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Chinas Wirtschaft wächst so schwach wie seit drei Jahren nicht

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal so langsam gewachsen wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte im Jahresvergleich um 4,3 Prozent zu und blieb damit unter der offiziellen. . .

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Chinas Wirtschaft wächst so schwach wie seit drei Jahren nicht

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal so langsam gewachsen wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte im Jahresvergleich um 4,3 Prozent zu und blieb damit unter der offiziellen Zielspanne von 4,5 bis fünf Prozent. Der unerwartet deutliche Rückgang erhöht den Druck auf Peking, öffentliche Ausgaben und Infrastrukturinvestitionen zu beschleunigen. Im ersten Quartal hatte die chinesische Wirtschaft noch um fünf Prozent zugelegt. Von Bloomberg befragte Ökonomen hatten für das zweite Quartal mit einem Plus von 4,5 Prozent gerechnet. In der ersten Jahreshälfte betrug das Wachstum damit 4,7 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal expandierte die Wirtschaft um 0,9 Prozent – der niedrigste Wert seit mehr als zwei Jahren. Die Konjunkturentwicklung dürfte eine zentrale Rolle spielen, wenn das Politbüro der Kommunistischen Partei später im Juli zusammentritt. Nach Kürzungen bei den Staatsausgaben in den vergangenen Monaten könnten die Behörden nun Mittel rascher abrufen und Investitionen in Infrastrukturprojekte vorziehen. „Es gibt innerhalb des genehmigten Budgets Spielraum, die Fiskalausgaben zur Unterstützung von Infrastrukturinvestitionen zu beschleunigen“, sagte Ding Shuang, Chefökonom für Großchina und Nordasien bei Standard Chartered. Die Regierung werde voraussichtlich zunächst die Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen forcieren. Ministerpräsident Li Qiang hatte zusätzliche Konjunkturhilfen nicht ausgeschlossen. Bei einer Sitzung zu Wochenbeginn forderte er, weitere politische Maßnahmen vorzubereiten und zu prüfen. Mehr dazuInvestitionen brechen einBesonders schwach entwickelte sich die Anlageinvestition. Sie sank im ersten Halbjahr um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den ersten fünf Monaten hatte der Rückgang noch 4,1 Prozent betragen. Nahezu alle Formen der Investitionstätigkeit schrumpften im Juni. Die Immobilieninvestitionen gingen in der ersten Jahreshälfte um 18 Prozent zurück – so stark wie noch nie seit Beginn der entsprechenden Datenreihe im Jahr 1992. Zugleich verlangsamte sich im Juni der Rückgang der Wohnimmobilienpreise. Der historische Einbruch stellt ein zentrales Instrument der chinesischen Wirtschaftspolitik infrage. Investitionen machen rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung aus und dienten Peking in früheren Abschwüngen regelmäßig als wichtigster Konjunkturhebel. Der Ökonom und Regierungsberater David Li Daokui erklärte, die Anlageinvestitionen seien vor dem jüngsten Einbruch nur 1961 und 1967 geschrumpft. Das derzeitige Ausmaß des Rückgangs sei beispiellos. Konsum und Industrie zeigen sich robusterEinzelne Konjunkturdaten fielen besser aus als erwartet. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Juni um ein Prozent, nachdem sie im Mai um 0,6 Prozent gesunken waren. Viele Ökonomen hatten mit einem weiteren leichten Rückgang gerechnet. Die Industrieproduktion wuchs um 5,3 Prozent und übertraf damit ebenfalls die Prognosen. Die nach Umfragen ermittelte Arbeitslosenquote in den Städten sank von 5,1 auf 5 Prozent. Ohne Autos erhöhten sich die Einzelhandelsumsätze mit Waren im Juni um drei Prozent. Die Verkäufe von Fahrzeugen brachen hingegen um mehr als 16 Prozent ein. Bei Haushaltsgeräten verlangsamte sich der Rückgang im Umfeld des jährlichen Online-Einkaufsfestivals „618“. Mehr dazuMao Shengyong, stellvertretender Leiter des nationalen Statistikamtes, führte die Abschwächung im zweiten Quartal hauptsächlich auf kurzfristige und externe Faktoren zurück. Einige Branchen wie der Kohlebergbau seien von temporären Belastungen betroffen gewesen. Die grundlegende Stabilität und der strukturelle Wandel der Wirtschaft blieben jedoch unverändert. Banken senken WachstumsprognosenMehrere internationale Banken reagierten mit niedrigeren Prognosen. Morgan Stanley, Goldman Sachs und die Australia & New Zealand Banking Group erwarten für 2026 nun ein Wachstum von 4,5 beziehungsweise 4,6 Prozent. Die Finanzmärkte nahmen die Daten zunächst gelassen auf. Der außerhalb des chinesischen Festlands gehandelte Yuan hielt sein Tagesplus von 0,1 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen blieb bei 1,73 Prozent. Die chinesische Notenbank signalisierte vorerst keinen grundlegenden Kurswechsel. Vizegouverneur Zou Lan erklärte, die People’s Bank of China werde ihre Instrumente entsprechend dem Liquiditätsbedarf einsetzen. Die Anpassungen der Zinsen hingen von der Konjunktur- und Inflationsentwicklung ab. Zugleich bekräftigte er den „moderat lockeren“ geldpolitischen Kurs. Exportstärke verdeckt binnenwirtschaftliche SchwächeDie chinesische Wirtschaft ist zunehmend von einem Ungleichgewicht geprägt. Exporte und Industrieproduktion profitieren von der weltweiten Nachfrage nach Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig bleiben Konsum, Unternehmensvertrauen und Investitionen schwach. Damit wächst die Abhängigkeit von Auslandsmärkten, während sich Handelskonflikte verschärfen. Das Risiko besteht darin, dass sich die Gewinne des Exportbooms auf wenige Branchen wie die Elektronikindustrie konzentrieren und nicht auf die Gesamtwirtschaft übergreifen. Der BIP-Deflator, ein breites Maß für die Preisentwicklung, war erstmals seit Anfang 2023 wieder positiv. Dieser Anstieg ist allerdings vor allem auf höhere Preise für importierte Güter wie Öl zurückzuführen. Der grundlegende Deflationsdruck infolge von Überkapazitäten und eines hohen Warenangebots bleibt bestehen. Zweifel an der Aussagekraft der InvestitionsdatenDie jüngsten Zahlen dürften auch die Debatte über die Verlässlichkeit der offiziellen Statistiken neu beleben. Der starke Einbruch der Anlageinvestitionen steht in auffälligem Gegensatz zum weiterhin relativ stabilen BIP-Wachstum. Zudem zählt die Bruttokapitalbildung, eine andere Messgröße für Investitionstätigkeit, nach offiziellen Angaben weiterhin zu den wichtigsten Wachstumstreibern. Das Statistikamt hatte die Abweichung mit unterschiedlichen Erfassungsbereichen und Berechnungsmethoden erklärt. Mehrere Ökonomen halten die Differenz dennoch für zu groß und vermuten, dass der Rückgang der Anlageinvestitionen überzeichnet sein könnte. Arbeitsmarkt bleibt strukturelles RisikoNeben der Investitionsschwäche belastet der Arbeitsmarkt die längerfristigen Aussichten. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz verschärft den Druck nach mehreren Jahren schwacher Beschäftigungsentwicklung. David Li Daokui schätzt, dass rund 24 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt verlassen haben, weil sie über längere Zeit keine Stelle fanden. Mehr als die Hälfte davon sei zwischen 16 und 24 Jahre alt. Unter Einbeziehung unfreiwillig ausgeschiedener Personen würde eine breiter gefasste Arbeitslosenquote nach seiner Berechnung 10,2 Prozent betragen. Die Beschäftigungs- und Investitionsprobleme müssten ernst genommen werden, sagte Li. Andernfalls werde es schwieriger, die wirtschaftspolitischen Ziele zu erreichen. (duc/Bloomberg)

Quelle: rootsanalysis.com

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