WeltReport

Als Europa verdorrte: Was uns die Jahrtausenddürre 1540 über Klimawandel und Angst lehrt

Europa trocknet aus. Flüsse führen Niedrigwasser, Felder verdorren, Bäume werfen vorzeitig ihre Blätter ab. Der Sommer 2026 liefert Bilder, die beunruhigen. Doch wer glaubt, Mitteleuropa habe solche Extreme erst seit Beginn des menschengemachten Klimawandels erlebt, irrt. Es gab weit schlimmere Extr

· 6 min Lesezeit

Als Europa verdorrte: Was uns die Jahrtausenddürre 1540 über Klimawandel und Angst lehrt

Dürre von 1540 – ganz ohne “menschgemachten Klimawandel“ (Symbolbild:KI)Europa trocknet aus. Flüsse führen Niedrigwasser, Felder verdorren, Bäume werfen vorzeitig ihre Blätter ab. Der Sommer 2026 liefert Bilder, die beunruhigen. Doch wer glaubt, Mitteleuropa habe solche Extreme erst seit Beginn des menschengemachten Klimawandels erlebt, irrt. Es gab weit schlimmere Extreme, auch wenn das angebliche “nie dagewesen“ inzwischen zum festen Wortschatz der Alarmisten zählt. Um zum schlimmsten bekannten Hitzesommer in historischer Zeit zu gelangen, muss man weit zurückblicken – bis ins Jahr 1540. Damals, eigentlich schon am Vorabend der als “Kleine Eiszeit“ bekannten Kälteperiode, ereignete sich eine Dürre, gegen die das, was wir heute erleben, geradezu moderat erscheint. Die Geschichte relativiert die Risiken eines Klimawandels nicht – aber sie relativiert manche Gewissheit darüber, wie wir Extremwetter interpretieren. Und vor allem stellt sie eine unbequeme Frage: Wie unverantwortlich ist es, wirtschaftlichen Wohlstand für “Klimaschutz” aufs Spiel zu setzen, wenn dieser überhaupt keinen Einfluss auf natürliche Entwicklungen hat?Der Schweizer Historiker Christian Pfister beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit historischen Naturkatastrophen. Das Jahr 1540 nimmt in seinen Forschungen eine besondere Stellung ein. Was damals über Mitteleuropa hereinbrach, ist heute kaum noch vorstellbar. Schon im Winter begann sich eine ungewöhnliche Omega-Wetterlage aufzubauen. Im Frühjahr blieb der Regen zunehmend aus. Über Monate fielen kaum Niederschläge. Nach den historischen Rekonstruktionen erhielt das Schweizer Mittelland im gesamten Jahr möglicherweise nur etwa ein Viertel der üblichen Niederschlagsmenge. Im Sommer lag die Schweiz im Zentrum einer gewaltigen Hitzekuppel. Die Temperaturen sollen zeitweise fünf bis sieben Grad über den Vergleichswerten des 20. Jahrhunderts gelegen haben. Flüsse schrumpften, Quellen versiegten, Böden rissen auf. Rhein, Elbe und Seine führten teilweise extrem wenig Wasser, vielerorts bis auf Pfützen gar keins mehr. Die Bäume verloren bereits im August ihre Blätter, komplette Ernten verdorrten. Ein Sommer wie aus einer anderen WeltViel Vieh musste notgeschlachtet werden, weil kein Futter mehr vorhanden war. Noch schlimmer war der Wassermangel. Noch nicht versiegte Brunnen und Oberflächengewässer wurden zu Krankheitsquellen. Ruhr und andere Infektionen breiteten sich aus. Wald- und Siedlungsbrände kamen hinzu. Hunderttausende Menschen sollen infolge dieser Katastrophe gestorben sein. All das geschah rund 300 Jahre vor Beginn der industriellen Nutzung fossiler Energieträger. Und doch war 1540 kein Einzelfall. Noch interessanter wird die Geschichte, wenn man weiter zurückblickt: Auch 1473 erlebte Europa eine gewaltige Dürre. Die Jahre 1503 und 1504 waren ebenfalls außergewöhnlich trocken. Pfister fand zwischen 1304 und 1719 rund zwanzig vergleichbare Trockenperioden. Danach geschah etwas Merkwürdiges: Die extremen Dürren wurden für sehr lange Zeit ausgesprochen selten – als Begleiterscheinung der “Kleinen Eiszeit. ”Dieses Ausbleiben von Dürresommern währte bis in die jüngere Vergangenheit; mit Ausnahme besonderer Jahre wie 1949 entstand eine Art historische „Katastrophenlücke“. Warum? Eine endgültige Antwort gibt es bislang nicht. Klimaforscher verweisen unter anderem auf natürliche Schwankungen des Klimasystems und langfristige Prozesse in den Ozeanen. Das ist ein wichtiger Hinweis – denn Klima war niemals statisch. Es verändert sich auf unterschiedlichen Zeitskalen und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst wie Atmosphäre, Ozeane, Sonneneinstrahlung, Wolken, Bodenfeuchtigkeit, Vegetation, Vulkanismus und heute zusätzlich durch die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen. 1540 widerlegt den Klimawandel nichtGerade deshalb sollte man vorsichtig sein, wenn ein einzelner heißer Sommer, ein Hochwasser oder eine Dürre unmittelbar zur endgültigen Bestätigung einer bestimmten politischen Forderung erklärt wird. Es muss allerdings genauso deutlich vor einem anderen Fehlschluss gewarnt werden: Dass es 1540 ohne industrielle CO2-Emissionen eine gewaltige Dürre gab, beweist noch nicht, dass der heutige Klimawandel natürlichen Ursprungs ist (obwohl darauf vieles hindeutet). Wetterextreme gab es schon immer. Die wissenschaftlich entscheidenden Fragen lauten jedoch vielmehr: Verändern sich ihre Häufigkeit, Wahrscheinlichkeit oder Intensität? Und welchen Anteil hat die vom Menschen verursachte Erwärmung daran? Der Weltklimarat IPCC kommt auf Grundlage einer großen Zahl von Studien zu dem Ergebnis, dass der menschliche Einfluss das Klima erwärmt hat und verschiedene Extremereignisse beeinflusst. Man kann diese Erkenntnis akzeptieren oder nicht – und man kann, ja muss natürlich über die daraus abgeleitete Politik streiten, denn Klimawissenschaft und Klimapolitik sind nicht dasselbe. Klimawissenschaft, wenn sie keiner Agenda folgt, müsste versuchen abzuschätzen, wie stark sich die Erde erwärmt und welche Risiken daraus entstehen. Sie kann aber nicht die politische Entscheidung abnehmen, welchen Preis eine Gesellschaft dafür bezahlen soll, diese Entwicklung zu begrenzen. Und hier stellt sich die Frage nach Objektivität und Motiven. Dass selbst grundlegende Fragen kontrovers diskutiert werden, zeigt der amerikanische Physiker John Clauser. Clauser erhielt 2022 gemeinsam mit Alain Aspect und Anton Zeilinger den Nobelpreis für Physik für bahnbrechende Arbeiten zur Quantenmechanik. Später sorgte er mit Aussagen zum Klimawandel für erhebliches Aufsehen. Clauser bestreitet die verbreitete Vorstellung einer unmittelbar bevorstehenden „Klimakrise“ und kritisiert insbesondere Klimamodelle sowie die Rolle von Wolken im Klimasystem. Wenn Nobelpreisträger widersprechenAuch wenn dies seine Auffassung nicht automatisch richtig macht – Clauser ist Nobelpreisträger für Quantenphysik, nicht für Klimaforschung – ist sie immerhin denkwürdig. Dass seine klimapolitischen und klimatologischen Schlussfolgerungen nicht dem Konsens der maßgeblichen Klimaforschung entsprechen, zeugt eher von der Voreingenommenheit Forschung als von einer fragwürdigen Sicht Clausers. Auch ein unbequemer Wissenschaftler sollte nicht deshalb ignoriert werden, weil seine Aussagen politisch unerwünscht sind. Wissenschaft lebt vom Widerspruch. Entscheidend ist nicht der Nobelpreis und auch nicht die Zahl der Unterstützer einer These, sondern ob Argumente, Daten und Modelle einer Überprüfung standhalten. Ein anderer Nobelpreisträger stellt eine noch wichtigere Frage: Der Ökonom William Nordhaus, der für die politische Debatte sogar noch interessanter ist. Nordhaus erhielt 2018 den Wirtschaftsnobelpreis für die Integration des Klimawandels in langfristige makroökonomische Modelle. Er glaubt zwar an den menschengemachten Klimawandel und gehört gar zu den Pionieren der “Klimaökonomie”. Doch seine zentrale Überlegung ist bemerkenswert, den auch er stellt fest: Klimaschutz hat nicht nur einen Nutzen, sondern hat auch einen Preis. Möglicherweise einen zu hohen. Die entscheidende wirtschaftspolitische Frage, die er im Gegensatz zu vielen Klimafanatikern zulässt, ist die: Wie lässt sich (vorausgesetzt, dies hat überhaupt einen Nutzen) möglichst viel Klimaschutz mit möglichst geringen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden vereinbaren? Nordhaus entwickelte Modelle, mit denen genau diese Abwägung untersucht werden kann. Auch er plädiert unter anderem für einen CO2-Preis, damit die gesellschaftlichen Folgekosten von Emissionen wirtschaftlich berücksichtigt werden; allerdings in einer grundsätzlich anderen Form als die von der EU umgesetzt Form und als es eine Politik propagiert, für die jedes zusätzliche Zehntelgrad Temperaturvermeidung scheinbar jeden wirtschaftlichen Preis rechtfertigt. Dieser Beitrag erschien in erweiterter Form auch auf dem Blog “ZwischendenZeiten“.

Quelle: journalistenwatch.com

Mehr zu Klima