Billig-Benzin sorgt für Rätsel in den USA: „Danke Trump”
Eine neue Tankstellenkette verkauft Benzin deutlich unter Marktpreis – und wird öffentlich von Donald Trump beworben. Doch wer hinter „Freedom Fuel“ steckt und wie die niedrigen Preise finanziert werden, ist unklar.
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Eine neue Tankstellenkette verkauft Benzin deutlich unter Marktpreis – und wird öffentlich von Donald Trump beworben. Doch wer hinter „Freedom Fuel“ steckt und wie die niedrigen Preise finanziert werden, ist unklar. Es war ein Anblick, den viele Autofahrer seit Monaten vermisst hatten: Mit einem Benzinpreis von 3,47 US-Dollar pro Gallone sorgte eine eigentlich unscheinbare Tankstelle in Bristol (Pennsylvania) diese Woche für Aufsehen und lange Schlangen an den Zapfsäulen. Die frühere Valero-Tankstelle ist eine von 25 Standorten im Großraum Philadelphia, die inzwischen unter der Marke „Freedom Fuel“ (deutsch: „Freiheitstreibstoff“) betrieben werden. US-Präsident Donald Trumpund das Weiße Haus haben die Tankstellenkette öffentlich beworben. Unklar ist jedoch, wem das Unternehmen gehört – und warum es Kraftstoff zu Preisen verkauft, die mindestens 50 Cent pro Gallone unter denen der Konkurrenz liegen. „Sie tun das, weil sie die USA lieben“, schrieb Trump am 1. Juli in den sozialen Medien über die Tankstellen und lobte einen „SEHR klugen Einzelhändler mit Standorten im gesamten Nordosten“. „Ist mir egal, wer dahintersteckt“Für viele Kunden an der Freedom-Fuel-Tankstelle in Bristol, rund 30 Kilometer vom Zentrum Philadelphias entfernt, spielten diese Fragen jedoch keine Rolle. Entscheidend für den Lieferwagenfahrer Jerrod White war, dass er seinen Tank nun für 75 Dollar statt der etwa 100 Dollar füllen konnte, die er seit Trumps Krieg gegen den Iran im Februar gewohnt war. „Es wurde auch Zeit, dass mal jemand etwas dagegen unternimmt“, sagte der 46-jährige White, während er tankte. „Es ist mir eigentlich egal, wer dahintersteckt, solange jemand versucht, etwas zu verändern. “ANZEIGEANZEIGEAm Dienstag veröffentlichte das Weiße Haus ein Video von einer Freedom-Fuel-Tankstelle in Philadelphia, in dem Kunden Trump ihre Unterstützung aussprechen. Darin bezeichnete ein Sprecher den Preis von 3,47 Dollar als Symbol „für unseren 47. Präsidenten“. Ein Mann, der auf dem Weg zur Jersey Shore war, schwenkte ein Bündel Bargeld und sagte: „Danke, Trump, dass Sie mir Geld sparen. “Landesweiter Durchschnittspreis bei 3,88 Dollar pro GalloneDas Video und der Social-Media-Beitrag des Weißen Hauses erschienen zu einem Zeitpunkt, als sich die Vereinigten Staaten und der Iran gegenseitig angriffen und die Benzinpreise erneut zu steigen begannen. Laut der American Automobile Association (AAA) lag der landesweite Durchschnittspreis am Freitag bei 3,88 Dollar pro Gallone, gegenüber 3,82 Dollar eine Woche zuvor. In Pennsylvania betrug der Durchschnittspreis 3,99 Dollar. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte jedoch, die Trump-Regierung sei an der Aktion nicht beteiligt und habe sie lediglich öffentlich gelobt. „Die Regierung ist weder an dem Unternehmen beteiligt noch hat sie ihm finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Es gibt keine andere Organisation oder Person, die die niedrigeren Benzinpreise subventioniert“, hieß es in einer Erklärung. „Das Unternehmen verzichtet lediglich auf einen Teil seiner Gewinnspanne, um Kraftstoff für Autofahrer in Philadelphia und New Jersey erschwinglicher zu machen. Dieser Händler geht mit gutem Beispiel voran – andere sollten folgen. “Überwiegend kleinere BetriebeJeff Lenard, Sprecher der National Association of Convenience Stores, deren Mitglieder einen Großteil des in den USA verkauften Kraftstoffs vertreiben, sagt, ein Preis von 3,47 Dollar pro Gallone sei auf Dauer nicht tragbar. Laut Lenard liegt allein der Großhandelspreis für Kraftstoff in der Region Philadelphia bereits bei mehr als 3 Dollar pro Gallone. Hinzu kämen Bundes- und Landessteuern sowie Kosten für Lieferung, Betrieb und Kreditkartengebühren. Symbolbild: Eine Tankstelle in den USA. Trump bewirbt das sogenannte „Freedom Fuel”. IMAGO / imagebrokerLenard weist zudem darauf hin, dass es sich bei den Freedom-Fuel-Tankstellen offenbar überwiegend um kleinere Betriebe mit einem begrenzten Angebot an Lebensmitteln und anderen Waren handelt. Sie seien daher in besonderem Maße auf Einnahmen aus dem Kraftstoffverkauf angewiesen. „Ich sehe nicht, wie sie mit dem Verkauf von Benzin Geld verdienen können. Sie müssten ihre Einnahmen über andere Bereiche erzielen – etwa über den Shop, eine Waschanlage oder Ähnliches“, meint Lenard. „Die Frage, die sich alle stellen, lautet: Wer trägt die Verluste?“Der Slogan: „Hier beginnen Ihre Ersparnisse“Tom Kloza, Chef-Energieberater von Gulf Oil, erklärt, dass er zwar keine näheren Kenntnisse über das Geschäftsmodell von Freedom Fuel habe, derart günstige Preisaktionen jedoch in der Regel nur von kurzer Dauer seien. In den vergangenen Jahren habe der durchschnittliche Aufschlag bei etwa 40 Cent pro Gallone gelegen. Damit würden Kosten wie Versicherungen, Steuern, Kreditkartengebühren und Löhne gedeckt. „Gelegentlich erleben wir, dass Tankstellen Kraftstoff unter dem Einkaufspreis verkaufen – etwa zur Neueröffnung oder im Rahmen besonderer Feiertagsaktionen“, schrieb Kloza in einer E-Mail. „Doch solche Phasen dauern normalerweise Stunden und nicht Tage oder gar Wochen. “Am Freitagmorgen hatte die Freedom-Fuel-Tankstelle in Bristol den Preis nach Angaben der Benzinpreis-App GasBuddy bereits auf 3,57 Dollar pro Gallone angehoben. Aus öffentlichen Registern geht lediglich hervor, dass das „Freedom Fuel Network“ vor weniger als einem Monat als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (LLC) im Bundesstaat Delaware eingetragen wurde. Eine Website wurde am 13. Juni registriert, enthält jedoch außer einer Liste der Tankstellenstandorte, dem Slogan „Your savings begin here“ („Hier beginnen Ihre Ersparnisse“) und einem Kontaktformular keine weiteren Informationen. Eine am Donnerstag übermittelte Anfrage blieb unbeantwortet. Am 1. Juli beantragte das „Freedom Fuel Network“ außerdem den Markenschutz für sein Logo. Als zuständige Anwältin ist Anna Vishev eingetragen. Vishev, deren Kanzlei sich auf Staten Island im Bundesstaat New York befindet, erklärte per E-Mail, sie sei nicht befugt, Informationen über das Unternehmen weiterzugeben. Adler-Bilder als Bestätigung für Trump-VertrauenAn der Freedom-Fuel-Tankstelle am Bristol Pike, einer stark befahrenen Ausfallstraße in den Vororten Philadelphias, warteten die Kunden geduldig. Zeitweise standen sechs Fahrzeuge in der Schlange. Im Verkaufsraum kassierte der 24-jährige Sikander Kumar und wich Fragen zum Freedom Fuel Network aus. „Ich möchte nicht über Politik sprechen“, sagte er. „Es geht nur um günstiges Benzin und zufriedene Kunden. “ In Gesprächen über die günstigen Benzinpreise machten viele Autofahrer einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Präsident Trump, den Spritpreisen und ihrer politischen Überzeugung deutlich. James Limer, 79, ein pensionierter Gewerkschaftszimmermann aus Bristol, empfand die patriotisch in Rot, Weiß und Blau gestaltete Tankstelle mit Adlern und amerikanischen Flaggen als Bestätigung seines Vertrauens in Trump. „Trump tut Großartiges für die Wirtschaft“„Ich liebe es. Ich weiß, dass er die Preise senken wird. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn“, sagte er. Kevin Ogden, 35, Gleisarbeiter bei Amtrak aus Croydon in Pennsylvania, bezeichnete die Freedom-Fuel-Tankstellen als weiteres Beispiel für Trumps erfolgreiche Politik. „Trump tut Großartiges für die Wirtschaft und für die gesamten Vereinigten Staaten“, sagte Ogden, der den Schriftzug „Family Above Everything“ auf dem Schlüsselbein tätowiert hat. „Ich bin heute zum ersten Mal an einer Freedom-Fuel-Tankstelle, und sie ist großartig. Ich hoffe, dieses Konzept bleibt für immer bestehen. “Obwohl Ogden wusste,dass Trump Freedom Fuel öffentlich unterstützt hatte,erfuhren die meisten Befragten an den Tankstellen in Bristol und Philadelphia erst durch einen Reporter davon. Für einige trübte diese Information die Freude über die günstigen Preise. Zweifel an den niedrigen PreisenEdward Rogers, 71, ein pensionierter Chemieanlagenfahrer, der auf dem Heimweg zum Tanken gekommen war, bezweifelte, dass die von der Trump-Regierung beworbenen niedrigen Preise arbeitenden Menschen wie ihm langfristig helfen würden. „Wie lange werden diese niedrigen Preise überhaupt gelten? Warum hat Trump den Krieg mit dem Iran wieder angeheizt?“, fragte Rogers. „Er konnte das tun, weil er selbst nicht an der Tankstelle Schlange stehen muss. Er leidet nicht so wie der Durchschnittsbürger. “An einer weiteren Freedom-Fuel-Tankstelle im Nordosten Philadelphias, etwa 19 Kilometer entfernt, wusste die 23-jährige medizinische Fachangestellte Ani Zeytunyan ebenfalls nichts davon, dass Trump jenes Unternehmen öffentlich gelobt hatte, das die frühere Shell-Tankstelle in ihrer Nachbarschaft übernommen hatte. Dort kostete eine Gallone Benzin am Mittwochabend ebenfalls 3,57 Dollar. „Ich komme nicht wieder“Sie war mit einer Freundin gekommen, um E-Zigaretten und Benzin zu kaufen. Nachdem sie jedoch von Trumps Unterstützung erfahren hatte, erklärte sie, künftig lieber mehr für Benzin zu bezahlen als noch einmal dort zu tanken. „Ich unterstütze Trump und seine Entscheidungen nicht – auch nicht den Krieg mit dem Iran“, sagte Zeytunyan. „Ich komme nicht wieder. Irgendwie führt am Ende immer alles wieder zu Trump. “