250 Jahre USA: Die Trump-Show
Vor halb leeren Rängen der Ehrentribüne und einer überschaubaren Zahl anTrump-Anhängern ist die angekündigte „wirklich lange Rede” des US-Präsidentenzum 250. Geburtstag der Vereinigten Staatendann also nach. . .

Vor halb leeren Rängen der Ehrentribüne und einer überschaubaren Zahl anTrump-Anhängern ist die angekündigte „wirklich lange Rede” des US-Präsidentenzum 250. Geburtstag der Vereinigten Staatendann also nach genau 35 Minuten vorüber gewesen. Andernfalls hätte das „größte Feuerwerk aller Zeiten” ja auch nicht mehr pünktlich am Unabhängigkeitstag beginnen können. Dass es überhaupt stattfand, grenzte fast an ein Wunder. Denn nach einem Tag mit Hitzerekorden musste der Secret Service die Menschenmenge auf der National Mall in Washington zeitweise wegen eines aufziehenden Gewitters auflösen. Tausende suchten Schutz in Museen und öffentlichen Gebäuden. Trump hielt die Leute währenddessen über seinen PR-Kanal Truth Social bei der Stange. „Stürme bringen Glück, egal zu welchem Anlass”, schrieb er. Und legte nach: „Ich lasse mir unseren 250. nicht von etwas Regen verderben. ”Eine Gruppe vermummter Rechtsextremer marschiert durch WashingtonBereits am Morgen war in Washington die Geburtstagsparade ausgefallen, und der „Great American Fair” genannte Jahrmarkt auf der National Mall blieb über Stunden geschlossen. Unverdrossen marschierte dagegen eine Gruppe vermummter Rechtsextremer der „Patriot Front” mit der rassistischen Flagge der Südstaaten durch das politische Zentrum der USA. Auch an vielen anderen Orten fielen die Feierlichkeiten aus, unter anderem der Umzug in Philadelphia. Insgesamt litten rund 120 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner unter den Extremtemperaturen. Wohl die schönsten, aber auch dramatischsten Bilder kamen aus New York: Dort segelten historische Schoner auf dem Hudson River an der Freiheitsstatue vorbei. Am Abend setzte schließlich das Feuerwerk vorübergehend einen Teil der Brooklyn Bridge in Brand. Das Rekord-Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag setzte einen Teil der Brooklyn Bridge in New York in Brand. Foto: Aron Ranen/AP/dpaDonald Trump trat um kurz nach 23 Uhr mit mehr als zwei Stunden Verspätung vor dem Lincoln Memorial auf. Zu den patriotischen Weisen der Sänger Christopher Macchio und Lee Greenwood. Alle anderen Künstler hatten abgesagt, weil sie sich vom US-Präsidenten nicht vereinnahmen lassen wollten. „Das ist ein Abend für die Ewigkeit”, dankte Trump zum Auftakt seiner Rede der spärlichen Menge, die auf die Mall zurückgekehrt war. Es folgte eine Mischung aus kitschigem Patriotismus, historischen Auslassungen und Angriffen auf die Demokraten – mehr Wahlkampfrede, vier Monate vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November, als traditionelle Gedenkansprache. Menschen verfolgten auf der National Mall in Washington „das größte Feuerwerk aller Zeiten”. Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpaDen Ton hatte Trump schon tags zuvor in South Dakota vor den in Stein gehauenen Köpfen George Washingtons, Thomas Jeffersons, Theodore Roosevelts und Abraham Lincolns gesetzt. Dort bezeichnete er seine liberalen Gegner als „kommunistische Bedrohung” und „Feinde des 4. Juli 1776”. An jenem Tag hatten die ersten Revolutionäre in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung von der britischen Krone unterzeichnet. Für Trump nun ein Anlass, sich selbstins Zentrum der nationalen Erzählungzu rücken. Die USA seien vor ihm geschwächt und durch ihn wiederbelebt worden. Unter seiner Führung habe ein „goldenes Zeitalter” begonnen. Kritiker werfen Trump vor, die Feiern zu nutzen, um die Spaltung des Landes zu schürenIm Gegensatz zur Darstellung des Präsidenten verlassen allerdings heute so viele Amerikaner das Land wie seit 1929 zur Zeit der großen Wirtschaftskrise nicht mehr. Der Nationalstolz fiel in seiner Amtszeit so tief wie nie: Nur noch 33 Prozent nennen sich nach einer Gallup-Umfrage „extrem stolz”, acht Punkte weniger als vor Trumps Amtsantritt. Mit seiner Rede setzte dieser ein Ausrufezeichen hinter ein Festtagsprogramm, dessen Gestaltung er nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus an sich gerissen hatte. Die vom Kongress eingesetzte überparteiliche Kommission „America 250” durfte zwar in Philadelphia eine Zeitkapsel mit hunderten Objekten aus allen Bundesstaaten versenken. Alles andere übernahm aber „Freedom 250”, eine Gruppe von Trump-Loyalisten, die das offizielle Gedenken in ein grellesSpektakel aus Käfigkämpfen, Autorennen und Jahrmarktrummelverwandelte. Den Ton hatte Trump schon tags zuvor in South Dakota vor den in Stein gehauenen Köpfen George Washingtons, Thomas Jeffersons, Theodore Roosevelts und Abraham Lincolns gesetzt. Dort bezeichnete er seine liberalen Gegner als „kommunistische Bedrohung”. Foto: Alex Brandon/AP/dpaKritiker warfen Trump denn auch vor, die Feiern zu nutzen, um die Spaltung des Landes zu schüren und einen historisch überparteilichen Moment des Patriotismus in ein politisches Vehikel für Propaganda zu verwandeln. Der frühere Präsident Barack Obamaformulierte auf X einen Gegenentwurf: Amerika sei „eine ständige Baustelle”, schrieb er. Jede Generation müsse das unvollendete Werk der vorherigen aufgreifen und weitertragen – sie müsse „schützen, was richtig ist, reparieren, was falsch ist, und unsere Union ein wenig vollkommener machen”.