Klimawandel-Zeitenwende: It´s the ecology, stupid!
Die Auswahl ist ja groß genug: So vieles ist noch nie zuvor gewesen. Zum ersten Mal wurden inÖsterreich41,2 Grad gemessen, ein neuer Allzeitrekord. Erstmals reiht sich in so langer Folge eine Tropennacht an. . .

Die Auswahl ist ja groß genug: So vieles ist noch nie zuvor gewesen. Zum ersten Mal wurden inÖsterreich41,2 Grad gemessen, ein neuer Allzeitrekord. Erstmals reiht sich in so langer Folge eine Tropennacht an die andere. Noch nie zuvor gab es in Österreich in einem Monat mehr Hitzetote als im heurigen Juni:Mehr als 395 Menschen starbenim Juni an den Auswirkungen der Hitzewelle. Mehr als Zahlen prägen sich Bilder ein. Bei mir wird es das obige sein, entstanden vor zwei Wochen im Ort meiner Kindheit, dem obersteirischen Gaishorn am See. Ich hatte die irrige Hoffnung, mich auch heuer hier etwas abkühlen zu können. Denn früher konnte man hier in eiskaltem Wasser pritscheln, ja sogar ein paar Züge schwimmen. Und früher rauschte über diese Mauer ein Wasserfall. Doch jetzt – Sie sehen´s selber. Staub in der Luft. Sogar die robuste (invasive) Kanadische Goldrute hängt mehr, als sie steht. Meine über 80-jährigen Eltern sagen, niemals hätten sie das hier so gesehen. Dazu passt ein Foto in denSalzburger Nachrichten, das mich auch verfolgen wird: Ein Fisch. Er liegt in einer Pfütze, die mehr Schlamm als Wasser ist, Mund und Augen weit aufgerissen. Tot. Imzugehörigen Artikelschildert Landesfischermeister Gerhard Langmaier das „geräuschlose Fischsterben“ vor allem in kleinen Bächen: Reißt der zusammenhängende Fluss ab, bleiben Lacken, die sich blitzschnell aufheizen. „Einen Tag später sind die Fische tot. “Merken werde ich mir auch dasFoto von dem Pärchen im Liegestuhlam Strand von Moutchic in Lacanau in Frankreich, das um die Welt ging: (Scheinbar) ungerührt liegen eine Frau und ein Mann unter ihrem Sonnenschirm und schauen auf das Feuerinferno, das Südfrankreich wochenlang im Griff hatte. Wieder ein „noch nie“: Niemals zuvor waren inEuropainnerhalb weniger Tage mehr als 300. 000 Menschen zugleich auf der Flucht vor Waldbränden. Wie viele Menschen wohl infolgedessen gestorben sind? Und wie viele Tiere kamen in den Flammen um?In der Stadt fallen mir die alten Leute mehr auf. Die betagte Frau, die von einer jüngeren zum Friseur gebracht und ermahnt wird: Dass sie ja genug trinken soll, bis sie sie wieder abholen kommt. Eine andere, die beim Arzt erzählt, sie gehe nur noch raus, wenn es gar nicht anders geht. Statistisch wissen wir seit ein paar Tagen genau,wie verwundbar die Alten sind: Von den fast 9. 800 Menschen, die in Deutschland allein bis Mitte Juli wegen der Hitze gestorben sind, waren 55 Prozent 85 Jahre alt oder älter, ein weiteres Viertel stand zwischen dem 75. und 85. Geburtstag. Auch dieZahl heimischer Rettungsdienst-Einsätzeschnellt an Hitzetagen um 15 Prozent nach oben. In Notaufnahmen erschienen Menschen mit einerKörpertemperatur von über 42 Grad. Alte und Arme, Menschen mit Behinderung und chronisch Kranke erwischt es zuerst. (Katharina Kropshofer hat unlängstdie Bewohner*innen eines Wiener Pflegeheims besucht. )FALTER. natur - der Nachhaltigkeits-NewsletterDas Wichtigste zu den Themen Nachhaltigkeit, Umwelt, Natur und Landwirtschaft - jeden Freitag in Ihrem Posteingang. Beim Absenden des Formulars ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie später es erneut. Vielen Dank für Ihr Interesse!Sofern Sie noch kein anderes Newsletterthema von uns abonniert haben, erhalten Sie nun einen Link an Ihre E-Mail Adresse, um Ihre Anmeldung zu bestätigen. Wir nutzen Ihre E-Mailadresse auch, um Sie im Rahmen unserer Kundenbeziehung über eigene Produkte (Bücher, DVDs & Blu-Rays, CDs, FALTER-Fanartikel, FALTER-Abos und Sonderpublikationen) zu informieren. Dies nehmen wir, gestützt auf unser berechtigtes Interesse Werbung (Art 6 Abs 1 lit f DSGVO) zu betreiben, vor. Sie können der Zusendung jederzeit widersprechen. Ein Link zur Ausübung des Widerspruchs ist in allen E-Mails, die wir automatisiert versenden, enthalten bzw. kannhiererfolgen. Eine Freundin schreibt auf meine kleine Whatsapp-Umfrage zur Lage, sie sei in diesem Sommer für sehr vieles „echt dankbar: dass wir kalt duschen können, genug Wasser haben. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es woanders zugeht. “Sie hat recht. Hitze wird zur Armutsfalle, ergab gerade eine Studie in acht Ländern auf vier Kontinenten, etwa in Nigeria und Bangladesch. Weil dort erstens die meisten Menschen keine geregelten Arbeitsverhältnisse haben, bedeuten für sie Arbeitstage, die wegen der Hitze ausfallen – etwa in der Landwirtschaft oder im Bau –, direkte Einkommenseinbußen. Zweitens muss die Bevölkerung dort, wenn sie wegen der Hitze ärztliche Behandlung braucht, für die Behandlung und Medikamente großteils selber zahlen. In Europa gibt es diese Probleme auch, aber in viel geringerem Maße. Immerhin: Wenn die Lage in uns „privilege awareness“ auslöst, ist das gut. In Summe nämlich kommen unsere Gehirne mit alledem offenbar nicht mit. Wie sonst ließe sich die Lethargie erklären, die wir allerorts sehen?Sie habe das „Gefühl, dass hier etwas aus dem Ruder läuft und keiner wirklich Konsequenzen ziehen will, außer vielleicht sich eine Klimaanlage einbauen“, schreibt eine Freundin. Auch wenn UmweltministerNorbert Totschnig(ÖVP) von einem „absoluten Ausnahmejahr“ spricht, weiß er vermutlich selbst: Das ist das neue Normal. Angemessen wäre es zu trauern. Und zu handeln. Die Politik aber erscheint schmähstad. BundeskanzlerChristian Stocker(ÖVP) und Totschnig versprechen jetzt Maßnahmenpaketen für geschädigte Landwirt*innen. Zweifellos wichtig. Aber sonst? Lässt Stocker zu Hitzewelle und Dürre wissen, es sei „notwendig, die Entwicklung weiter genau zu beobachten“. Von längerfristiger Anpassung an die neuen Zeiten ist kaum die Rede – und noch weniger davon, dass man die weitere Erderhitzung aufhalten müsse. Im Gegenteil hat die Regierung nun schon im zweiten Doppelbudget in Folge mehrere hundert Millionen Euro für klimarelevante Förderungen gestrichen. Sehr still ist es auch in Brüssel. „Klimaneutralität 2050“ steht zwar noch auf vielen Papierln, tatsächlich arbeiten die Union und ihre Mitgliedsstaaten mit Vollkraft dagegen: Sie torpedieren sogar eine ihrer erfolgreichsten Klimaschutzmaßnahmen,den Emissionshandel. Wann, wenn nicht jetzt sollte ankommen, dass Klimaschutz nicht der Wirtschaft schadet, sondern im Gegenteil fehlender Klimaschutz Milliarden kostet? Dass er innerhalb kürzeste Zeit riesige Werte vernichtet? Wobei wir schon mit dem Wort „Klimaschutz“” scheitern. Dem Klima sind ein paar Grad auf oder ab doch völlig egal. Uns halt aber nicht. Was wird Ihnen aus diesem Sommer in Erinnerung bleiben? Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben: entweder direkt (poelsler@falter. at) oder als Feedback zum Newsletter. Ein dennoch gutes Wochenende wünschtHeute für Sie auffalter. atDrug Rape: Gisele Pélicot ist überall. Auch hier. Frauen, die von ihren Partnern betäubt und vergewaltigt werden – dieses Verbrechen hat System, bleibt aber meistens ungesühnt, wie Nina Horaczek und Florian Klenk anhand von Fälle aus Österreich dokumentieren. Ihr Fazit:Die Gesetze sind zu schwach, das Wissen der Behörden ist bescheiden. Droge Social Media: Werden wir am Smartphone absichtlich süchtig gemacht?Der Suchtexperte Oliver Scheibenbogen begrüßt das Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige – weil er weiß, wie schwer die Abhängigkeit vom Handy zu therapieren ist. Tessa Szyszkowitz hat mit ihm gesprochen. Debatte um Austropop-Größen. Hirsch, Danzer, Falco – alles Schmuddelkram?Eine junge Sängerin macht auf Social Media einer ganzen österreichischen Musikergeneration Vorwürfe von Sexismus bis zur Verherrlichung von Kinderpornografie. Sie zielt dabei punktgenau ins Leere, kommentiert Gerhard Stöger. AnzeigeDie FALTER-Sommergespräche im MQDie Stadt und die EnergiewendeWie bringen wir die Energiewende voran – ohne dass zu viele Leute vergrämt werden? Über Erfolgsgeschichten und Kommunikationsrezepte. Mit:Therese Guttmann(Sozialökonomin, WU Wien),Ernst Bach(Sozialbau AG) Moderation:Eva Konzett(FALTER)Dienstag, 11. August 2026, 19 UhrMQ Sommerbühne, HaupthofFPÖ: Nur Fake-Hitzetote?Das hinterließ sogar die sonst nie um scharfe Zungen verlegeneTagespresse„ratlos“: „Hitze-Panik als Ablenkung vom Impf-Desaster der Systemparteien“, titelten die Blauen auf Social Media und schwadronierten von „angeblichen Hitze-Toten“. Zumindest eine Person bei den Freiheitlichen kam dann doch so weit zu Sinnen, dass der Artikel gelöscht wurde. Hierist er noch zu lesen. Minister „vermisst“Haben Sie Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) vielleicht wo gesehen, in einem Wald oder an einem Salzkammergutsee? Das SatireportalTagespressehat eine Vermisstenanzeige aufgegeben, aber Obacht bei der Ansprache:„Der Vermisste weiß möglicherweise nicht, dass er Klimaschutzminister ist. “AnzeigeStaffel 6 vonKlenk+Reiter. Der FALTER-Podcast aus der Gerichtsmedizinist da!Geht uns das Wasser aus?Und was können wir dagegen tun? Einige Begegnungen zu diesem Thema in der trockensten Woche des Jahres finden Sie im nächsten FALTER – plus etliche Ideen, was wir in Zukunft besser machen könnten. Rinder müssen zum SchlachterFalls Sie auf der Straße einen Tiertransporter mit Rindern sehen: Dann müssen diese wahrscheinlich zum Schlachthof, weil dieBäuerinnen und Bauern nicht mehr genug Futter für sie haben. Die Landwirte verfüttern teils schon jetzt das Heu, das für den Winter gedacht war. Etwas, das immer so selbstverständlich erschien, wird plötzlich rar und teuer: Gras. Wirtschaft und HitzeWelche Risken, aber auch Chancen Hitze und Trockenheit für österreichische Schlüsselsektoren mit sich bringen – die Automobilbranche, die Energie, den Tourismus und die Landwirtschaft –, das haben sich das Kontext Institut und die EY denkstatt angeschaut. Mitsehr interessanten Schlussfolgerungengerade, was neue Möglichkeiten für die Zukunft angeht. Zerstört die Hitze den Sommer?Endlich gehen die Temperaturen wieder ein bisschen zurück – aber das ändert nichts daran, dass die Erderwärmung einen kulturellen Wandel zur Folge hat:Sonne wird vom Freiheitsversprechen und Lebensfreudeverheißung zur Bedrohung und Kälte zum Ausweis des Reichtums, schreibt Isolde Charim. Der Friedhof der AutoreifenIn der oberösterreichischen Salzkammergut-Gemeinde Ohlsdorf will ein lokales Unternehmen59. 000 Tonnen Altreifen zuschütten, statt sie zu entsorgen. Anrainer fürchten eine Öko-Katastrophe. Wie gefährlich das wirklich ist, hat sich Katharina Kropshofer vor Ort angeschaut und -gehört. In der Summ-erzeitGibt es wirklich kein Sommerloch mehr?Das fragte sich Peter Iwaniewicz und kam zum Schluss: Doch!Warum sonst würden Medien „aus einer Ereignis-Mücke einen Schlagzeilen-Elefanten machen“? Es treten auf: Wespen, Hornissen und eine Fliegenklatsche. Hitze und Garten: So geht´sWarum man sogar im Sinne der Pflanzen im Garten jetztgar nicht täglich gießen soll, weiß der Biodiversitätsrat. Und was Sie im Garten für Wildtiere tun können,der Österreichische Tierschutzverein.