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250 Jahre USA: Welche Rolle Amerika-Häuser heute spielen

Deutsche und US-amerikanische Flaggen stehen am Dienstag, dem 23. Juni 2026, während der Feier der US-Botschaft Berlin zum Unabhängigkeitstag im Palais am Funkturm in Berlin auf einem Tisch neben einem Brunnen.

Von @swr. de · · 4 min Lesezeit

250 Jahre USA: Welche Rolle Amerika-Häuser heute spielen

Wenn die Vereinigten Staaten am 4. Juli ihre Unabhängigkeit feiern, erinnern auch zahlreiche deutsch-amerikanische Zentren an die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung von 1776. Das 250. Jubiläum fällt allerdings in eine Zeit, in der die USA in Europa so kontrovers diskutiert werden wie lange nicht. Diezweite Präsidentschaft Donald Trumps, politische Polarisierung und Debatten über den Zustand der amerikanischen Demokratie prägen den Blick auf das Land. Gerade deshalb sehen viele Amerika-Häuser ihre Aufgabe heute weniger darin, ein bestimmtes Amerika-Bild zu vermitteln, als Orientierung und Diskussion zu ermöglichen. Im Deutsch-Amerikanischen Zentrum (DAZ) Stuttgart zieht sich das Jubiläum deshalb durch das ganze Jahr. Unter dem Titel „Happy Birthday – In welcher Verfassung sind die USA?“ begann im Mai eine Veranstaltungsreihe, die Geschichte und Gegenwart miteinander verknüpft. Vorträge, Lesungen und Diskussionen fragen nach denGründungsidealen der Vereinigten Staatenebenso wie nach ihrer heutigen politischen Realität. „Wir wollen eine aktuelle Bestandsaufnahme bieten und Vergleiche zwischen den Gründungsidealen und der heutigen Situation ziehen“, sagtDAZ-Leiterin Christiane Pykaim Gespräch mit SWR Kultur. Stuttgarter Amerika-Haus als VorbildAls 1946 in Stuttgart das erste Amerika-Haus auf Initiative der amerikanischen Militärregierung entstand, sollte es als Ort für demokratische Bildung und kulturellen Austausch dienen. Das Stuttgarter Haus wurde zum Vorbild vieler weiterer Amerika-Häuser in Deutschland. Wer damals die Bibliothek betrat, erlebte etwas, das in Deutschland keineswegs selbstverständlich war. „Die Besucher konnten einfach an die Regale gehen“, erklärt Pyka. Freihandbibliotheken waren damals noch weitgehend unbekannt. Für viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen seien die Amerika-Häuser deshalb Orte gewesen, an denen Demokratie ganz praktisch erfahrbar wurde. Auch gesellschaftliche Debatten fanden hier früh ihren Platz. Bürgerrechtsbewegung, Frauenbewegung oder die Black Liberation Movement wurden in den Amerika-Häusern diskutiert, lange bevor sie in Deutschland eine breitere Öffentlichkeit erreichten. Das Amerika-Haus am Nollendorfplatz in Berlin, 1950er-Jahre. Vor der Eröffnung des Neubaus in der Hardenbergstraße war hier eines der wichtigsten amerikanischen Kulturzentren im geteilten Berlin untergebracht. picture-alliance / ReportdienstePicture AllianceDer Regierende Bürgermeister von Berlin, Otto Suhr (Mitte), und der amerikanische Hohe Kommissar James B. Conant (rechts) unterzeichnen am 8. März 1954 den Vertrag zum Bau des neuen Amerika-Hauses in der Hardenbergstraße. Links sitzt Willy Brandt, damals Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. picture-alliance / ReportdienstePicture AllianceVom Schaufenster zum GesprächsortDie Welt hat sich seitdem verändert. Informationen über die USA sind heute dank dem Internet jederzeit verfügbar; gleichzeitig wächst die Unsicherheit darüber, welchen Quellen man vertrauen kann. Die ehemaligen Amerika-Häuser haben ihre Rolle deshalb neu definiert. „Heute sind wir unabhängige Einrichtungen“, betont Pyka. Das heutige DAZ in Stuttgart wurde 1995 als unabhängiger Verein neu gegründet. Heute organisiert das Zentrum Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen zu aktuellen Fragen der transatlantischen Beziehungen. Die meisten Häuser seien inzwischen als deutsch-amerikanische Zentren oder Institute organisiert, sagt Pyka. Wer heute eine Veranstaltung besuche, komme nicht wegen politischer Werbung, sondern weil dort unterschiedliche Perspektiven Platz hätten. Gerade in Zeiten,in denen die Vereinigten Staaten viele Fragen aufwerfen, sieht Pyka darin eine wichtige Aufgabe. Trotz aller politischen Krisen blickt sie nicht ohne Zuversicht auf das Land. Die USA hätten in ihrer Geschichte immer wieder tiefgreifende Konflikte erlebt und Wege gefunden, sich weiterzuentwickeln. „Ich denke, es gibt noch Hoffnung. “Wie den Deutschen demokratische Werte und Freiheit beibringen? Ein amerikanischer GI verteilt Süßigkeiten an deutsche Kinder (Symbolbild)picture-alliance / ReportdienstePicture AllianceUSA im Südwesten: Heidelberg, Freiburg und KaiserslauternDie deutsch-amerikanischen Beziehungen sind im Südwesten Deutschlands bis heute besonders ausgeprägt. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden hier erste Amerika-Häuser in der amerikanischen Besatzungszone. Hinzu kam im Laufe der Jahrzehnte eine komplexe Infrastruktur aus Hochschulkooperationen, Kulturinstitutionen und nicht zuletzt die langjährige Präsenz der US-Streitkräfte, insbesondere in Rheinland-Pfalz rund um Kaiserslautern und die Ramstein Air Base. Aus den Dutzenden Amerika-Häusern, die nach dem Krieg entstanden sind, haben sich heute wichtige Institutionen entwickelt. Im Südwesten ist das unter anderem das Deutsch-Amerikanische Institut Heidelberg, das 1946 gegründet wurde und zu den größten Einrichtungen dieser Art zählt. Aus einer einstigen Informationsbibliothek der US-Militärregierung wurde ein Bildungszentrum mit umfangreicher englischsprachiger Bibliothek. Auch das Carl-Schurz-Haus in Freiburg entstand 1952 als Amerika-Haus und ist heute ein binationales Kulturzentrum mit Lesungen, Filmreihen sowie Bildungsangeboten. Die Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz, erst 1996 gegründet, gilt als zentrale Einrichtung für die transatlantische Bildungsarbeit des Bundeslandes, das bis heute durch die US-Militärpräsenz geprägt ist.

Quelle: swr2.de

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