Belgien gegen USA: WM-Streit landet vor Gericht
Die Aufhebung der Balogun Sperre durch die Fifa bringt Aufregung: Verbände protestieren, politische Einflussnahme steht im Raum. Wie es dazu kam und welche Folgen das hat, liest du in unserem Artikel.

Eine aufgehobene Sperre, kein Grund, ein Anruf aus dem Weißen Haus – Belgien kämpft vor dem WM-Achtelfinale nicht nur auf dem Platz. Der belgische Fußballverband hat angekündigt, gegen die überraschende Aufhebung der Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun Einspruch einzulegen. Die Entscheidung der Fifa, die noch vor dem WM-Duell mit den USA gefallen war, stieß beim Verband auf scharfe Kritik – und das aus einem schlichten Grund: Man habe „nicht die geringste Erklärung“ für den Schritt erhalten und sehe sich daher gezwungen, „keine andere Möglichkeit, als die Einsatzberechtigung des Spielers für das nächste Spiel anzufechten“, wie der Verband am Montag mitteilte. Die Entscheidung des Weltverbands hat inzwischen international für Empörung gesorgt. Balogun ist mit drei Turniertreffern dertreffsicherste Angreifer der US-Mannschaftbei dieser Weltmeisterschaft. Im Sechzehntelfinale hatte er die rote Karte gesehen – eine Sperre für das Achtelfinale gegen Belgien schien damit unausweichlich. Doch am Sonntag hob die Fifa die Sanktion ohne jede Begründung auf, sodass Balogun in der Nacht zum Dienstag auf dem Platz stehen darf. Die Fifa begründete die Aussetzung der Sperre offiziell mitArtikel 27 ihres Disziplinarreglements, wonach eine Sperre unter bestimmten Bedingungen für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Laut Turnierreglement sieht Artikel 10. 5 nach einer roten Karte grundsätzlich eine automatische Sperre von mindestens einem Spiel vor– die Anwendung der Bewährungsregelung stellt daher eine seltene Ausnahme dar. Politischer Druck?Dass hinter dieser Kehrtwendepolitischer Druckstecken könnte, legen zwei mit dem Vorgang vertraute Quellen nahe, die der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag bestätigten,US-Präsident Donald Trump habeFifa-Chef Gianni Infantinopersönlich angerufen und um eine Überprüfung der Sperre gebeten. Bereits zuvor hatte US-Außenminister Marco Rubio in einem als höchst ungewöhnlich geltenden Schritt öffentlich die Aufhebung der Sanktion gefordert. Der belgische Verband beklagte darüber hinaus, von der Fifa in keiner Weise über die Hintergründe der Entscheidung informiert worden zu sein. In einer Verbandssitzung zur Spielvorbereitung sei ein Tagesordnungspunkt zu gesperrten Spielern – bislang fester Bestandteil jedes solchen Treffens – kommentarlos gestrichen worden, ohne dass dafür eine Erklärung geliefert worden wäre.