Asien-Reise des FC Bayern wird zum Mega-Geschäft: „Kim ist der ultimative Türöffner“
kurierverlag-deSportFC BayernMarketingexperte erklärt: „Kim ist der ultimative Türöffner“Stand:02. 08. 2026, 15:15 UhrKommentareDer FC Bayern absolviert gerade seine Marketing-Tour in Asien. Neben Jeju steht. . .

kurierverlag-deSportFC BayernMarketingexperte erklärt: „Kim ist der ultimative Türöffner“Stand:02. 08. 2026, 15:15 UhrKommentareDer FC Bayern absolviert gerade seine Marketing-Tour in Asien. Neben Jeju steht auch ein Stopp in Hongkong auf dem Programm. Experte Florian Gress spricht über die Reise. München – Florian Gress ist ein Sportmarketing- und Kommunikationsexperte aus München. Mit seiner Agentur „We Play Forward“ unterstützt er zahlreiche Fußballprofis und Vereine aus dem In- und Ausland in der täglichen Positionierung. Im Interview spricht er überBayernsAsien-Tour. Absolut Bayern – absolut hautnah! Unsere Reporter sind für euch hinter den Kulissen des Rekordmeisters unterwegs. Videos, Analysen, Interviews und viele weitere exklusive Inhalte bekommt ihr im Web, in der App und auf Social Media. © Absolut BayernAbsolut Bayern: Der FC Bayern reist auf die südkoreanische Insel Jeju und nach Hongkong. Eine gute Wahl?Florian Gress: Absolut. Südkoreaboomt fußballerisch und kulturell extrem, was der FC Bayern schon 2024 bemerkt hat. Zudem hat der Klub in Seoul, Bangkok und Shanghai eigene Büros. Hongkong wiederum ist ein gigantisches Finanzzentrum und Tor zum chinesischen Markt. Man darf nicht vergessen: Nach Angaben des FC Bayern stammt ein erheblicher Teil der weltweiten Fanbase aus Asien. Das ist kein Urlaub, das ist intensive Markenpflege vor einem Riesenpublikum. Vor Ort testet man gegen Kooperationsclub Jeju SK FC und Aston Villa. Interessieren diese Freundschaftsspiele viele Fans vor Ort?Man muss hier stark differenzieren. Das Spiel gegen Jeju SK FC am 4. August ist ein reines „Local Hero“-Event und ein klares Zeichen an die Partnerschaft mit dem Klub. Sportlich kein Leckerbissen, aber emotional für die südkoreanischen Fans extrem nahbar. Aston Villa am 7. August im neuen, hochmodernen Kai Tak Stadion in Hongkong hingegen zieht als englischer Traditionsverein und amtierender Europa-League-Sieger auch international. Die Stadien werden voll sein, das Interesse ist enorm. Absolut Bayern - der Newsletter ⚽Der „Absolut Bayern-Newsletter“ - ein Muss für FCB-Fans © Plietsch/ImagoSeien Sie näher am FC Bayern dran als je zuvor!Unser FCB-Newsletter versorgt Sie mit den wichtigsten News, liefert IhnenVideos, Reportagen und exklusive Interviewsdirekt und ganz bequem in Ihr Postfach. Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren und Teil der FCB-Community werden. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden!Sind Sie dabei?HIER geht‘s direkt zur AnmeldungIm Fokus der Südkoreaner steht natürlich Minjae Kim. Welche Rolle muss er einnehmen?Er ist der ultimative Türöffner und das Gesicht der ersten Tourhälfte. Im modernen Sportmarketing nennt man das „Localization“. Minjae Kim fungiert als kulturelle Brücke. Er muss auf Pressekonferenzen glänzen, in Social-Media-Clips die Bräuche erklären und nahbar für die heimischen Medien sein. Wenn ein Weltklub wieBayernmit einem südkoreanischen Abwehrchef anreist, erzeugt das hohen Nationalstolz. Diese Identifikation ist durch kein Geld der Welt ersetzbar. Mit Thomas Müller hat der FC Bayern sein internationales Zugpferd verloren. Wie schwer wiegt der Verlust?Das schmerzt die PR-Abteilung massiv. Müllerwar ein Phänomen: Er hatte diesen natürlichen, oft augenzwinkernden Humor, der auch ohne perfekte Sprachkenntnisse weltweit verstanden und geliebt wurde. Er hat jede traditionelle Teezeremonie oder Lederhosen-Aktion mitgemacht und perfekt auf TikTok oder Instagram transportiert. Diesen Verlust an authentischem Entertainment kann man nicht eins zu eins ersetzen. Man muss das jetzt auf mehrere Schultern verteilen. Wann würden Sie die Asien-Tour als Erfolg verbuchen?Wenn drei Haken gesetzt sind. 1. Digitaler Impact: Ein steiler Anstieg bei den Followerzahlen auf asiatischen Plattformen (wie WeChat, Weibo oder Douyin) sowie hohe Interaktionsraten. 2. Kommerz: Ausverkaufte Merchandising-Stände vor Ort und langfristig neue Sponsoren-Kontakte. 3. Sportliche Balance: Wenn Trainer Vincent Kompany die Belastung trotz Jetlag so steuert, dass sich niemand verletzt und die taktische Vorbereitung nicht leidet. Paris Saint-Germain nimmt auf seinen Sommer-Reisen teils über 20 Millionen Euro ein. Warum schafft das der FC Bayern nicht ganz in diesen Dimensionen?PSG hat über Jahre hinweg ein extrem lifestyliges, fast schon popkulturelles Image aufgebaut – stark getrieben durch die Modemetropole Paris und die Historie mit extremen Social-Media-Giganten wie Neymar oder Messi. PSG verkauft sich in Asien nicht nur als Fußballverein, sondern als globale Modemarke. Der FC Bayern ist wirtschaftlich extrem solide und holt stark auf, bleibt in seiner Kern-DNA aber bodenständiger und „greifbarer“. Das ist langfristig nachhaltiger, bringt kurzfristig aber manchmal etwas weniger Event-Millionen ein. Wie gewinnt man nachhaltig Anhänger? Einmal winken im Stadion reicht ja kaum. Nachhaltigkeit entsteht durch Präsenz, wenn die Profis wieder im Flugzeug sitzen. Es braucht Fußballschulen vor Ort („FC Bayern Football Schools“), kontinuierlichen Content in der Landessprache und Kooperationen mit lokalen Partnern. Man muss den Fans zeigen: Wir kommen nicht nur, um euer Geld abzuholen, sondern wir lassen etwas hier – Know-how, Jugendförderung und Wertschätzung. Und das tut der FC Bayern. Die Bundesliga hinkt der Premier League in Sachen internationaler TV-Einnahmen hinterher. Weil die deutschen Vereine zu bequem sind und sich lieber in Europa vorbereiten?„Bequem“ ist das falsche Wort, es ist eine Frage der Ressourcen. Einem Klub wie Mainz, Augsburg oder Werder Bremen fehlen schlicht das Budget, das Personal und die globale Strahlkraft. Die Premier League profitiert massiv von der englischen Sprache und einem historisch gewachsenen, weltweiten Vorsprung. Wenn kleinere Bundesligisten nach Asien fliegen, verfügen sie dort über deutlich geringere Bekanntheit als internationale Top-Klubs. Das Investment zahlt sich oft nicht aus. Hier müsste die DFL geschlossene „Ligatouren“ noch stärker subventionieren und organisieren. Zudem herrscht in Deutschland oft die Angst, die heimischen, traditionellen Fans durch zu viel Kommerzialisierung im Ausland zu verprellen. In Spanien und Italien ist es längst üblich, den Supercup im Ausland auszutragen. Die DFL verzichtet darauf derzeit noch – meist aus Respekt vor den Fans und deren traditionellen Werten. Grundsätzlich muss der deutsche Fußball aber definitiv intensiver vor Ort sein, sonst wird der eh schon enorme Rückstand zur Premier League größer und größer. Wer im Sommer lieber ins Trainingslager nach Österreich fährt, bleibt international unsichtbar. Die Premier League hat vor über 20 Jahren angefangen, den globalen Markt aggressiv zu beackern. Wenn die Bundesliga den Anschluss nicht völlig verlieren will, müssen auch Klubs aus der zweiten Reihe wie Leipzig, Leverkusen oder Frankfurt regelmäßig auf anderen Kontinenten Präsenz zeigen. Dass es die Premier League, wo auch Mittelfeldvereine zum Teil internationale Topstars haben, inzwischen deutlich leichter haben, steht außer Frage. Wenig überraschend sind auch schon diesen Sommer erneut sehr talentierte Spieler der Bundesliga wieder einmal in die attraktivere Premier League gewechselt. Auch der FC Bayern wird in den internationalen Erlösen zu anderen europäischen Giganten aufschließen können, wenn die Bundesliga als Ganzes attraktiver wird. Wie gewinnt man auf solchen Reisen nachhaltig Anhänger? Einmal winken im Stadion reicht ja kaum. Nachhaltigkeit entsteht durch Präsenz, wenn die Profis wieder im Flugzeug sitzen. Es braucht Fußballschulen vor Ort („FC Bayern Football Schools“), kontinuierlichen Content in der Landessprache und Kooperationen mit lokalen Partnern. Man muss den Fans zeigen: Wir kommen nicht nur, um euer Geld abzuholen, sondern wir lassen etwas hier – Know-how, Jugendförderung und Wertschätzung. Und das tut der FC Bayern. Warum tourt kaum ein europäischer Top-Verein in Südamerika? Gerade dort gelten die Fans doch als extrem fußballverrückt. Sportlich und emotional wäre das ein Traum, wirtschaftlich ist es leider ein Minusgeschäft. Die Kaufkraft für teure Tickets und Original-Trikots ist in den meisten südamerikanischen Ländern im Vergleich zu den USA, China, Südkorea oder Japan deutlich geringer. Zudem sitzen die großen Weltkonzerne und Tech-Riesen, die solche Touren als Sponsoren mit zweistelligen Millionenbeträgen finanzieren, primär in Nordamerika und Asien. Deswegen fliegt der Jet der Top-Klubs fast immer nach Osten oder Westen, aber selten nach Süden.