Klimawandel: Hitze setzt den Wäldern zu – und erhöht die Brandgefahr massiv
Während die Temperaturen auf über 35 Grad steigen, wächst auch die Waldbrandgefahr im Landkreis Merzig-Wadern. Forstwissenschaftler und Feuerwehr mahnen deshalb zur Vorsicht – und warnen zugleich vor den langfristigen Folgen der Trockenheit für den Wald.

SaarlandMerzig-WadernKlimawandelHitze setzt den Wäldern zu – und erhöht die Brandgefahr massivMerzig-Wadern·Während die Temperaturen auf über 35 Grad steigen, wächst auch die Waldbrandgefahr im Landkreis Merzig-Wadern. Forstwissenschaftler und Feuerwehr mahnen deshalb zur Vorsicht – und warnen zugleich vor den langfristigen Folgen der Trockenheit für den Wald. 26. 06. 2026 , 14:53 UhrWährend Wiesen bereits unter der Hitze leiden, wirken Wald und Maisfeld zwischen Brotdorf und Merzig noch grün. Foto: Alina LeidischDie Anzeigetafel der Tankstelle steht bei 37 Grad. Einige Meter weiter, unter dem dichten Blätterdach des Waldes in Richtung Besseringen, sind es fast zehn Grad weniger. „Der Wald hat sein eigenes Klima“, sagt Forstwissenschaftler Klaus Borger. Noch zumindest. Auswirkungen des Klimawandels: „Die Natur reagiert immer mit Verzögerung“Denn obwohl die aktuelle Hitzewelle den Wald bislang nicht sichtbar gezeichnet hat, wächst die Sorge vor den Folgen. „Die Natur reagiert immer mit Verzögerung“, erklärt Borger. Schäden würden häufig erst Monate oder sogar Jahre später sichtbar. „Die Bäume haben ihre Vegetation schon im Frühjahr aufgebaut – als noch genug Wasser vorhanden war“, schildert er weiter. Deshalb wirken viele Wälder derzeit noch erstaunlich vital. Doch das kann täuschen. Hält die Hitze über einen längeren Zeitraum an, stoßen vor allem Nadelwälder an ihre Grenzen. „Folgen des Klimawandels“, ergänzt Borger. Besonders gefährdet sind Flächen, auf denen Wälder stark ausgelichtet oder sogar kahlgeschlagen wurden. Dort kann die Hitze dazu führen, dass der Oberboden früher oder später austrocknet – und kein Wasser mehr speichert. Mit der Hitze steigt auch die Waldbrandgefahr im Kreis„Je dichter ein Laubwald, desto besser kommt er mit Hitzewellen zurecht“, betont Borger. Sorge bereitet ihm deshalb nicht nur das Wetter. Auch wirtschaftliche Interessen spielen in seinen Augen eine Rolle: Wegen hoher Holzpreise würden manche Wälder stärker durchforstet als in seinen Augen nötig. Mit fatalen Folgen: Verschwindet das schützende Kronendach, dringt die Sonne bis auf den Waldboden vor. Der Boden trocknet schneller aus und verliert seine kühlende Wirkung. „Alles, was gegen die Natur ist, hat keinen Bestand“, zitiert Borger den Naturforscher Charles Darwin. Zugleich steigt mit der Hitze die Waldbrandgefahr. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes liegt für den Landkreis derzeit auf Stufe vier von fünf. Bereits kleinste Zündquellen könnten einen Brand auslösen oder beschleunigen, erklärt Kreisbrandinspektor Thomas Jager. Offenes Feuer im Wald ist deshalb absolut tabu. Auch weggeworfene Zigarettenstummel, heiße Fahrzeugkatalysatoren auf trockenem Gras oder Gasbrenner zum Entfernen von Unkraut könnten Brände auslösen. Über 2200 ehrenamtliche Feuerwehrleute im Landkreis und zwei Waldbrandzüge für den NotfallFür einen möglichen Ernstfall sieht sich die Feuerwehr gut vorbereitet. „Wir haben im Landkreis zwei Waldbrandzüge mit Tanklöschfahrzeugen, Spezialwerkzeugen und Wasserförderzügen“; zählt Jager auf. Über 2200 ehrenamtliche Feuerwehrleute könnten bei Bedarf eingesetzt werden. Die Gedanken des Kreisbrandinspektors drehen sich jedoch nicht nur um den Wald. „Ich mache mir vor allem Sorgen um meine Kameradinnen und Kameraden“, sagt Jager. Denn Einsätze bei Temperaturen über 30 Grad sind extrem belastend. „Unsere Leute machen das alle ehrenamtlich – aber die können ja schlecht in kurzer Hose zum Einsatz ausrücken“, betont der Feuerwehrmann. Denn: Die Schutzkleidung schützt zwar vor den Flammen, belastet aber natürlich auch den eigenen Kreislauf. Was Menschen bei der Waldbrandgefahr nicht tun solltenDeshalb appelliert Jager an die Bevölkerung, umsichtig zu handeln. Wer Rauch oder einen Brand bemerke, solle sofort die 112 wählen. Viel verhindern lässt sich schon mit einfachen Maßnahmen: kein offenes Feuer im Wald, keine Zigaretten aus dem Autofenster werfen und beim Entfernen von Unkraut lieber auf Gasbrenner verzichten. (cbe)