Russisches LNG für Asien: Darf Berliner Gasimporteur Sefe jetzt doch liefern?
DieEUwill ab 2027 vollständig auf russisches Gas verzichten. Lange war allerdings unklar, was mit den langfristigenLNG-Verträgen europäischer Importeure passieren würde. Dürfen sie die vereinbarten Mengen. . .

DieEUwill ab 2027 vollständig auf russisches Gas verzichten. Lange war allerdings unklar, was mit den langfristigenLNG-Verträgen europäischer Importeure passieren würde. Dürfen sie die vereinbarten Mengen wenigstens noch an Kunden in Asien weiterverkaufen?Die Antwort der EU-Kommissionschien noch vor wenigen Wocheneindeutig: Nein. In einem Schreiben an betroffene Importeure vertrat das Büro von EU-Energiekommissar Dan Jørgensen die Auffassung, dass der beschlossene Gasausstieg auch einen Weiterverkauf an Kunden außerhalb der EU ausschließe. Neues Sanktionspaket ändert die Spielregeln für russisches LNGDoch mit dem 21. EU-Sanktionspaket hat sich die Lage vor wenigen Tagen überraschend geändert. Nach dem Widerstand Griechenlands zum Schutz der heimischen Reederei Dynagasenthält die neue Verordnungnun doch eine Ausnahme. Zunächst erinnert die EU daran, dass das 2025 beschlossene Verbot ausdrücklich auch Käufe und Lieferungen von russischemLNGin Drittstaaten umfasste. Nun erlaubt dieselbe Verordnung unter bestimmten Voraussetzungen wieder den Transfer russischen LNGs in Drittstaaten sowie ausdrücklich auch Käufe im Zusammenhang mit diesen Lieferungen. Voraussetzung sind langfristige Verträge, die bereits vor dem 24. Februar 2022 geschlossen wurden und seitdem nicht wesentlich geändert worden sind. Offiziell begründet die EU diesen Schritt damit, „negative Folgen für die Energieversorgung bestimmter Partnerländer“ abfedern zu wollen. Das heißt: Nicht nur die griechische Reederei darf jetzt weiter russisches LNG nach Asien liefern, sondern auch europäische Gasimporteure mit entsprechenden Altverträgen dürfen russisches LNG unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin an Kunden in Drittstaaten wie Asien liefern. Berliner Gasimporteur Sefe prüft Auswirkungen der neuen Rechtslage auf Yamal-VertragIn Deutschland könnte davon vor allemder Gasimporteur Sefe(ehemals Gazprom Germania) mit Hauptsitz in Berlin profitieren, der bereits seit 2015 einen langfristigen Vertrag mit dem Yamal-Projekt in der russischen Arktis hat. Nach diesem Vertrag ist Sefe zur Abnahme von jährlich 2,9 Millionen Tonnen LNG bis 2040 verpflichtet. „Wir verfolgen die regulatorischen Entwicklungen auf Ebene der Europäischen Union mit großer Aufmerksamkeit, einschließlich des kürzlich verabschiedeten 21. Sanktionspakets“, erklärte Sefe auf Anfrage der Berliner Zeitung. „Eine fundierte Analyse der genauen Auswirkungen ist derzeit im Gange. “ Selbstverständlich werde Sefe alle geltenden EU-Sanktionen und Vorschriften im Zusammenhang mit russischem LNG einhalten, fügte der Sprecher hinzu. Deutsche LNG-Terminals dürfen schon länger kein russisches LNG abnehmenDabei war das bundeseigene Unternehmen noch im März dieses Jahres nach eigenen Angaben bereit,sich auf einen Fall höherer Gewalt (Force majeure) zu berufen. Das Unternehmen hatte damals zugleich auf Anfrage erklärt, das EU-Importverbot für russisches LNG werde selbstverständlich vollständig eingehalten. Aktuell beliefert das Unternehmen noch andere EU-Staaten mit den Mengen aus dem Yamal-Vertrag, nachdem die damalige Ampel-Regierung bereits im November 2024 den deutschen LNG-Terminals verboten hatte, russisches LNG abzunehmen. Die neue EU-Ausnahme dürfte nun eine sichtbare Erleichterung für Sefe bringen. Denn LNG-Langfristverträge enthalten in der Regel sogenannte Take-or-pay-Klauseln. Käufer müssen vereinbarte Mengen entweder abnehmen oder bezahlen. Mit dem Hinweis auf höhere Gewalt können die Unternehmen zwar versuchen, sich aus solchen Verpflichtungen zu lösen, wenn Sanktionen die Vertragserfüllung unmöglich machen. Allerdings schützt sie das nicht automatisch vor Gegenklagen der Lieferanten. Yamal LNG ist ein riesiges Flüssigerdgasproduktionsprojekt und eine Anlage in Sabetta an der Nordostküste der Jamal-Halbinsel im Nordwesten Sibiriens, Russland. © Copyright: xKadnikovValeriix viaRussisches LNG: TotalEnergies will bereits von der EU-Ausnahme profitierenHinter dem Projekt Yamal LNG steht der zweitgrößte russische GasexporteurNovatek, der vor allem den OligarchenLeonid Michelsonund Gennadi Timtschenko gehört. Der StaatskonzernGazpromhält daran ebenfalls einen Anteil von knapp zehn Prozent, aber auch der französische GasimporteurTotalEnergieseinen von 19,4 Prozent. Vor allem TotalEnergies kannnach Einschätzung der Financial Times(FT) von der EU-Ausnahme profitieren und seine bestehenden Lieferverträge mit asiatischen Kunden weiter erfüllen. Erst vergangene Woche hatte Total-Chef Patrick Pouyanné erklärt, die ursprünglich geplanten EU-Regeln hätten das Unternehmen möglicherweise gezwungen, die Lieferungen aus dem Yamal-Projekt vollständig einzustellen. Die nun beschlossene Ausnahme ändere jedoch die Ausgangslage. Ob auch der 2015 geschlossene Yamal-Vertrag von Sefe unter die neue Ausnahmeregelung fällt, bleibt noch offen. Sollte dies der Fall sein, könnte das Unternehmen seinen langfristigen Vertrag mitNovatekerfüllen, indem es das LNG an Kunden inAsienweiterliefert. Für diesen Altvertrag wäre der ursprünglich geplante Ausweg über Force majeure dann womöglich nicht mehr erforderlich. Lesen Sie mehr zum Thema