Audi kappt Jahresprognose: China und Nahost brechen weg
Wirtschaft & Recht3 Min. LesezeitAudi kappt die Jahresprognose: China bricht weg, der Nahe Osten belastet — und fünf Milliarden Umsatz fehlenAudi senkt die Prognose fürs laufende Jahr: Der Quartalsgewinn. . .

Wirtschaft & Recht3 Min. LesezeitAudi kappt die Jahresprognose: China bricht weg, der Nahe Osten belastet — und fünf Milliarden Umsatz fehlenAudi senkt die Prognose fürs laufende Jahr: Der Quartalsgewinn bricht um 21 Prozent ein, die Umsatzerwartung sinkt um fünf Milliarden Euro. Hauptgrund ist das wegbrechende China-Geschäft — dort verdient der Konzern kaum noch etwas. Symbolbild: Audi verdient in China immer weniger — das drückt die Konzernbilanz. Bild: PexelsAudi hat seine Erwartungen fürs laufende Jahr nach unten geschraubt, und der Grund liegt vor allem in China. Im zweiten Quartal brach der Gewinn um 21 Prozent auf 563 Millionen Euro ein, für das Gesamtjahr rechnet der Konzern jetzt mit fünf Milliarden Euro weniger Umsatz. Der Vorstand nennt drei Baustellen: den einbrechenden chinesischen Markt, die Eskalation im Nahen Osten und Absatzverluste in den USA. Für einen Autobauer, der jahrelang gerade in China Geld gedruckt hat, ist das ein deutliches Signal. Wo das Geld fehltDie Zahlen sind schnell erzählt. Die Umsatzprognose sinkt von 63 bis 68 auf 58 bis 63 Milliarden Euro, die erwartete operative Rendite von 6 bis 8 auf 5 bis 7 Prozent. Im ersten Halbjahr fiel der Umsatz inklusive Bentley, Lamborghini und Ducati um 10,4 Prozent auf rund 29,2 Milliarden Euro, das Ergebnis nach Steuern sackte um fast 17 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Immerhin: Die operative Marge im Halbjahr stieg leicht von 3,3 auf 3,8 Prozent — die Kostenprogramme greifen zumindest ein wenig. Verglichen mit der Konzernmutter Volkswagen, deren Ergebnis um rund ein Drittel einbrach, steht Audi sogar noch glimpflich da. China ist das eigentliche LochDie aussagekräftigste Zahl steht etwas versteckt in der Bilanz: Das China-Finanzergebnis lag im ersten Halbjahr bei gerade noch 73 Millionen Euro — ein Jahr zuvor waren es fast viermal so viel, rund 292 Millionen. In dem Markt, der lange die Renditen der deutschen Premiumhersteller getragen hat, verdient Audi kaum noch etwas. Der Grund ist bekannt und für die deutsche Autoindustrie ungemütlich: Die lokalen Hersteller bauen inzwischen Elektroautos, die bei Software, Preis und Tempo mithalten oder vorbeiziehen, und liefern sich einen Preiskrieg, bei dem eine importierte Premiummarke schlecht aussieht. Als kleiner Unternehmer, der selbst jeden Monat auf Zahlen schaut, lese ich solche Meldungen mit einer gewissen Nüchternheit — und mit dem Reflex, die eigene Abhängigkeit von einem einzigen großen Markt oder Lieferanten zu prüfen. Genau das holt gerade eine ganze Branche ein: Wer sein Geschäftsmodell auf ein Land baut, in dem sich die Spielregeln ändern, steht schnell im Regen. Dass das „software-definierte Auto“ die Rettung bringt, höre ich übrigens seit Jahren auf Hersteller-Folien — im Verkaufsraum in Shanghai zählt bislang trotzdem, was die Konkurrenz zum halben Preis auf die Straße stellt. Was Audi dagegensetztFinanzvorstand Jürgen Rittersberger räumt ein, dass die bisherigen Bemühungen nicht gereicht hätten — man müsse wettbewerbsfähiger werden. Konkret heißt das auch: Stellenabbau. Am Standort Neckarsulm fällt eine Nachtschicht weg, das laufende Sparprogramm sieht bis 2029 den Wegfall von bis zu 7. 500 Stellen vor, während eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 gilt. Parallel setzt Audi auf eine neue Elektro-Offensive und belebt mit demA2 e-tron einen alten Effizienz-Namen wieder— ob solche Modelle den Absturz in China aufhalten, muss sich erst zeigen. Man sollte die Meldung nicht auf Audi verengen. Was hier durchschlägt, trifft die deutsche Autoindustrie insgesamt: Die bequemen China-Jahre, in denen sich Premiumaufschläge fast von selbst verkauften, sind vorbei. Die Prognosekorrektur ist weniger ein Ausrutscher als eine Ansage — die Aufholjagd findet jetzt statt, oder sie findet nicht mehr statt. ◆ Über den AutorAlexander BaumgärtnerSeit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.