Krieg in Nahost: „Man spürt, wie sich die Lage zuspitzt“
Der Krieg im Nahen Osten erfasst neue Länder: Die jordanische Armee hat nach eigenen Angaben zwei iranische Luftangriffe abgewehrt. Die Luftverteidigung habe am Dienstagmittag drei aus dem Iran gegen das. . .

Der Krieg im Nahen Osten erfasst neue Länder: Die jordanische Armee hat nach eigenen Angaben zwei iranische Luftangriffe abgewehrt. Die Luftverteidigung habe am Dienstagmittag drei aus dem Iran gegen das Königreich abgefeuerte Raketen abgefangen und zerstört, teilte die jordanische Armee mit. Zuvor hatte die Armee nach eigenen Angaben fünf iranische Drohnen abgefangen. Schäden oder Opfer wurden zunächst nicht gemeldet. Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten auf ihrer Website Sepah News, einen Stützpunkt von US-Soldaten in der Gegend von Rukban nahe der Grenze zu Syrien angegriffen zu haben. Jordanien war zuletzt mehrfach Ziel iranischer Angriffe. Am Freitag waren dabei zwei US-Soldaten getötet worden. Ein weiterer Militärangehöriger wurde als vermisst gemeldet. Vier US-Soldaten seien zudem verletzt worden, als sich die US-Armee und verbündete Truppen in Jordanien „gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigten“, hatte das US-Regionalkommando Centcom erklärt. Auch in Bahrain ertönten am Dienstag Luftalarmsirenen. Kurz zuvor hatte die Armee der Golfmonarchie mitgeteilt, sie habe neue iranische Angriffe abgewehrt. Das Innenministerium rief die Bevölkerung auf, sich zum nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran eskaliert derzeit wieder. Beide Seiten hatten sich im April eigentlich auf eine Waffenruhe geeinigt und im Juni ein Rahmenabkommen geschlossen. US-Präsident Donald Trump hatte vor gut einer Woche nach neuen gegenseitigen Angriffen die Waffenruhe für beendet erklärt. Am Samstag hatte auch Teheran die Rahmenvereinbarung als hinfällig bezeichnet. Der anhaltende Schlagabtausch hat nach dem Tod von US-Soldaten am Wochenende Spekulationen über eine mögliche amerikanische Bodeninvasion angeheizt. Der ehemalige Iran-Unterhändler des Weißen Hauses, Nate Swanson, nimmt diese Gerüchte „ernst“. „Man spürt, wie sich die Lage zuspitzt“, sagte er heute Morgen in einem Gespräch mit dem Chefredakteur von Foreign Policy, Ravi Agrawal. Nachdem die Vereinbarung gescheitert sei, erklärte Swanson, sagten einige in Washington nun, es sei an der Zeit, „auf die militärische Option zu setzen“. „Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, glaube ich, dass nur eine massive Bodenoffensive, die auf einen Regimewechsel abzielt – ähnlich wie im Irak 2003 –, tatsächlich zu einem Regimewechsel oder einer grundlegenden Kursänderung des Irans führen könnte“, sagte Swanson laut Mitteilung des Atlantic Council. Swanson war sowohl unter Trump als auch unter Biden tätig. „Ich halte das für eine Katastrophe und würde mich dagegen aussprechen, aber ich sehe nicht, wie diese halbherzigen Kampagnen … Irans Kalkül ändern sollen. “Die USA sind laut Swanson nicht die Einzigen, die sich strategisch verkalkuliert haben. Auch der Iran habe sich verschätzt. In seinem Gespräch mit Foreign Policy erklärte Swanson, dass die Absichtserklärung zwar „sehr zu ihren Gunsten“ gewesen sei, iranische Offizielle sich aber „zu sehr auf den maximalen Sieg konzentriert“ hätten, dass sie „aus den Augen verloren hätten, dass die Absichtserklärung in ihrem Interesse liegt“ – eine Erkenntnis, die Teheran jetzt, da US-Angriffe wichtige Brücken und Eisenbahnstrecken beschädigt haben, wohl hart treffe. Frederick Kempe, Präsident und CEO des Atlantic Council, argumentierte in einem Interview mit CNBC zur Frage, warum der Iran die Erwartungen der USA übertroffen hat, dass die Regierung Teherans „eine Million Mann starke Armee“ und strategische Führung unterschätzt habe. „Militärangriffe allein können das Regime im Iran deshalb nicht stürzen“, fügte er hinzu. Die libanesische Armee hat nach eigenen Angaben damit begonnen, Soldaten in einer weiteren von drei mit Israel vereinbarten „Pilotzonen“ im Süden des Libanon zu stationieren. Einheiten der libanesischen Armee hätten „heute Morgen mit dem Einsatz in Sautar al-Gharbiya“ in der Region Nabatijeh begonnen, erklärte die libanesische Armee am Dienstag. Der libanesische Präsident Joseph Aoun hielt sich derweil zu einem Besuch in Washington auf, wo er am Dienstag US-Präsident Donald Trump treffen wollte. Libanesische Medien zeigten Armeefahrzeuge, die in das von der Armee genannte Dorf einfuhren. An einigen Fahrzeugen wehte die Fahne des Libanon. In den beiden anderen Pilotzonen ist die libanesische Armee bereits präsent. Nach US-Angaben hatte die libanesische Armee am Montag damit begonnen, die Kontrolle über drei Dörfer im Süden des Landes von den israelischen Streitkräften zu übernehmen. Der Schritt sei ein „direktes Ergebnis“ der Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel, erklärte das US-Außenministerium. Demnach handelte es sich um die Ortschaften Froun, Srifa und Sautar al-Gharbiya. Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen hat eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Diese trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, erklärte der militärische Sprecher der Huthis, Jahja Saree, am Montag. Er nannte zunächst keine Details, wie die Blockade umgesetzt werden solle. Der Ölexport Saudi-Arabiens – des größten Rohölexporteurs der Welt – ist bereits durch die Blockade der Straße von Hormus stark eingeschränkt. Die Vereinten Nationen reagierten besorgt. Die Ankündigung folgt auf die jüngsten Gefechte im Juli, die den Flughafen von Sanaa und einen Flughafen in Saudi-Arabien betrafen. Die Huthis hatten bereits früher versucht, die Meerenge von Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres zu blockieren. Der saudi-arabische Hafen Yanbu am Roten Meer ermöglicht es Saudi-Arabien, Öl zu exportieren, ohne die Meerenge von Hormus passieren zu müssen. „Wir sind sehr besorgt über die erneuten Drohungen der Huthi gegen Saudi-Arabien, gegen die Freiheit der Schifffahrt, die das Risiko einer noch weitergehenden regionalen Eskalation mit sich bringen“, sagte der Sprecher des UN-Generalsekretärs, Stéphane Dujarric. Demnach sollen die libanesischen Streitkräfte zunächst die Kontrolle in mehreren „Pilotzonen“ von der israelischen Armee übernehmen. Damit soll getestet werden, ob es der regulären Armee gelingt, die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz zu entwaffnen und aus den Gebieten zu verdrängen. Nach der jüngsten Verhandlungsrunde in Rom hatten sich Israel und der Libanon nach US-Angaben auf die Struktur und die Leitlinien für die Umsetzung der sogenannten Pilotzonen geeinigt. Die vom Iran finanzierte Hisbollah hatte kurz nach Kriegsbeginn Raketen auf Israel abgefeuert. Israel reagierte darauf mit Angriffen und einer Bodenoffensive. Derzeit gilt eine brüchige Waffenruhe. Libanons Staatschef Joseph Aoun hatte die Hisbollah scharf dafür kritisiert, sein Land in den Iran-Krieg hineingezogen zu haben. Er hofft nun, dass Trump weiteren Druck auf Israel hinsichtlich eines Rückzugs aus dem Süden des Libanon ausüben wird. Israel hatte bekräftigt, dass die Armee in einer „Sicherheitszone“ stationiert bleibe, die zehn Kilometer in den Libanon hineinreicht. Am Sonntag war Aoun bereits mit US-Außenminister Marco Rubio zusammengekommen. Dabei hatte Rubio die libanesische Regierung für ihre „entschlossenen Anstrengungen“ auf dem Weg zu einem dauerhaften Friedensabkommen mit Israel und zur Entwaffnung der Hisbollah gewürdigt. „Solange dieses Problem besteht, wird der Libanon niemals wirklich Frieden finden“, sagte Rubio nach einem Treffen mit Aoun. Die Hisbollah-Miliz lehnt sowohl ihre Entwaffnung als auch jegliche Gespräche mit Israel vehement ab. Auch dem Iran sind die direkten Gespräche ein Dorn im Auge. Israel und der Libanon befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. (mit AFP)Lesen Sie mehr zum Thema