Erstgeboren oder Nesthäkchen: Welchen Einfluss hat die Geburtsfolge auf unsere Gesundheit?
Wer als erstes Kind auf die Welt kommt, trägt eine andere Bürde als das Nesthäkchen. Eine US-Studie zeigt nun, wie erstaunlich stark die Geburtsreihenfolge das Krankheitsrisiko beeinflusst.

StartseiteWeltStand:13. 08. 2026, 09:42 UhrKommentareUns auf Google folgenWer als erstes Kind auf die Welt kommt, trägt eine andere Bürde als das Nesthäkchen. Eine US-Studie zeigt nun, wie erstaunlich stark die Geburtsreihenfolge das Krankheitsrisiko beeinflusst. Welche Bedeutung hat die Geburtsreihenfolge für unsereGesundheit? Eine wegweisende Studie liefert nun umfassende Erkenntnisse zu diesem Thema. Basierend auf Gesundheitsdaten von über zehn Millionen Geschwistern aus mehr als fünf Millionen US-Amerikanischen Familien identifizierten Forscher der Universität Chicago und der Columbia University eindrucksvolle Zusammenhänge. In ihrer im Fachjournal Nature Health veröffentlichten Arbeit analysierten sie 569 Krankheitskategorien und fanden bei 150 davon signifikante Zusammenhänge mit der Geburtsreihenfolge. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen Erst- und Zweitgeborenen. Um herauszufinden, welche die stärkere Hand ist, hilft es, Besteck immer in die Mitte zu legen und zu schauen, mit welcher Hand das Kind nach dem Besteck greift. © Christin Klose/dpa-tmnKlare Muster bei psychischen und körperlichen LeidenErstgeboreneKindererweisen sich der Studie zufolge als anfälliger für neuroentwicklungsbedingte und psychiatrische Erkrankungen. Bei ihnen wurde eine höhere Prävalenz von Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Tourette-Syndrom, Zwangsstörungen sowie Angstzuständen und Depressionen festgestellt. Darüber hinaus zeigen Erstgeborene eine erhöhte Anfälligkeit für immunvermittelte allergische Reaktionen, wie Nahrungsmittelallergien und Rhinitis. Ein anderes Bild ergibt sich hingegen bei den jüngeren Geschwistern: Zweitgeborene neigen eher zu Migräne, Gürtelrose, Störungen durch Substanzgebrauch sowie gastrointestinalen Problemen, wie das Portal PARENTS. fr berichtete. Korrelation ist nicht gleich KausalitätFür die Analyse wertete das Forschungsteam US-Amerikanische Krankenversicherungsdaten aus den Jahren 2003 bis 2024 aus und konzentrierte sich dabei auf Familien mit zwei Kindern. Die Auswertung zeigt jedoch auch, wie komplex die Materie ist: Demografische Faktoren – etwa das Alter der Eltern bei der Geburt des jeweiligen Kindes oder die Altersabstände zwischen den Geschwistern – verkomplizieren die Zusammenhänge erheblich. Trotz der enormen Datenmenge betonen die Studienautoren, dass es sich hierbei um korrelative und explizit nicht um kausale Befunde handelt. Die Geburtsreihenfolge an sich ist somit nicht die direkte Ursache für die beobachteten Unterschiede. Vielmehr dürften begleitende Faktoren wie die frühe mikrobielle Exposition oder soziale Dynamiken in der Familie eine entscheidende Rolle spielen, berichtete Fox News. Erklärungsansätze: Der Einfluss von Erziehung und BiologieMögliche Erklärungsansätze für diese Trends liefert der führende medizinische Analyst Dr. Marc Siegel. Er vermutet, dass elterliches Verhalten und gezielte Umwelteinflüsse die Erkrankungshäufigkeit bei Erstgeborenen prägen könnten. So führt er an, dass eine sogenannte „Helikopter“-Erziehung Probleme wie ADHS begünstigen könnte. Zudem reife das Immunsystem von Erstgeborenen in einem Umfeld heran, das noch nicht durch ältere Geschwister geprägt ist, was zu höheren Allergieraten beitragen könnte. In seinem beiFox NewsZitierten Beitrag verweist Siegel zudem auf potenzielle biologische Unterschiede während der Schwangerschaften: Nachfolgende Kinder sind im Mutterleib oft leicht veränderten physiologischen Bedingungen ausgesetzt. Grenzen der Studie: Wer wird repräsentiert?Bei der Bewertung der Ergebnisse ist jedoch Vorsicht geboten. Ein kritischer Aspekt betrifft die wirtschaftliche und demografische Zusammensetzung des Datensatzes. Da die Untersuchung überwiegend auf US-Daten arbeitgeberfinanzierter Krankenversicherungen beruht, sind Personen mit höherem Einkommen sowie weißer Ethnizität überrepräsentiert, bemerkte Bild. Eine direkte Übertragbarkeit der Ergebnisse auf gesellschaftlich anders strukturierte Bevölkerungen oder Länder mit abweichenden Gesundheitssystemen ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Dennoch unterstreicht die Studie die bescheidene, aber signifikante Rolle der Geburtsreihenfolge als Indikator für Gesundheitsrisiken auf Bevölkerungsebene – und macht deutlich, wie wichtig weitere Forschung zu den langfristigen Einflüssen von Familie und Umwelt ist. (Redaktion)