Extremwetter in Bremen: Ist das noch Sommer oder schon Klimawandel?
In Bremen war es Ende Juni so heiß, dass der Pferdebrunnen in der Innenstadt regelmäßig zur Abkühlung genutzt wurde. Christina KuhauptDieses Juni-Ende wird vielen Menschen in Bremen und umzu wohl lange in. . .

In Bremen war es Ende Juni so heiß, dass der Pferdebrunnen in der Innenstadt regelmäßig zur Abkühlung genutzt wurde. Christina KuhauptDieses Juni-Ende wird vielen Menschen in Bremen und umzu wohl lange in Erinnerung bleiben. Fünf Tage in Folge wurden Höchstwerte von mehr als 30 Grad Celsius gemessen, an mehreren Tagen stiegen die Temperaturen sogar auf über 35 Grad. In den Nächten kühlte es teilweise nicht einmal auf unter 25 Grad ab. Mit 37,3 Grad registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am 27. Juni zudem die höchste jemals in Bremen gemessene Temperatur für einen Junitag. Der bisherige Rekord von 35,4 Grad stammte vom 30. Juni 2019. So außergewöhnlich war der Sommer bisherInzwischen hat sich das Wetter deutlich beruhigt. Die Temperaturen liegen derzeit nur noch knapp über 20 Grad Celsius, zum Ende der kommenden Woche könnte es nach den aktuellen Prognosen wieder sommerlich warm werden. Die außergewöhnliche Hitzewelle wirft jedoch eine grundsätzliche Frage auf: Handelt es sich um normale Wetterschwankungen oder zeigen sich darin bereits die Folgen des Klimawandels?Ein Blick auf die Messdaten des Deutschen Wetterdienstes zeigt, wie außergewöhnlich der bisherige Sommer in Bremen verlaufen ist. Bis Ende Juni wurden bereits 19 Sommertage registriert – also Tage mit mindestens 25 Grad Celsius. Einen höheren Wert gab es zu diesem Zeitpunkt bislang nur 2023 mit 20 Sommertagen. Noch auffälliger fällt die Bilanz der Hitzetage aus: Bereits siebenmal wurden in diesem Jahr mindestens 30 Grad Celsius erreicht – sechs Hitzetage im Juni und einer im Mai. Mehr gab es zu dem Zeitpunkt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1890 nur 1947 mit acht Hitzetagen. Gleichauf liegt 2026 mit den Jahren 1917 und 2019. Zudem war der Juni 2026 mit einer Mitteltemperatur von 19,0 Grad der viertwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese Entwicklung passt zu einem langfristigen Trend. Als Sommertag gilt ein Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad Celsius, als Hitzetag ein Tag mit mindestens 30 Grad. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist die durchschnittliche Zahl der Hitzetage inDeutschlandseit 1900 von rund zwei auf inzwischen sieben pro Jahr gestiegen. Dieser langjährige Mittelwert wurde in Bremen bereits Ende Juni erreicht. Gab es solch heiße Sommer schon früher?"Hitze gab es früher auch, das ist richtig. Es gab auch Hitzewellen, das ist nicht neu und etwas ganz Normales. Aber die Extreme nehmen zu, das ist der feine, aber gewaltige Unterschied", sagt Marc Wenthe, Meteorologe in der Klimaabteilung des DWD. Hitzewellen träten häufiger auf und fielen intensiver aus. "Die Zahlen belegen es: Die Jahre werden immer wärmer, da ist ein klarer Trend erkennbar. "Immer wieder wird in sozialen Netzwerken argumentiert, ähnlich heiße Sommer habe es auch früher gegeben. Wenthe widerspricht dieser Schlussfolgerung nicht grundsätzlich – ordnet sie aber ein. Einzelne heiße Tage oder Hitzewellen habe es schon immer gegeben. Entscheidend sei jedoch nicht das einzelne Wetterereignis, sondern die Entwicklung. Wenthe sagt: "Es ist nicht direkt gleich Klimawandel, nur weil man an einem Tag mal 37 Grad in Bremen hat. Aber wenn man das flächendeckend in ganz Deutschland hat, zudem noch mehrere Tage in Folge 40 Grad, das hatten wir noch nie. Das ist Klimawandel und kein normaler Sommer. "Deutschland wird sich weiter erwärmenGleichzeitig warnt der Meteorologe davor, Wetter und Klima gleichzusetzen. "Es heißt nicht, dass es jedes Jahr weniger Schnee gibt und irgendwann haben wir Weihnachten 30 Grad und im Sommer 50 Grad. So ist das nicht. " Auch in einer sich erwärmenden Welt könne es längere kühle Phasen oder schneereiche Winter geben. "Auch in Zeiten des Klimawandels kann es im Sommer auch mal kalt sein. Das hat damit nichts zu tun. "Dass Deutschland sich weiter erwärmen wird, zeigen nach Einschätzung des DWD auch neue Klimaprojektionen. Erstmals hat die Behörde sogenannte Referenz-Ensembles vorgestellt – eine wissenschaftlich geprüfte Datengrundlage, mit der Bund, Länder und Kommunen ihre Anpassung an den Klimawandel planen können. Die ersten Auswertungen vergleichen den Zeitraum 2071 bis 2100 mit der Referenzperiode 1961 bis 1990 und zeigen ein klares Signal: Die Temperaturen steigen in ganz Deutschland weiter an. "Der Klimawandel betrifft uns alle, unabhängig von Region oder Sektor. Und das unterstreicht die Wichtigkeit von Klimaanpassung neben dem Klimaschutz", sagte Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt beim DWD. Mit den neuen Referenz-Ensembles erhielten Bund, Länder und Kommunen verlässliche Daten, um Entscheidungen zur Anpassung an den Klimawandel fundiert treffen zu können. InfoHinweis:Bei Google-Suchen erscheinen neben den regulären Ergebnissen auch aktuelle News-Boxen mit relevanten Meldungen. Wenn Sie den WESER-KURIER als bevorzugte Quelle markieren, werden unsere Inhalte dort künftig häufiger berücksichtigt. Einfach den WESER-KURIER über diesen Link als Favorit hinzufügen und immer schnell über Bremen und die Region informiert bleiben. Zur Startseite