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Chinas KI-Offensive: Wie Xi Jinping den USA Marktanteile abjagen will

Es war kein Zufall, dass genau am Freitag das chinesische Start-up Moonshot für einen Ausverkauf an den Börsen sorgte: Die Leistung des KI-Modells „Kimi K3“ sei vergleichbar mit den Produkten der. . .

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Chinas KI-Offensive: Wie Xi Jinping den USA Marktanteile abjagen will

Es war kein Zufall, dass genau am Freitag das chinesische Start-up Moonshot für einen Ausverkauf an den Börsen sorgte: Die Leistung des KI-Modells „Kimi K3“ sei vergleichbar mit den Produkten der US-Konkurrenten Anthropic und OpenAI, behauptet Moonshot. Zur gleichen Zeit, in pompöser Inszenierung, lobte Chinas StaatschefXi Jinpingbei der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai die Open-Source-Modelle chinesischer Firmen. Sie ermöglichten eine „seltene historische Chance“, die Technologie zu nutzen. China will die Dominanz der USA bei künstlicher Intelligenz brechen und setzt dabei auf eine spezielle Strategie. Die Frage ist: Sollte Europa mehr auf chinesische Modelle setzen?Erstmals seit Bestehen der KI-Konferenz hatte Xi am Freitag die Eröffnungsrede gehalten – unter anderem im Beisein vonUN-GeneralsekretärAntónio Guterresund politischen Vertretern aus Indonesien, Brasilien, Thailand oder Pakistan. Darin warnte er vor „neuen historischen Ungerechtigkeiten“ durch den ungleichen ‌Zugang zu Künstlicher Intelligenz. Sein Vortrag war eine Fortsetzung dessen, was Chinas Staatsmedien in den vergangenen Tagen bereits propagiert hatten: China wolle im Gegensatz zu den USA keinen „Eisernen Vorhang für KI“ aufbauen. Es wolle „eine neue Ordnung“ schaffen, hieß es etwa in einem Kommentar eines dem StaatssenderCCTVnahestehenden Social-Media-Accounts, indem es „die Kräfte der gesamten Menschheit und aller Staaten bündelt, um ein offenes KI-Ökosystem aufzubauen, das sämtliche Aspekte der künstlichen Intelligenz umfasst. “Das chinesische Start-up Moonshot veröffentlichte nach eigenen Angaben das größte Open-Weight-Sprachmodell, Kimi K3. Reuters / Go NakamuraZugang zu günstigen KI-ModellenDoch hinter diesem politischen Narrativ steckt technologische Notwendigkeit: Die US-Exportkontrollen auf fortschrittliche Chips bremsen Chinas Möglichkeiten bei der Entwicklung von leistungsstarken KI-Modellen ein. Chinesische Firmen setzen daher auf sogenannte Open-Weight-Modelle. Sie ermöglichen es Nutzern, zugrunde liegende KI-Systeme herunterzuladen, selbst anzuwenden und individuell anzupassen. Anders als bei offenen Open-Source-Modellen bleiben Quellcode und andere Daten oft vertraulich. »China ist richtig gut darin, die optimale Rechenleistung aus den Chips, zu denen es Zugang hat, und die es selbst baut, herauszuholen. «Tim RühligEuropean Union Institute for Security Studies„China ist richtig gut darin, die optimale Rechenleistung aus den Chips, zu denen es Zugang hat, und die es selbst baut, herauszuholen“, sagt Tim Rühlig vom European Union Institute for Security Studies (EUISS) der „Presse“. Peking sieht im Open-Weight-Ansatz Vorteile: „China will einen günstigen Zugang zu KI-Modellen schaffen. Die Hoffnung ist, dass die eigene KI über die Vielzahl der globalen Nutzer, die diese Modelle weiterschreiben und weiterentwickeln können, verbessert wird. “Langfristig will China die Dominanz der USA bei Künstlicher Intelligenz brechen. Alicia García-Herrero vom Brüsseler Thinktank Bruegel hebt Pekings geoökonomisches Kalkül hervor. „KI könnte die USA in Zukunft zu einem großen Nettoexporteur digitaler Dienstleistungen machen. Hier lässt sich viel Geld verdienen. China will diese Entwicklung nicht verpassen. “Wie China versucht, die USA bei KI-Modellen zu unterbietenUm dieses Ziel zu erreichen, setze Peking wie in anderen Industrien auf staatliche Subventionen, sagt García-Herrero: Das beliebte Modell DeepSeek wird mit Ascend-Mikrochips des Tech-GigantenHuaweibetrieben. Diese verbrauchen viermal so viel Energie wie vergleichbare Chips des US-DesignersNvidia. Dass die KP-Führung Unternehmen mit reichlich günstiger Energie versorgen kann, gilt als einer der größten Wettbewerbsvorteile für die chinesische KI-Industrie. »China betreibt Dumping digitaler Dienstleistungen. «Alicia García-HerreroBruegel„Eigentlich ist DeepSeek nicht einmal günstiger“, sagt die Ökonomin. „China versucht, die USA bei KI-Modellen zu unterbieten, indem es Preise künstlich senkt. Ich würde das als Dumping digitaler Dienstleistungen bezeichnen. “Immer öfter setzen Firmen weltweit auf preiswerte Modelle aus China, um Kosten zu senken. Gemäß der Plattform Openrouter, eine Art Vermittler für KI-Modelle, haben Chinesen US-Rivalen beim Token-Verbrauch überholt. KI-Firmen berechnen ihre Preise meist pro Token, das sind die Text- oder Zeicheneinheiten, die ein Sprachmodell verarbeitet. Selbst in den USA erreichten chinesische Dienstleister demnach Höchstwerte: Der Anteil an chinesischen Tokens stieg in den vergangenen Wochen auf bis zu 46 Prozent. US-Exportbann verdeutlichte Europas AbhängigkeitenIn Europa war zuletzt eine Debatte ausgebrochen, ob Chinas offene Modelle langfristig als Alternative zu leistungsstarken US-Sprachmodellen dienen können. Denn, dass die RegierungDonald Trumpim Juni eine Exportsperre auf die neuesten KI-Modelle von Anthropic verhängte, verdeutlichte Europas Verwundbarkeit durch die Abhängigkeiten von den USA bei der Zukunftstechnologie. Da scheint selbst das Argument in den Hintergrund zu rücken, dass chinesische KI-Modelle die ideologische Linie der autoritären Führung verstärken und heikle Themen zensieren. Experten kritisieren zudem Mängel bei Privatsphäre, Datenschutz und Transparenz. Mehr dazuWie Europa KI aus USA und China ausbalancieren kannAngesichts der Bedeutung von KI für Europas Wirtschaftsentwicklung warnt García-Herrero davor, Sicherheitsbedenken und politische Beweggründe in den Vordergrund zu stellen. Sie geht davon aus, dass künftig in strategisch wichtigen und staatlichen Bereichen europäische Modelle, wie das französische Mistral, zum Einsatz kommen werden. Europa sei aber nicht in der Lage, leistungsstarke Modelle für den gesamten Privatsektor zu entwickeln. Schon jetzt sei ein Trend erkennbar: Für den ersten Aufbau eines Modells nutzen europäische Firmen US-Anbieter, für das Training das weitaus günstigere Deepseek. Europa muss Marktmacht einsetzen„Europas Widerstandsfähigkeit hängt nicht allein davon ab, fortgeschrittene Modelle zu entwickeln“, sagt García-Herrero. Die EU müsse ihre Marktmacht einsetzen. „Europa muss Unternehmen vorschreiben können, welche Bedingungen sie erfüllen müssen, wenn sie ihre digitalen Dienste hier anbieten. Für weniger anspruchsvolle Anwendungen könnten wir unsere eigenen Modelle einsetzen. “Xi Jinping wirbt um Globalen SüdenBei der KI-Konferenz richtete sich Xi aber weniger an Europa, sondern positionierte China vor allem für Länder des Globalen Südens als Vorreiter bei KI-Entwicklungen. Dazu ließ er eine eigene Institution gründen: Die World AI Cooperation Organisation. Sie sei „ein Meilenstein in der Geschichte der KI-Entwicklung“ und eine Reaktion auf die Forderung der Entwicklungsländer nach größerer Teilhabe, sagte der KP-Chef. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei der Eröffnungsrede der KI-Konferenz. Seine Regierung gründete eine neue Organisation, die World AI Cooperation Organisation. APA / AFP / Greg BakerRühlig vermutet dahinter eine weitere Maßnahme, um die Position chinesischer Dienstleister zu stärken. Dass Xi Ausbildungsmöglichkeiten für Vertreter des Globalen Südens und die Schaffung von KI-Standards ankündigte, könnte ein Versuch sein, chinesische Anwendungen und Modelle noch weiter zu verbreiten.

Quelle: DiePresse.com

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