Konkurrenz aus Asien: Lenzing symbolisiert Krise
Schock in der heimischen Industrie: Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing will bis Ende 2027,wie berichtet, rund 2000 Stellen abbauen. 1400 Jobs fallen durch den Verkauf des Werks in Indonesien weg. . . .

Schock in der heimischen Industrie: Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing will bis Ende 2027,wie berichtet, rund 2000 Stellen abbauen. 1400 Jobs fallen durch den Verkauf des Werks in Indonesien weg. In der Verwaltung, vor allem am Hauptsitz in Oberösterreich, müssen 340 Beschäftigte gehen. Sie sind Teil eines Stellenabbaus, der bereits im Herbst angekündigt worden war. Und von den Schließungen der Werke in Heiligenkreuz im Burgenland bis Jahresende (285 Mitarbeiter) sowie im englischen Grimsby (230) bis Ende 2027 sind weitere Hunderte Jobs betroffen. In Heiligenkreuz sollen durch den Verkauf des Werks an einen neuen Eigentümer Arbeitsplätze gerettet werden. Das Land Burgenland kann sich eine Beteiligung vorstellen, sollte kein Investor gefunden werden. Die Produktion in Heiligenkreuz läuft mit Jahresende aus. (Bild: Christian Schulter)„Überkapazitäten drücken auf Preis“Der drastische Stellenabbau der Lenzing ist jedenfalls symptomatisch für die Probleme in Österreichs Industrie. Denn obwohl der globale Cellulosefasermarkt konstant wächst – Schätzungen gehen auch weiterhin von mindestens vier Prozent jährlichem Wachstum aus -, kann die Lenzing mit den asiatischen Produzenten nicht mehr mithalten. „Unsere Wettbewerber aus Asien sind groß und haben massiv Kapazitäten aufgebaut. Diese Überkapazitäten drücken auf den Preis“, sagt CEO Georg Kasperkovitz. Dazu kommen Managementfehler wie die Investition in Indonesien. Unsere Wettbewerber aus Asien sind groß und haben massiv Kapazitäten aufgebaut. Diese Überkapazitäten drücken auf den Preis. Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing AGBild: Neumayr Fotografie - Christian L„Mehr Vliesstoffe, weniger Textil“Deshalb verpasst sich der börsennotierte Leitbetrieb jetzt eine neue Strategie: „Mehr Vliesstoffe und weniger Textil“, fasst Kasperkovitz zusammen. Die Absätze bei den Textilfasern würden großen Schwankungen unterliegen – davon will man sich unabhängiger machen und die Vliesstoff-Produktion ausbauen. Zudem will Kasperkovitz in Innovationen wie eine neue Fasergeneration investieren. Schon das dritte SparprogrammGleichzeitig verkleinert sich die Lenzing insgesamt. Nach den geplanten Werksverkäufen bleiben von aktuell neun Standorten noch sechs übrig. An der Kostenschraube dreht man mit einem 120 Millionen Euro schweren Sparprogramm – es ist bereits das dritte seit 2022. Seit damals schreibt der Faserhersteller durchgehend Verluste. Im Vorjahr lag das Minus bei 135 Millionen Euro. Diese Krise macht sich längst auch an der Börse bemerkbar: Die Aktie hat seit 2022 mehr als drei Viertel ihres Werts verloren. Allein am Dienstagvormittag stürzte der Kurs zeitweise um 17 Prozent ab.