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Was die Nachbarn des Iran tun, entscheidet in Nahost

Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Die US-Regierung, die nicht nur aus Trump und Vance besteht, kann die Kurve ganz anders nehmen. Endlos Zeit hat sie nicht. Die Golfstaaten gehen eigene Wege. Israel sowieso.

Von Fritz Goergen · · 11 min Lesezeit

Was die Nachbarn des Iran tun, entscheidet in Nahost

Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Die US-Regierung, die nicht nur aus Trump und Vance besteht, kann die Kurve ganz anders nehmen. Endlos Zeit hat sie nicht. Die Golfstaaten gehen eigene Wege. Israel sowieso. Der „männliche Jagdblick“ und der „weibliche Sammlerblick“ sind populäre Begriffe aus der Evolutionspsychologie und populärwissenschaftlichen Darstellungen zu Geschlechterunterschieden bei der visuellen Wahrnehmung. Sie leiten sich aus der klassischen Jäger-Sammler-Hypothese ab (Hunter-Gatherer Theory). In zwei Drittel der frühen Gesellschaften jagten auch Frauen, fanden Archäologen heraus. Hier die „Wahrheit“ zu ergründen, ist nicht nötig, in der Classe Politique des Westens können Politiker, Journalisten, Experten und so weiter weder gut weit noch breit blicken – nur extrem kurz und schmal. Das verstellt ihrem Publikum den weiten Breitblick. Der aber nötig ist, um die täglichen Sprüche im politmedialen – oft mit einer Halbwertzeit von nur ein paar Stunden – einordnen zu können. Das ist im Ukrainekrieg nicht anders als im Golfkrieg und war davor oft schon so. In diesem Beitrag versuche ich, das Spektrum zwischen Kulturkrieg und Golfkrieg zu skizzieren. Absolute Urteile im Orbit der Nachrichten, Gerüchte, geschickte und primitive Lügen über den Golfkrieg, direkte und indirekte Beteiligte finden Leser und Hörer täglich zu Hunderten. Gefälschte Videos zielen mit großem Erfolg auf die weit verbreitete Neigung, allem zu glauben, das der eigenen Meinung vulgo Vorurteil entsprícht. – Ich versuche hier, Substanzielles einander gegenüberzustellen. Beginnen will ich bewusst mitAmjad Taha. Der in den VAE lebende Journalist und bekannte strategische Analytiker ist als prowestlich und erklärter Gegner des Mullah-IRGC-Iran bekannt. Er kritisiert Trump frontal, er verstehe »den Nahen Osten immer noch nicht. In dieser Region ist es, als würde man den Sieg über den IS verkünden, nur weil man ein paar Pick-ups in die Luft gejagt hat, während man militärische Ausrüstung zerstört, das Regime, seine Ideologie, sein Raketenprogramm, seine Stellvertreter und seine Terrornetzwerke unangetastet lässt. Das islamische Regime terrorisierte die Region lange, bevor es eine ernstzunehmende Marine oder Luftwaffe brauchte. Es griff die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait, Israel und andere Länder mit Drohnen, Raketen, Milizen und Stellvertretern an. Die Hisbollah existiert noch immer. Die Netzwerke existieren noch immer. Die Ideologie existiert noch immer. Das Regime existiert noch immer. Und dann nennen Sie das einen Sieg und geben demselben Regime womöglich Hunderte von Milliarden Dollar? Das ist kein „Frieden durch Stärke“. Das ist, als würde man den Brandstifter bezahlen, nachdem er die ganze Nachbarschaft niedergebrannt hat. Ihre Freunde erwarteten Führung. Ihre Feinde erwarteten Druck. Stattdessen wurden Ihre Freunde enttäuscht, und Ihre Feinde bekamen einen Deal, von dem sie nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Und bitte hören Sie auf, Irans wirtschaftliches Elend als neue Erfolgsgeschichte zu verkaufen. Irans Wirtschaft liegt seit Jahrzehnten am Boden, und die einfachen Iraner leiden seit 47 Jahren. Sie haben diese Realität nicht geschaffen, Sie haben sie lediglich als Erfolg vermarktet. «Ziemlich genau das Gegenteil sagtZineb Riboua. Die marokkanisch-berberische (Amazigh) Politikwissenschaftlerin im Hudson Institute (Center for Peace and Security in the Middle East) in Washington, D. C. , Forscherin und Analystin sah es am 16. Juni so: »Trump zerstörte den von allen Vorgängern aufrechterhaltenen Status quo im Iran-Konflikt. Erstmals in der Geschichte des US-israelischen Bündnisses führte Israel eine umfassende Militäroperation in voller operativer Harmonie mit Washington durch. Er demontierte die Raketen- und Drohnenarchitektur, die seine Vorgänger ein Jahrzehnt lang in der Region hatten wuchern lassen. Gleichzeitig mobilisierte er das Finanz- und das Energieministerium gegen eine globale Rezession, während eine großangelegte Militärkampagne einen der strategisch wichtigsten Engpässe der Welt umgestaltete. Er verhängte Sanktionen gegen chinesische Raffinerien, die das finanzielle Rückgrat der iranischen Öleinnahmen bildeten, hielt den Xi-Gipfel ab, wodurch Peking gezwungen war, die Kosten ohne Ausweg zu tragen. Er brachte die arabischen Golfstaaten und Israel unter dem Kommando des CENTCOM in eine operative Zusammenarbeit – etwas, das jede vorherige Regierung für strukturell unmöglich gehalten hatte. « – Die Kritiker ironisierte Riboua: »Trump macht es wie Obama, und die Waffenstillstände auf dem Weg dorthin sind regelrechte Kapitulationen. «Majid Rafizadeh, Gatestone Institut urteilt glasklar:»Der Deal MOU verlängert einen Waffenstillstand um 60 Tage, entfernt die US-Blockade, öffnet die Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt, erlaubt dem Iran, Ölexporte wieder aufzunehmen, lässt das angereicherte Uran unberührt und verspricht dem Iran $ 300 Milliarden für Wiederaufbau und Investitionen – wer kümmert sich darum – und Verhandlungen für alles andere. Zum MOU gehört auch der Libanon, ein souveränes Land, das nichts mit dem Iran zu tun hat. Die Absichtserklärung ist ein Deal, um über einen Deal zu sprechen. Kein Wunder, wenn das iranische Regime feiert …. Das war die Reaktion der USA auf Erpressung und Terrorismus. So wie die USA gewannen, entschieden sie sich erneut zu verlieren. „Der neue rationale Führer des Iran“ fordert „die Befreiung Jerusalems“. Das Regime ist ein System, das in Antiamerikanismus, Antisemitismus und Feindseligkeit gegenüber seinem eigenen Volk verwurzelt ist – und Trump erlaubt ihm nicht nur zu bleiben, sondern auch, sich noch tiefer zu verankern. Das iranische Regime hat wiederholt gezeigt, man kann keinem Abkommen trauen. Das Regime wird zäh antiamerikanisch, antisemitisch und dem iranischen Volk feindlich gegenüberstehen. Es bezeichnet die Vereinigten Staaten und Israel weiterhin als ihre Feinde. Seine Kernideologie hat sich nicht ein bisschen verschoben – und die Wahrscheinlichkeit dafür muss nahe Null gesehen werden. «Texas Rep-SenatorTed Cruzkommentierte Trumps Iran-Abkommen frontal, auch wenn er es so verkleidet:»Milliarden Dollar an theokratische Fanatiker zu geben, die uns umbringen wollen, ist keine gute Idee. Ich glaube, der Präsident wird in dieser Angelegenheit leider schlecht beraten. «Israel im ZentrumDieWashington Post berichtete, US-Geheimdienste hätten Trump gewarnt,Israelwürde die Torpedierung vonTrumps Dealplanen. Damit istgeopolitischund imKulturkriegzwischenIslamund demchristlichen Westendie zentrale Frage auf dem Tisch. Wie einflussreich sind die Kräfte inAmerica,die judenfeindlich sind zusammen mit jenen, denen Israel egal ist? Hier ist nicht der Ort, dieJuden-und-Israel-Feindein denUSAzu betrachten, die bis zuJD VanceundTucker Carlsongezogen und denen beiden Einflüsse ausQatarnachgesagt werden. Was wer vonNetanjahuhält, sollte nicht mit derExistenzfrageIsraels verwechselt werden. Israeldarf ein Ende des Golfkrieges ohne dasEndederHizbollah,kurz allerIran-Truppenin Nahost zum Ersatz der Zweistaaten-Fiktion durch das wahre Ziel einesPalästina ohne Israelnicht riskieren. Abu Ali ExpresszitiertVance:»Israel versucht, wie viele andere Länder auch, Einfluss auf die amerikanische Politik zu nehmen. Das nehme ich als gegeben hin. Amerikanische Führungskräfte müssen sehr darauf achten, dass sie bei ihren Vorhaben im besten Interesse Amerikas und nicht im Interesse eines anderen Landes handeln. Charlie (Kirk) war sehr besorgt über den israelischen Einfluss auf die amerikanische Politik. Gleichzeitig verabscheute er Antisemitismus zutiefst. Israel ist ein guter Partner, genauso wie Großbritannien oder Frankreich. Das heißt aber nicht, dass wir immer die gleichen Interessen haben werden. Ich habe Trumps Entscheidung, ein Abkommen mit dem Iran zu schließen, verteidigt und stoße oft auf die Behauptung: „Israel findet es nicht gut, also ist es schlecht. “ Meine Antwort darauf ist: Israels Meinung ist wichtig, aber letztendlich sprechen wir über ein anderes Land. «Aus diesen Formulierungen von JDVancekann man viel und nichts rauslesen. Eines sind sie nicht: klar oder eindeutig. Der schon genannteAmjad Tahakommentierte: »Der ganze Mittlere Osten sah JD Vance wie einen Löwen mit Israel umgehen und wie eine persische Katze mit den Mullahs in Teheran. Seltsam, wie manche ihre schärfsten Worte für ihre Freunde und ihre sanfteste Stimme für ihre Feinde wählen. Du schließ einen Pakt mit dem Teufel und predigst den Himmel. «JD Vanceselbst sagte auf dem Weg in die Schweiz:»Ich freue mich darauf, die technischen Gespräche mit den Iranern, den Pakistanern und den Katarern aufzunehmen… Wir werden hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage und in der Frage des Waffenstillstands im Libanon erzielen – das sind die beiden wichtigsten Punkte, auf die wir uns konzentrieren werden. «Wer umTrumpherum alles sorgfältig bedacht hat und auf wen Trump hört, weiß ich nicht. Auf die wildesten Spekulationen zu seinemGesundheitszustandlasse ich mich nicht ein. Das Nebeneinander bei Donald Trump, derausgesucht höflichauftritt und das andere malflegelhaft ruppig,ist nicht neu. WieinakzeptabelerGiorgia Melonijetzt am Rande vonG7behandelte, fiel sicher nicht nur mir höchst negativ auf. Vor der Presse danach pries er seine Taten nicht nur wie schon immer, sondern fand einfach keine Ende. Wer dieMimikundKörpersprachedes daneben stehendenMarco Rubiosah, weiß, was ich meine. Ali Siadatan, Ideological Defense Institute (IDI) sagt, an der Seite des Islam-Iran stehen nach wie vor dieTaliban,dieTrump 2020imDoha-Abkommenzum US-Partner machte –al-Qaidahat Trainingslager und Madrasas inAfghanistanwieder eröffnet und seine Führung ruft die Gläubigen auf, in Afghanistan zu trainieren und westliche Ziele zu treffen. Syrienführe das gleiche Spiel. Ahmed al-Sharaa, nun als Abu Mohammadal-Jolani, aus der Karriere der syrischen Niederlassung vonal-Qaidaließ in den letzten anderthalb Jahren seine DschihadistenAlawiten, DrusenundChristeninSyrienmassakrieren. Qatarhabe eine Generation lang damit verbracht,Satellitenkanäle,Stiftungsstühle, InstituteundLobbyistenzu kaufen, die den politischen Islam in die Zentren des westlichen Lebens trugen. DieTürkeiliefere die härtere Währung von Politik und Waffen, werfe sich als Beschützer des islamischen Projekts auf und stehe nun hinter der neuen Ordnung inDamaskus. Trump,der auf die Kunst desDealsbaut, scheine nicht zu begreifen, dass manche Männer nicht eingekauft werden können. Ein reicherDschihadistinSyriengebe dasKalifatnicht auf, er finanziere es. Ein reicherDschihadistim Iran gebe dasImamatnicht auf, er baue dieGardewieder auf, die es trägt. Die reichenDschihadistenvonQatargäben ihr Vermögen nicht für den Beitritt zur modernen Welt aus, sondern für den Export des Projekts, aus dem der Westen immer wieder glaubt, sich rauskaufen zu können. Reichtum mildere diese Art von Überzeugung nicht, sondern bewaffne sie. Ein Deal, der diesen Männern Geld, Häfen und Zeit gibt, habe keinen Frieden gekauft, sondern eine Anzahlung für den nächsten Krieg geleistet. Bestseller-AutorDan Burmawiweist auf einen der Nachbarn Israels mit Doppelrolle hin:»Ägyptens Präsident al-Sisi nannte das ägyptisch-israelische Friedensabkommen als vorbildlich. In Wahrheit gibt es kein schlechteres Beispiel für Frieden zwischen zwei Nationen. Ägypten gibt vor, Friedenspartner zu sein und die Muslimbruderschaft zu bekämpfen, während seine staatlichen Medien Israel gleichzeitig dämonisieren. Das ägyptische Militär finanziert den Krieg im Sudan der von der Muslimbruderschaft geführten Armee und will Somaliland unter der Herrschaft der Dschihadisten sehen. Dienstag griff ein ägyptisches Militärflugzeug eine Goldmine im Sudan an, wobei 35 Menschen getötet und 80 verletzt wurden. Laut New York Times arbeiten Ägypten und Türkei zusammen an einem geheimen Luftwaffenstützpunkt im Sudan, um zu die Goldvorkommen des Landes zu plündern. «EinenRathalte ich für anhaltend gültig, den der zu Beginn genannteAmjad TahafürDonald Trumphat: »Im Nahen Osten ist Loyalität das höchste Gut. Wenn Sie Ihren engsten Freund mitten im Kampf im Stich lassen und hinter seinem Rücken Deals aushandeln, während Sie ihn schutzlos zurücklassen, können Sie nicht erwarten, dass Ihnen jemals wieder jemand vertraut. Sie haben der Welt verkündet: „Die USA und Israel haben eine Operation gegen den Iran durchgeführt“, und sind dann einfach gegangen und haben Ihren Verbündeten im Stich gelassen. Im Nahen Osten beurteilen wir Freunde nicht nach Reden, sondern danach, wer in Krisenzeiten zu uns hält. Jemand, der einen Verbündeten im Stich lässt und hinter seinem Rücken Deals aushandelt, ist nicht der Richtige für eine Krise. Sie werden sagen, es gehe um amerikanische Interessen. Gut. Aber auch andere haben Interessen und ein Gedächtnis. Sie können es „Amerikas Interessen“ nennen. Wir nennen es anders: seine Freunde im Sturm zurücklassen. Bevor Sie fragen: „Warum verteidigen sie sich nicht selbst?“, denken Sie daran, dass Länder wie Israel dies allein getan haben und immer noch tun. Und denken Sie auch daran, dass die Vereinigten Arabischen Emirate sich verteidigen, entschieden zurückgeschlagen und die Muslimbruderschaft verboten haben. Viele eurer westlichen Länder haben keines von beidem getan. Die Lehre daraus ist einfach: Wenn ihr eure engsten Verbündeten heute im Stich lasst, warum sollte morgen irgendjemand euren Versprechen trauen? Vielleicht ist es an der Zeit, dass der Nahe Osten über Alternativen nachdenkt. Und ja, wenn der Iran wieder zuschlägt, geht nicht davon aus, dass der Nahe Osten Washington anrufen wird. Niemand ruft jemanden an, der Informationen an die Türkei weitergeben oder ein Abkommen mit Teheran schließen könnte, während seine Verbündeten noch unter Beschuss stehen. «Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, noch kann die US-Regierung, die nicht nur ausTrumpundVancebesteht, die Kurve anders nehmen. Endlos Zeit hat sie aber nicht. Der klugeDaniel Greenfieldsagt, derTrump-Dealwäre taktisch schlimmer als der vonObama,diegute Nachrichtsei, Trump wäre im Gegensatz zu Obama diesem Müllideologischnicht verpflichtetund könne seine Meinung ändern – wie auch den Schritt, den er hauptsächlich für dieÖlpreisegetan habe. Politiker wie J. D. Vancesollten ehrlich sein und aufhören, auf jeden einzuschlagen, der den einseitigen Sieg für den Iran richtig adressiere. WerfenWorte von Secretary of StateMarco Rubioam 15. Februar 2026 bei einer Pressekonferenz in Bratislava mit Ministerpräsident Robert Fico mehr Licht auf das, was noch kommt? Ich meine ja, aber urteilen Sie bitte selbst: »„Wir haben es mit radikalen schiitischen Geistlichen zu tun, die geopolitische Entscheidungen allein auf theologischer Grundlage treffen. Niemand hat je ein erfolgreiches Abkommen mit dem Iran abschließen können. “ Dies ist kein normales Regime, mit dem man bei einer Tasse Kaffee verhandelt. Es handelt sich um ideologische Hardliner, die alles durch eine religiöse Brille betrachten … Sollten die Verhandlungen tatsächlich zu Veränderungen führen, wird die ganze Welt es sehen. «Ist für die seit Bestehen vonTichys Einblicktreuen Leser, die unbeirrbar pro oder contra America und/oder Russland kommentieren, hier etwas dabei, was sie zwar nicht umstimmt, aber vielleicht interessiert, dann freue ich mich. Jeder tut, was er kann. Halten wir es weiter so. Ich wünsche allen eine gute neue Woche.

Quelle: tichyseinblick.de

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