Madre Brava-Studie: Planetary Health Diet zahlt sich für Geldbeutel und Gesundheit aus - vegconomist: Das vegane Wirtschaftsmagazin
Eine neue Studie von Madre Brava und der Nachhaltigkeitsberatung PATOS zeigt: Eine Ernährung nach der Planetary Health Diet (PHD) kann Zwei-Personen-Haushalte in Deutschland jährlich rund 1. 315 Euro sparen. . .

Eine neue Studie von Madre Brava und der Nachhaltigkeitsberatung PATOS zeigt: Eine Ernährung nach der Planetary Health Diet (PHD) kann Zwei-Personen-Haushalte in Deutschland jährlich rund 1. 315 Euro sparen und gleichzeitig fast 200. 000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermeiden. Die Studienautor:innen schlagen ein einheitliches Branchenziel für den Lebensmitteleinzelhandel vor, um gesunde und nachhaltige Ernährung flächendeckend verfügbar zu machen. Proteinquelle als größter KostenhebelFür die Analyse „Unterm Strich gesünder“ hat das Studienteam die Preise zweier standardisierter Warenkörbe aus 93 Lebensmitteln erhoben: in drei Erhebungswellen zwischen Januar und März 2026 direkt im Handel und Onlineshop bei Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Rewe und Edeka in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Während der aktuelle Durchschnittswarenkorb mit 98,36 Euro pro Woche zu Buche schlägt, liegen die Kosten des PHD-Warenkorbs bei rund 73,14 Euro. Für zwei von zehn Haushalten in Deutschland entspricht die jährliche Ersparnis laut Studie sogar mehr als einem monatlichen Nettoeinkommen. © Madre BravaDen größten Kostenhebel liefert die Proteinquelle: Im aktuellen Warenkorb entfallen rund 96 % der Ausgaben für Proteinquellen auf tierische Produkte, im PHD-Warenkorb sinkt dieser Anteil auf 47 %. Diesen Trend bestätigt auch diejährliche Preisstudie von ProVeg: Der anfängliche Preisaufschlag pflanzlicher Alternativen im Einstiegssegment von über 50 % hat sich demnach mittlerweile in einen Preisvorteil verwandelt. Mit der Einschränkung, dass die tatsächliche Verfügbarkeit pflanzlicher Alternativen in den Filialen je nach Kategorie und Kette stark schwanken kann. Gesundheitssystem könnte um bis zu 53 Milliarden Euro entlastet werdenNeben den finanziellen Effekten weist die Studie auf erheblichegesundheitliche Potenzialehin. Eine Modellierung für die Studie zeigt, dass sich in Deutschland jährlich knapp 200. 000 vorzeitige Todesfälle durch eine Ernährung entlang der PHD vermeiden ließen, verbunden mit Einsparpotenzialen von über 26 Milliarden Euro. Die DALY-basierte Modellierung nach Seidel et al. kommt auf ein Einsparpotenzial von fast 53 Milliarden Euro jährlich an direkten und indirekten Gesundheitskosten, umgerechnet fast zwei zusätzliche gesunde Lebensjahre pro Person über ein 80-jähriges Leben hinweg. „Was wir essen, ist eine der wirksamsten Stellschrauben, um Krankheiten vorzubeugen und Klima sowie Umwelt und damit unsere Lebensgrundlagen zu schützen“, sagt Prof. Dr. med. Christian Schulz, Geschäftsführer der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Handel zeigt erste Schritte, Branchenstandard fehlt bislangIn Gastbeiträgen zur Studie legen Aldi Süd, Edeka, Lidl und Rewe dar, welche Maßnahmen sie bereits umsetzen. Edeka integriert pflanzenbasierte Produktein seine Marke „Edeka Herzstücke“ und stellt Rezepte entlang der PHD bereit. Aldi Süd hat sein als rein pflanzlich gekennzeichnetes Sortiment seit 2021 mehr als verdoppelt. Rewe und Lidl haben sich zudem konkrete Ziele zur Erhöhung des pflanzlichen Proteinanteils gesetzt. Die vier Handelsketten vereinen laut EHI Retail Institute rund 80 % des deutschen Lebensmittelmarkts auf sich. Mit vergleichsweise einfachen Entscheidungen könnten sie diese Marktmacht daher verantwortungsvoll nutzen und allen Menschen den Zugang zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung ermöglichen, argumentieren die Studienautor:innen. „Die wirksamste Prävention findet nicht in der Arztpraxis, sondern in unserer Gesellschaft statt – ganz besonders auch im Supermarkt. Ärztliche Beratung kann motivieren – ob Menschen gesund einkaufen, entscheiden aber vor allem Preise, Angebot und Alltagstauglichkeit. Deshalb stehen jetzt Handel, Politik und Gesundheitsorganisationen in der Verantwortung“, sagt Niklas Oppenrieder, Vorstand DACH der Physicians Association for Nutrition (PAN). Einheitliches Branchenziel für 2035 gefordertDie Studienautor:innen schlagen ein verbindliches Zwischenziel für 2035 vor: Supermärkte sollen sicherstellen, dass mindestens 38 % der verkauften Proteinquellen pflanzlichen Ursprungs sind, bei Milchprodukten und -alternativen soll der pflanzliche Anteil bei 32 % liegen. Grundlage ist eine unveröffentlichte Analyse von SystemIQ in Zusammenarbeit mit dem WWF und dem ehemaligen EAT-Lancet-Kommissionsmitglied Brent Loken im Auftrag von Madre Brava. „Dazu muss sich die ganze Branche auf ein gemeinsames Ziel für ein pflanzlicheres Sortiment einigen – damit gesunde Ernährung nicht länger Zufall ist, sondern selbstverständlich wird“, erklärt Florian Wall, Associate Director Germany bei Madre Brava. Für die Studie wurden neben den beschriebenen Preisanalysen und den wissenschaftlichen Modellierungsansätzen zu den gesundheitlichen Effekten auch Hintergrundgespräche mit Expert:innen des Lebensmittelsystems geführt sowie Kommentare von ProVeg, der Verbraucher Initiative, der Albert Schweitzer Stiftung, dem Netzwerk Ernährungsräte und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband eingeholt. Die vollständige Studie ist ab sofortzum Download verfügbar. Themen:ErnährungGesundheit & Public HealthPlanetary Health DietPreisentwicklungPreisparitätSupermarkt