9punkt - Die Debattenrundschau vom 11. 08. 2026 | Wahlen 2027: Cohn-Bendit über ein Horrorszenario für Frankreich und Europa
DruckenKommentieren9punkt - Die DebattenrundschauNö, Ihr Interesse ist nicht berechtigtKommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr. 11. 08. 2026. Leider könnte. . .

DruckenKommentieren9punkt - Die DebattenrundschauNö, Ihr Interesse ist nicht berechtigtKommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr. 11. 08. 2026. Leider könnte es bei den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr dazu kommen, dass sich eine Rechtsextreme und ein Linksextremer gegenüberstehen, fürchtetDaniel Cohn-BenditinLe Point- und dann "ist derSieg von Marine Le Pensicher". Die Russen verfolgen die Einwohner Charkiws inzwischen mit "first person view"-Drohnen, erzähltSergei Gerasimowin derNZZ, ein "Wandel von der allgemeinen Massenvernichtung hin zumindividualisierten Mord". Zornig schreibtJohn McWhorterimCity-Journalüber den FallJason Arday. UndNavid Kermanikriegt in derFAZeine Standpauke von einem Generalleutnant. Efeu - Die Kulturrundschau vom 11. 08. 2026 finden Sie hier"Für mich wäre die Wahl von Marine Le Pen oder Jean-Luc Mélenchon eine Katastrophe - sowohl für Frankreichals auch für Europa",sagtDaniel Cohn-Benditim Gespräch mitLe Point. "Beides gleichermaßen. Der ethnische Nationalismus des Rassemblement National und von Marine Le Pen und der pseudorevolutionäre populistische Nationalismus von La France insoumise und Jean-Luc Mélenchon sind für mich die beiden Säulen einesselbstmörderischen Souveränismus. Um dieser selbstmörderischen Versuchung zu entgehen, richtet sich die Herausforderung an dieReformisten, seien sie nun rechts, in der Mitte oder links. " Allerdings wirft Cohn-Bendit den gemäßigten Politikern vor, sich wie Schlafwandler auf den entscheidenden Moment des zweiten Wahlgangs zuzubewegen. " Seine Hoffnungen richten sich auf Raphaël Glucksmann als gemäßigten Linken und Edouard Philippe als Mitte-Rechts-Mann. Sollten aberzu viele gemäßigte Kandidatenantreten, droht Gefahr: "Es muss alles getan werden, um zu verhindern, dass Jean-Luc Mélenchon in die Stichwahl kommt. Andernfalls istder Sieg von Marine Le Pensicher. "Die Bundesregierung will wichtige Bestandteile desInformationsfreiheitsgesetzes(IFG) kassieren. In Interview mit Clara Dünkler von dertazäußert sichDagmar Hartge, Beauftragte des Landes Brandenburg für den Datenschutz und für das Recht auf Akteneinsicht sehr besorgt. Man wolle "den Zugang zu amtlichen Informationen von einem Nachweis eines sogenanntenberechtigten Interessesabhängig machen. Das sehen wir als Generalangriff auf die Informationsfreiheit. Momentan kann ich den Antrag stellen und muss in keiner Weise sagen,warum oder wasich damit tun will. In Zukunft kann die entsprechende Behörde dann einfach sagen,nö,Ihr Interesse ist nicht berechtigt. Das wirft uns praktisch zurück in die Zeit des Amtsgeheimnisses. Wir hätten praktisch nur noch ein Pro-forma-Gesetz, was suggeriert, einen freien Zugang zu gewährleisten. "Der SchriftstellerMoritz Rinkeist mit einer Türkin verheiratet. Im Wohnzimmer seiner Schwiegerfamilie kann er die politische Verzweiflung beobachten, die die Bürger des Landes befällt. Die Oppositionist vorerst wieder erstickt, so Rinke, Erdogan hat das halbe Land ins Gefängnis gesteckt: "Bei Instagram macht ein Post die Runde, in der sich die politischen Mehrheitsverhältnisse in Istanbul so darstellen: 30,8 Prozent hat die CHP im Stadtrat, 33,3 Prozent die Regierungspartei AKP. Und wo bleiben die restlichen 35,9 Prozent? Im Silivri-Gefängnis!Insgesamt vierzehn Bürgermeisteraus CHP-regierten Bezirken sitzen dort. "Am 20. Juli, ausgerechnet, hatNavid Kermanivor Rekruten einen donnernden Satz gesprochen: Sollte "eine künftige Bundesregierung Siein einen Krieg führenwollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, wird es Ihre Pflicht sein, denBefehl zu verweigern. " (UnserResümee) Diesem Satz widerspricht heute in derFAZvehement der GeneralleutnantAndreas Hoppe, der an einen schlichten Umstand erinnert, den deutsche Schüler und auch Rekruten schon im Fach Gemeinschaftskunde gelernt hatten: Wenn, dann schickt nicht die Bundesregierung, sondernder Bundestagdie Soldaten in den Krieg - nach Debatte und Abstimmung. "In Afghanistan habe ich das Einsatzgeschwader der Bundeswehr geführt, war ein halbes Jahr für den Einsatz der dort stationierten fliegenden Waffensysteme verantwortlich und habe auch dort regelmäßig mit den Soldatinnen und Soldaten über die Grundlagen und Ziele unseres Einsatzes gesprochen. In all diesen Jahren wurde aber niemals dievölkerrechtliche Legitimationdieser Einsätze infrage gestellt - denn das Vertrauen in die Institutionen, in das Parlament, die Verantwortlichen im Bundesministerium der Verteidigung und in der Hierarchie der Truppenführung war die Grundfeste für alles. "Es gibt immer noch weitere Akte, mit denen Putin die letzten Reste derrussischen Öffentlichkeit, selbst außerhalb des Landes, abtötet. Anna Narinskaya, Kuratorin des Brodsky-Museums, schildert die neueste Gemeinheit gegen die letzten verbliebenen Dissidenten: "Am 4. August hat Präsident Putin ein Gesetz unterzeichnet, das Emigranten, die die Politik Russlands öffentlich verurteilen,als Staatsbürger vernichtet. Ihre Bankkonten werden gesperrt, Immobilientransaktionen sind ihnen ebenso untersagt wie konsularische Dienstleistungen. Dies geschieht 'automatisch', ohne Gerichtsverfahren (solche Verfahren waren freilich früher schon eine Farce). Kurz zuvor hatte die Staatsduma das Gesetz verabschiedet. Bei der Gelegenheit nannte der Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin das Gesetz einen Akt gegen 'Degenerierte und Vaterlandsverräter'. ""Derweil ist dieZeit der FPV-Drohnen('first person view') angebrochen", schreibt der Charkiwer AutorSergei Gerasimowin seiner NZZ-Kolumne, denn längst würden die Stadt und ihre Bürger nicht mehr nur mit Marschflugkörpern oder Artillerie beschossen. "Heute wird etwa die Hälfte aller Angriffe auf unsere Stadt mit ihnen durchgeführt. . . FPV-Drohnen - die in der Lage sind, ein einzelnes Auto zu verfolgen oder eine Einzelperson zu jagen - markieren einen Wandel von der allgemeinen Massenvernichtung hin zumindividualisierten Mord. Sie stellen eine ganz neue Bedrohung dar. (. . . ) Nicht alle Drohnen machen sich mit einem Summen bemerkbar. Es gibt auch 'Lauerdrohnen'. Auf vier dünnen Aluminiumbeinen ruhend und die Straße durch ein Kameraauge beobachtend, sitzen sielautlos im Hinterhalt- unter einem Busch, hinter einer Gebäudeecke oder bei einem Müllcontainer. Sobald sie ein Ziel ausgemacht haben, schlagen sie zu. Gerne gehen sie zusammen mit herkömmlichen FPV-Drohnen vor: Eine Drohne trifft ein Ziel, ein Polizeiauto rückt zur Abklärung der Lage an, und dann schlägt die Lauerdrohne zu. "WissenschaftDer FallJason Ardayist eine Illustration dafür, wie Institutionen funktionieren. Viele wussten davon, dass Arday dubiose Referenzen hatte, aber man bewahrte ein höfliches Schweigen. Der einzige, der es wagte, die Gerüchte über Ardays Plagiate zu verifizieren, Nathan Cofnas, wurde gleich, etwa von derNew York Times, des Rechtsradikalismus beschuldigt, schreibt Andrew Hammel inQuillette. Aber um die Verstöße herauszufinden "musste Ardays Dissertation nur durch einen Online-Plagiatsprüfer namens 'Copyleaks' laufen. Diese fünfminütige Aufgabe scheint nicht nur Ardays Doktorvater überfordert zu haben, sondern auchHunderte von Wissenschaftlern, die seit 2015 mit ihm zusammengearbeitet, ihn unterstützt, empfohlen oder ihm akademische Grade und Auszeichnungen verliehen haben. Vielleicht sind einigen von ihnen die falsch gesetzte Apostrophs und das eklatante Plagiat tatsächlich aufgefallen, dochihnen fehlte der Mut, sich zu Wort zu melden. So viel zur akademischen Integrität desNonplusultra der Hochschulbildung. Cofnas' Vorgehen erfordertebeträchtlichen Mut. Er widersetzte sich nicht nur dem gesamten britischen Bildungsestablishment, sondern zog sich damit auch die feindselige Aufmerksamkeit von Londoner Anwälten und vielleicht sogar der Polizei zu. Seine Entscheidung, Arday den Stecker zu ziehen, hat Hunderte seiner akademischen Kollegen gedemütigt. Dennoch wird in einem Großteil der Berichterstattung über die Arday-Affäre Cofnas' Beitrag entweder ignoriert oder er wird als Rassist diffamiert. "John McWhortergehört zu den schwarzen Intellektuellen in Amerika, die skeptisch gegenüber Antidiskriminierungsprogrammen sind. Für ihn ist der Fall Arday ein Beleg für den "Rassismus niedriger Erwartungen" - mit fatalen Folgen, wie er imCity-Journaldarlegt: "Wenn ehrgeizige junge schwarze Studierende sich zu Menschen wie Arday hingezogen fühlen, lernen sie, dass für schwarze Wissenschaftler ihre Hautfarbe wichtiger ist als der Inhalt dessen, was sie zu sagen haben. Leider verstärken weiße Kollegen dies noch, indem sie schwarze Wissenschaftler auf Konferenzen und bei der Einstellung genau darin bestätigen. . . Arday wurde für sein egozentrisches, unkonzentriertes und uninformiertes Geschwätz als brillant angesehen - und sein Rücktrittsschreiben lässt keinerlei Bewusstsein erkennen, dass daran etwas falsch war. Studenten, denen die Überzeugung eingetrichtert wurde, dass nicht harte geistige Arbeit, sondernihre Hautfarbe sie bedeutendmacht, lernen nicht, wie man präzise und klar argumentiert. Und wieder sorgen weiße Wissenschaftler dafür, dass sie das auch nie müssen. "DigitalisierungKI-Konzerne fressen bekanntlichalte Bücher, um sich deren Wissen einzuverleiben. Sie kaufen sie bei positiv überraschten Antiquariaten, schneiden den Büchern den Rücken ab, jagen die losen Seiten durch den Scanner und vernichten sie. "Destruktives Scannen" ist das hübsche Schlagwort. Nach deutschem Recht könnte es illegal sein, schreibt Eva Goldbach in derFAZ: "In Deutschland gilt das Urheberrecht auch beim Scannen eines gedruckten Buchs. Der Scan stellteine Vervielfältigungdar. Selbst Sicherungskopien sind nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Gemäß der KI-Verordnung der Europäischen Union müssen KI-Anbieter das europäische Urheberrecht beachten und transparent darlegen, wie sie ihre KI-Modelle 'trainieren'. In den USA machen Firmen Gebrauch vom 'Fair Use'-Prinzip des amerikanischen Urheberrechts. Dieses Prinzip gerät an seine Grenzen, wenn nicht mehr nachvollziehbar ist, wer ein Buch zu welchem Zweck gescannt hat und ob eine digitale Kopie verwendet wurde. "KulturmarktGedruckte Büchersind - außer es geht um "destruktives Scannen" - nicht mehr so en vogue. AberHörbücherboomen. Ja, das beinhaltet auch eineKomplexitätsreduktion, erläutert der LiteraturwissenschaftlerGünther Stockerim Gespräch mit Barbara Vorsamer von derSZ: "Ein schwedischer Kollege, Karl Berglund, hat dazu eine große Studie gemacht. Er verglich die Bestsellerlisten von Hörbüchern und gedruckten Büchern in Schweden - und sie überschnitten sich kaum. Nicht mal ein Viertel war identisch. Die Hörbuch-Bestseller hatten kürzere Texte,mehr direkte Rede, mehr Dialoge,sehr handlungsgetrieben. Die gedruckten Bestseller waren dagegen lexikalisch vielfältiger, syntaktisch komplexer, mit längeren Sätzen und komplexen Satzgefügen. Unsere Fokusgruppen-Interviews bestätigen das. Anspruchsvolle Literatur wird nicht so gerne gehört. " Allzu einfach darf man es sich aber nicht machen, so Stocker, denn wer viele Hörbücher hört, liest in der Regel auch viel. PolitikDie japanische Premierministerin Sanae Takaichi hat einige schikanöseMaßnahmen gegen Ausländerin Japan erlassen, berichtet David Pfeifer in derSZ. Dabei gibt es da kaum welche, und dasschrumpfende Japanbraucht sie dringend. Die Maßnahmen treffen alle Ausländer, aber die Frage sei, "ob sie den Ochsen schlagen will, aber den Esel trifft. Denn die Japanerinnen und Japaner sorgen sich vor allem um dieEinwanderung aus China, das in den vergangenen Jahren von einem großen zu einem mächtigen und sehr reichen Nachbarn gewachsen ist. Das nicht ganz unbegründete Vorurteil in Japan lautet, dass die Chinesen in immer größerer Zahl einwandern, weil der Yen derzeit historisch niedrig steht. Sie kaufengünstige Immobilien, die wertbeständiger sein dürften als zu Hause. Sie bauen ein Geschäft auf, wo sie wiederum nur andere Chinesen beschäftigen, sie bleiben unter sich und scheren sich nicht um dieSitten und Gebräuchein Japan, von denen es sehr viele gibt. "GesellschaftBestellen Sie bei eichendorff21!Trotz des in Teilen Europasextremen Sommersund der Waldbrände, will sich der britische Historiker PeterFrankopan, Autor einerWeltgeschichtedes Klimas, nicht in apokalyptische Stimmung bringen lassen. Im Gespräch mit Mchael Hesse von derFRrät er zur Stiff Upper Lipp: "Heute leben mehr Menschen auf der Erde als jemals zuvor. In vielen Teilen der Welt sindGesundheit und Lebenserwartungbesser als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt. Dass wir dieses Gespräch über eine große Entfernung führen können, zeigt ebenfalls, wozu Menschen technisch in der Lage sind. Von religiösen Prophezeiungen bis zu modernen Warnungen vor einer Bevölkerungskatastrophe ist der Untergang immer wieder angekündigt worden. Doch die Menschen sindaußerordentlich erfinderischund sehr gut darin, Lösungen für Probleme zu finden. Das garantiert nicht, dass wir jedes Problem bewältigen werden. Aber ich glaube nicht, dass die Katastrophe unvermeidlich ist. "