«Dank Fussball WM holen die USA Goodwill zurück»
Schweizer Fans der Travelclub Reisegruppe. TRAVEL INSIDE Autor Peter Spring mit Murat Yakin. Dieser Bericht für TRAVEL INSIDE über die Fussball-WM soll nicht den sportlichen Gehalt der 23. Ausgabedieses. . .

Schweizer Fans der Travelclub Reisegruppe. TRAVEL INSIDE Autor Peter Spring mit Murat Yakin. Dieser Bericht für TRAVEL INSIDE über die Fussball-WM soll nicht den sportlichen Gehalt der 23. Ausgabedieses FIFA-Turnieres würdigen, sondern auf die touristischen Erfahrungen in denGastgeberländern eingehen. Als Reiseleiter für Travelclub konnte Peter Spring – ehemaliger CEO Hotelplan Suisse, CCO Edelweiss Air, Reiseleiter Esco Reisen und Sportreporter Schweizer Radio DRS – ab dem 2. Spiel in Los Angeles bis zum Ausscheiden der Schweiz in Kansas City die Fans betreuen und in einer späteren Phase bei den Freunden und Familien des Teams unterstützen. Mit diesen Aufgaben verbrachte er einen Monat in den USA und Kanada und besuchte die Städte Los Angeles, Santa Monica, San Diego, Vancouver und Kansas City. Die Fussball-WM 2026 gehört der Vergangenheit an. Das XXL-Turnier hat unzählige Rekorde gebrochen und mit Spanien verdientermassen den Europa- auch zum Weltmeister gekürt. Die Schweiz hat ihr erklärtes Ziel – die beste WM aller Zeiten – erreicht. Nach 90 Minuten gewann sie dreimal und spielte dreimal Unentschieden. Eine mögliche Ursache für das Ausscheiden in den Viertelfinals wird in die Schweizer Fussballgeschichte eingehen. Trotzdem ist es beachtlich, dass das kleine Fussball Land Schweiz die Runde der letzten Acht erreicht hatte, während andere grosse Fussballnationen sich gar nicht erst qualifiziert oder viel früher die Heimreise angetreten haben. 1von 22Meine Vorfreude auf derartige Reisen war schon grösser. Auch ich gehörte zu den Skeptikern, welche insbesondere die USA nicht zuoberst auf der To-do-Liste geführt und den aktuellen Zustand der einstigen Traumdestination eher kritisch beurteilt hatten. Mit einer positiven Grundeinstellung würde es aber schon gut kommen. Schon vor vier Jahren durfte ich in Katar ein fantastisches Turnier miterleben, obwohl das Land bis heute nicht aus den negativen Schlagzeilen der westlichen Medienwelt hinausgekommen ist. Es funktioniert nicht jedes Land gleich wie es unseren eigenen Vorstellungen entsprechen müsste. Alle Flüge funktionierten reibungs- und verspätungslosAlle meine Flüge, International und Domestic, funktionierten reibungslos und praktisch ohne jegliche Verspätungen. Die Ein- und Ausreisen erfolgten rasch und unkompliziert, die gehegten Befürchtungen über schikanöse Kontrollen und lange Wartezeiten sollten sich als unbegründet herausstellen. Die erste Destination Santa Monica liess bei mir ein gutes Feeling für die Destination USA aufkommen. Mit Spaziergängen am Strand mit den unzähligen Bars und Restaurants habe ich meine ursprünglichen Bedenken schon einmal zur Seite geschoben. Fahrerloses Waymu Taxi. Als ich mit einem fahrerlosen Waymo-Taxi zurück in das Hotel gefahren war, wusste ich, dass ich in einer anderen, digital weit fortgeschritteneren Welt angekommen war. Bargeld brauchte ich keines, weniger digital affine Besucher können bei Buchungen, Reservationen, in den Stadien und an den Flughäfen an ihre Grenzen stossen – oder ihren Reiseleiter belangen. Der Ausflug nach Hollywood weckte in mir alte Erinnerungen. Dort scheint die Welt stillgestanden zu sein, es sah alles noch gleich aus wie anlässlich meines letzten Besuches vor mehr als 20 Jahren. Ein besonderes Erlebnis war auch der Besuch eines Baseball-Spieles der Los Angeles Dodgers. Zwar kann mich die Sportart weiterhin überhaupt nicht begeistern. Aber es wurde mir klar, dass diese amerikanischen Sportevents eigentlich eher der Kultur zugeordnet werden sollten. Die Dodgers spielen 180 Partien pro Saison, in vollen Stadien als Treffpunkt der Gesellschaft mit riesigen Autoparkplätzen, grossen Bier, Burgers, Hotdogs, Ketchup und Mayonnaise. Kaum WM-Stimmung in KalifornienFussball- oder WM-Stimmung war in Kalifornien kaum auszumachen. Ausser im Stadion selbst. Das SoFi Stadion ist der modernste und eindrücklichste Fussballtempel, welchen ich je besucht habe. Ausverkauft auch beim Spiel Schweiz – Bosnien/Herzegowina und dies bei horrenden Ticketpreisen. Die spielfreien Tage zwischen dem zweiten und dritten Gruppenspiel wurden mit Abstechern nach Las Vegas oder San Diego überbrückt. Meine Reisegruppe San Diego besuchte ein Jubiläum der dort lebenden Auslandschweizer welches mit einem Schwingfest gefeiert wurde und kam in den Genuss von Bratwurst und Rösti. Besuch der Nati in San Diego. Die Einladung von SFV-VerbandspräsidentPeter Knäbelin das Teamhotel gehörte zu den Höhepunkten des Abstechers an die Grenze zu Mexiko und liess auch eine persönliche Begegnung mit Nati-Spielern zu. Kansas City, eine Stadt im Mittleren Westen, welche zu den Staaten Missouri und Kansas gehört, nennt sich selbst Fussball-Hauptstadt der USA. Dies war auch spürbar. Allerdings wurde das Bild nicht von Kansas-CoachRaphael Wicky, sondern von der blauweissen Nummer 10 geprägt. Die Freundlichkeit der Einheimischen und die Präsenz der vielen Argentinien-Fans werden mir im Zusammenhang mit Kansas mehr in Erinnerung bleiben als die wenigen Sehenswürdigkeiten wie der alte Bahnhof oder das Kriegsmuseum aus dem 1. Weltkrieg. Die Abende waren mit den vielen Musiklokalen sehr stimmungsvoll und das Barbecue im Q39 zählte zu den kulinarischen Höhepunkten der ganzen Reise. Auch in Kansas ist alles XXL, ein Burger, ein Hot-Dog, ein 7 dl-Bier (kleiner gibt es nicht) und ein Wasser kosteten im Stadion $113. 80. Vancouver in der Grösse überschaubarSchweiz gegen Kanada in Vancouver. Der Spielplan nach dem Gruppensieg der Schweiz erforderte einen längeren Aufenthalt in Vancouver. Gerade weil die Stadt in der Grösse überschaubar ist und vieles zu Fuss erreicht werden kann, ist die Zeit auch ohne Fussball schnell vergangen. Spaziergänge zum Stanley Park, nach Granville Island oder dem Hafen entlang verkürzten die Tage. Kreuzfahrer vermischten sich mit Fussball-Fans und sorgten für eine tolle Stimmung in der Stadt. Mehrere Public Viewings, besonders bei Spielen von Kanada und den USA belegten, dass Fussball auch in Nordamerika einen hohen Stellenwert erlangt hat. Ob er nachhaltig bleiben wird, bleibt trotzThomas Müllereine offene Frage. Beliebt waren die Ausflüge mit Wasserflugzeugen nach Victoria Island oder mit dem Bus nach Whistler, eine Fahrt mit der Gondelbahn ‘sea to sky’ und in den Naturpark Capilano. Im nahen Umkreis von Vancouver erhielten die Besucher einen guten Vorgeschmack auf die schöne Natur im ganzen Land. Bemerkenswert ist auch das sehr gute Preis/Leistungsverhältnis in Kanada. Attraktive Restaurants und Shopping-Angebote sind aufgrund des Wechselkurses von 0. 58 zum Schweizer Franken deutlich günstiger als im Nachbarland USA. Nur die Eintrittspreise zu den Spielen waren in Kanada gleich hoch. Es bleibt mir ein Rätsel wie es der FIFA gelungen ist, dass trotz diesen exorbitanten Ticketpreisen praktisch alle Spiele ausverkauft waren. Kanada als attraktives ReiselandIch bin überzeugt, dass die USA bei den angereisten Fans aus der ganzen Welt etwas an Goodwill zurückholen und Kanada seinen Ruf als attraktives Reiseland für einen nachhaltigen Tourismus verstärken konnte. Den bei uns unbeliebten Präsidenten habe ich während der WM im eigenen Land wohltuend kaum wahrgenommen. Es hat mir wieder gezeigt, dass ein Land wie die USA nicht aus einer Regierung oder einzelnen Personen besteht, sondern aus einem grossen, freundlichen Volk, welches zu einem überwiegenden Teil über Migrationshintergrund aus allen Regionen dieser Erde verfügt. Ich freue mich auf die nächste WM in Spanien, Portugal und Marokko. Die Emotionen, welche diese Veranstaltung auf der ganzen Welt auslöst, sind unvergleichbar. Peter SpringDrucken