CXMT-Speicher in Notebooks von HP, Asus und Acer — nur nicht in den USA
Rund 400 Prozent Aufschlag in zwölf Monaten — so weit hat die Speicherknappheit den RAM-Markt inzwischen getrieben. Jetzt zeigt sich, wie weit die PC-Hersteller im Gegenzug zu gehen bereit sind: HP, Asus und. . .

Rund 400 Prozent Aufschlag in zwölf Monaten — so weit hat die Speicherknappheit den RAM-Markt inzwischen getrieben. Jetzt zeigt sich, wie weit die PC-Hersteller im Gegenzug zu gehen bereit sind: HP, Asus und Acer verbauen laut einem Bericht vonNikkei AsiaArbeitsspeicher des chinesischen Herstellers CXMT in Serien-Notebooks. In kleinen Stückzahlen, in wenigen Modellen — und ausdrücklich nicht in Geräten für den US-Markt. Erst qualifiziert, jetzt verbautNeu ist daran nicht die Idee, sondern der Vollzug. Dass die großen PC-Bauer chinesischen Speicher prüfen, lief schon im Februar durch die Fachpresse. Inzwischen haben laut Nikkei „viele“ der großen Hersteller die Qualifizierung von CXMT-Speicher abgeschlossen und mit dem Einsatz in Notebooks begonnen — nach Darstellung der Quellen eine „sehr begrenzte“ Zahl von Chips in einer ebenso überschaubaren Zahl von Modellen. Aufschlussreich ist dabei, wer fehlt. Im Februar hieß es noch, HP und Dell ließen CXMT-Speicher qualifizieren, während Acer und Asus ihre chinesischen Fertigungspartner baten, lokal einzukaufen. Heute stehen HP, Asus und Acer auf der Liste — Dell nicht. Offiziell bestätigt hat das keiner der drei. HP und Asus wollten sich auf Anfrage nicht äußern; Acer erklärte, man nenne grundsätzlich keine Zulieferer, arbeite aber mit mehreren Herstellern zusammen, um die eigene Lieferkette widerstandsfähiger zu machen. Ein Dementi ist das nicht. Dass die betroffenen Modelle nicht in den USA verkauft werden sollen, hat einen naheliegenden Grund: CXMT steht auf der Liste des Pentagons mit mutmaßlich militärnahen chinesischen Unternehmen. Um genau diese Freigabewirbt Apple in Washington seit Monaten— bislang ohne Ergebnis. Der Haken: billiger ist der China-Speicher nichtDie naheliegende Erwartung wäre, dass hier jemand Kosten drücken will. Genau das gibt der Bericht nicht her. Eine der Nikkei-Quellen sagt über CXMT-Speicher, er sei „definitiv nicht günstiger als der von Samsung“. Es geht also nicht um den Preis, sondern um die schiere Verfügbarkeit — darum, überhaupt genug Notebooks bauen zu können. Diese Rechnung ist damit zum zweiten Mal geplatzt. Schon Ende Juli war aufgefallen, dass CXMT fürseine DDR5-Servermodule mehr verlangt als Samsung. Wer gehofft hatte, ein vierter Anbieter neben Micron, Samsung und SK hynix würde den Markt entspannen, bekommt vorerst nur mehr Menge zum gleichen Preis. Und selbst die ist begrenzt: CXMT bedient bevorzugt Kundschaft im eigenen Land, allen voran Huawei, und steckt sein Investitionsgeld nach eigenen Angaben in klassische DRAM-Linien statt in den margenstarken KI-Speicher HBM. Neben LPDDR5X führt CXMT auch DDR5 im Programm — die Serverversion davon kostet inzwischen mehr als bei Samsung. Bild: CXMTVorsichtig aus zwei RichtungenDie Zurückhaltung der Hersteller hat einen zweiten Grund, der in den Berichten fast beiläufig steht: Man will die etablierten Lieferanten nicht verärgern. Micron, Samsung und SK hynix decken weiterhin den Löwenanteil des Bedarfs, und wer in einem knappen Markt seine Hauptquelle brüskiert, steht am Ende schlechter da als vorher. Eine Quelle bringt es auf den Punkt: „Wir wagen es derzeit nicht, zu viel bei CXMT zu beziehen. “Für Käufer hierzulande ist der interessante Teil die Formulierung „nicht für den US-Markt“. Nicht-US-Markt heißt eben auch: Europa. Wer sich in den nächsten Monaten ein Einsteiger- oder Mittelklasse-Notebook kauft, kann chinesischen Speicher an Bord haben, ohne es zu erfahren — auf dem Datenblatt steht „16 GB LPDDR5X“, der Chiphersteller steht dort grundsätzlich nicht. Mir ist in über zwanzig Jahren Beschaffung noch kein Geräteangebot untergekommen, das den DRAM-Lieferanten ausgewiesen hätte; bei SSDs und Displays ist der stille Wechsel zwischen Zulieferern ohnehin gängige Praxis. Nikkei liest den Vorgang als Beleg dafür, dass der Markt einen vierten großen Anbieter braucht. Das trifft die Lage, beschreibt aber auch ihre Grenze: Ein vierter Anbieter, der zum selben Preis liefert und die halbe Welt beliefern darf, entlastet die Beschaffung — den Preiszettel entlastet er nicht. Technisch ist das kein Drama. CXMT-Speicher gilt für Einsteiger- und Mittelklasse-Geräte als konkurrenzfähig und liegt vor allem bei Tempo und Energieeffizienz hinter den neuesten Bausteinen von Samsung und SK hynix zurück — in der Klasse von Notebooks, um die es hier geht, fällt das kaum ins Gewicht. Bemerkenswert ist etwas anderes: Der Sanktionsdruck hat CXMT nicht aus der Lieferkette gehalten, sondern nur aus dem amerikanischen Teil davon. Genau das dürfte in Washington als Argument gelesen werden — und zwar nicht als beruhigendes.