten habe sich verändert, geburtenschwache Jahrgänge seien auch nicht hilfreich – und insgesamt fehlten ihm Rückhalt und Unterstützung aus der Politik. Vor zwei Monaten habe er einen Termin bei der saarländischen Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) gehabt, erzählt er. Die habe ihm erklärt: „Ihr seid ja gar keine Kultur. “ Renno wähnte sich da „im falschen Film“ und vermutet „Angst, uns was geben zu müssen. Aber allein ein bekacktes Bekenntnis zu unserer Arbeit hätte ja nichts gekostet. “Diversitätsquote wird zum ProblemVon einem „sehr kurzen“ Treffen beim Kulturministerium berichtet Sebastian Biewer vom Saarbrücker Studio 30 in der Mainzer Straße. Biewer leitet den Spielort nebenberuflich, „anders wäre das nicht zu machen“. Auf die Frage von Ko-Moderator Markus Brixius (Magazin Popscene), ob die Konzerte staatlich gefördert würden, erzählt er vom Programm „Live 500“ des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Laut BKM muss man eine Diversitätsquote erfüllen und „mindestens die Hälfte des Programms mit unterrepräsentierten Gruppen besetzen“, wie LGBTQIA und „People of Color“. So richtig und wichtig das sei, sagt Biewer, so praxisfern sei es auch. „Das gibt die Bewerber-Lage der Konzerte gar nicht her. “„Relativ bequeme Art von Kultur“Mehr Unterstützung wünscht sich auch Kai Jorzyk, Geschäftsführer von Popp Concerts. Er betont, seine Branche habe eine für die Politik „relativ bequeme Art von Kultur“ angeboten. „Wir haben uns Jahre, Jahrzehnte lang selbst getragen. Und jetzt, wenn es halt immer schwieriger wird, sagt man gerne mal: Die arbeiten ja gar nicht defizitär. “Ist in Luxemburg alles besser?Ist die Lage bei den Nachbarn besser? Trixi Hussong hat bei der Rockhal in Luxemburg Bands engagiert, jetzt ist sie Bookerin für das „Den Atelier“ im Großherzogtum. Das Atelier sei zwar privatwirtschaftlich organisiert und erhalte keine staatliche Förderung, „aber insgesamt hat Luxemburg Kultur ganz oben auf der Liste. Man will, dass die jungen qualifizierten Leute im Land bleiben. “ Die meiste staatliche Förderung fließe in die Philharmonie und ins Theater, „aber trotzdem sind Rock und Pop nicht das Stiefkind“. Diese Szene sei „politisch viel mehr gewollt“ als im Saarland. „Hungerstreik, bis dieses Scheiß-Kulturministerium das versteht“Der Frust über die schwierige Lage der Branche und der Wunsch nach mehr Unterstützung ist auch in der Gesprächsrunde mit dem Publikum zu spüren. Für den Poprat-Vorsitzenden Carmelo Lo Porto ist „die Kulturpolitik im Land aktuell eine Vollkatastrophe“. Katastrophal sei auch, dass man bei „intensiven und sehr kurzen Gesprächen“ im saarländischen Kulturministerium „teilweise mit Leuten spricht, die in diesem Ministerium arbeiten und nicht wissen, was die Garage überhaupt ist“. Ein Mann im Publikum argumentiert, die Politik übersehe den wirtschaftlichen Wert der Rock- und Pop-Konzertbranche ebenso wie deren kulturelle Wichtigkeit. Während Corona habe man eine junge Generation ans Digitale verloren, ein Konzert-Erlebnis hätten diese Menschen nie kennengelernt – man müsse sie da heranführen. Die Empfehlung an den Poprat: „Ich würde jeden Tag beim Kultusministerium stehen. Ich würde einen Hungerstreik machen, bis dieses Scheiß-Kulturministerium das versteht. “Lo Porto betont, man führe jetzt bessere Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium. Das vergibt unter anderem die touristische Leuchtturmförderung, deren Auswahl nicht jeder auf dem Podium schätzt. Aus Sicht von Sebastian Biewer würden da vor allem „die Etablierten oder Schneeflockenprojekte ohne Nachhaltigkeit“ gefördert. Und Renno traut den entscheidenden Jury-Mitgliedern im Wirtschaftsministerium nicht viel zu. Das seien „alles Juristen – praxisferne Anzug- und Schlipsträger“. (sas)SaarbrückenSaarlandSaar-KulturZur Startseite

Quelle: saarbruecker-zeitung.de

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