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„Das wird nix mehr!” Mein Frust-Trip in den USA nach dem Deutschland-Spiel

Seit über 24 Stunden ist Kolumnist Pit Gottschalk bereits unterwegs, und ein Ende seiner Reise ist nicht in Sicht. Wegen eines Unwetters sitzt er in Washington fest und erlebt das Versagen der. . .

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„Das wird nix mehr!” Mein Frust-Trip in den USA nach dem Deutschland-Spiel

Seit über 24 Stunden ist Kolumnist Pit Gottschalk bereits unterwegs, und ein Ende seiner Reise ist nicht in Sicht. Wegen eines Unwetters sitzt er in Washington fest und erlebt das Versagen der Fluggesellschaft hautnah. Der Plan klang keineswegs verwegen, ich wollte unbedingtnach Houstonzumdeutschen WM-Auftakt gegen Curacao. Also hatte ich in New York City rechtzeitig Flüge gebucht: morgens hin, abends zurück. Gestrandet bin ich nun vor der Haustür von Präsident Donald Trump und denke gerade: Die USA schaffen sich ab. Um 3. 37 Uhr sitze ich endgültig gestrandet am Flughafen in WashingtonDas ist kein Witz. Nachts um 3. 37 Uhr bin ich endgültig am Flughafen Washington-Dulles gestrandet, begreife nicht, wie ich hier landen konnte, und habe keine Ahnung, wie ich hier wieder weg komme. Ich bin seit 24 Stunden auf den Beinen, die Freude über das 7:1 der Deutschen ist längst verloren. Vor mir leuchtet das Firmenschild „United”, was eigentlich vom Namen her schon ein Gruppengefühl versprechen sollte, und ich denke: Was für eine beschissene Fluggesellschaft. Entschuldigen Sie, aber der Frust muss raus. Mein Flug aus Houston startete schon mit zwei Stunden VerspätungMeine Odyssee begann damit, dass ich direktnach dem Länderspiel zum Flughafen in Houston gehetzt bin, um Flug UA 1747 zu erreichen. Dass der Flieger wegen eines Unwetters an der Ostküste zwei Stunden Verspätung hat: geschenkt! Das ist höhere Gewalt. Irgendwann durfte ich ja auf meinen Platz 12D. Als wir losflogen, übermannte mich die Müdigkeit. Ich war um 3 Uhr in New York aufgestanden, um rechtzeitig zum Anpfiff um 12 Uhr im Stadion zu sein. Jetzt beim Rückflug machte sich die Anstrengung, die bei einer Live-Berichterstattung unvermeidlich ist, bemerkbar. Ich schlief ein. ANZEIGEAls ich meine Augen wieder öffnete, waren wir plötzlich im Anflug auf WashingtonNoch bevor ich meine Augen wieder öffnete, hörte ich die Ansage: Anflug auf Washington, D. C. Ich, ganz verdattert: warum Washington? Im Halbschlaf bekam ich nur die Anweisung mit: Landung – alle raus – kurz warten – alle wieder rein – weiterfliegen. So stand es auch auf dem mobilen Flugticket. Das Hunde-Klo als einzige Chance auf Erleichterung?Pit GottschalkDraußen am Gate die Durchsage: Keiner sollte es wagen, zur Toilette zu gehen – es könnte jede Minute weitergehen. Wer nicht da ist: Pech gehabt. Belustigt schaute ich auf ein Schild nur wenige Meter entfernt: Hinweis auf eine Hundetoilette. Ich verwarf den Gedanken aber ganz schnell. Mein Sitzbar trocken im Flieger: „Das wird nix mehr”Noch im Scherz schrieb ich an die Redaktion eine Textnachricht: „Als ich nach dem 7:1 aufwachte, stand ich bei Trump vor der Haustür…” Wir wurden alle zurück ins Flugzeug gebeten, saßen auf den alten Plätzen und wurden angesichts der langen Wartezeit stutzig. Der Ami neben mir: „Das wird nix mehr. ”Ihr täglicher Überblick zur WM!Ihr WM-Fieber direkt ins Postfach!Erhalten Sie die wichtigsten News, Ergebnisse und Highlights zur Fußball-WM direkt per E-Mail. Jetzt kostenlos anmelden und bestens informiert bleiben. Und tatsächlich mussten wir alle ein zweites Mal raus. Diesmal aber schroffer im Abgang: Dieser Flug endet hier. Weiterflug spätestens in sechs, sieben Stunden. Nachts um drei fragt man das Naheliegende: Was tut die Fluggesellschaft jetzt für ihre Kunden? Getränke, Essen, Hotel oder sowas…?Die United-Frau aber zuckte nur mit den Schultern und sagte: „Wetterbedingungen. Wir sind zu nichts verpflichtet. ” Ich: So geht man doch nicht mit Passagieren um. Die United-Frau: „Sie haben auf der Website die Möglichkeit, uns ein Feedback zu geben. Schönen Abend noch. ” Mein Gesicht hätte ich gerne gesehen. Kein Mitarbeiter will mir helfen, auch bei der Hotline geht nichtsWeiter zum United-Schalter, um festzustellen, was man machen kann. Mir fiel ein, wie United vor Jahren in einer ähnlichen Wetter-Situation gehandelt hat. Die Mitarbeiter haben sich damals überschlagen, damit ich einen neuen Flug – sogar bei der Konkurrenz! – bekam. Kunden-Service von der besten Seite. Das war damals. Pit Gottschalk hofft (vergeblich) auf seinen WeiterflugPit GottschalkDieses Mal: Schweigen. Ich sage einem United-Mitarbeiter, der sehr wichtig aussah, dass ich unverschuldet in eine blöde Situation geraten bin und jetzt Hilfe brauche. Immerhin muss ich nach New York zurück. Er, trocken: „I'm sorry. ” Kein weiteres Wort mehr. Selten habe ich mich an einem Flughafen so einsam gefühlt. Selbstverständlich wollte ich die Hotline bemühen, wurde aber an einen Chat verwiesen, um mein Anliegen vorzutragen. Noch bevor ich Antworten bekam, sollte ich ein Feedback-Formular ausfüllen. Ich wurde gefragt: „Wie zufrieden sind Sie mit dem Kunden-Erlebnis? Empfehlen Sie uns weiter?”Als ich mich meinem Schicksal ergeben habe, muss ich an die Deutsche Bahn denkenSpätestens jetzt dachte ich an die Deutsche Bahn. Ja, die Verspätungen ärgern uns, die Zugausfälle und die nicht funktionierenden Speisewagen. Aber freundlich und hilfsbereit sind die (meisten) Zugbegleiter dann doch immerhin. Hier in den USA werde ich einfach ein simples Gefühl nicht los: Es geht immer nur ums Geld. Es ist für United vermutlich wirtschaftlicher, wenn sich irgendein Customer aus „Germany“ furchtbar über den mangelhaften Service aufregt, als Abhilfe zu schaffen. Die Amis, die mit mir das Schicksal teilten, lachten über die Situation nur: Die kennen das schon. Eine Kompensation von United erwarten sie gar nicht mehr. So endet meine Nacht mit Deutschland: Ich denke an das 7:1 und die Deutsche Bahn – und daran, dass wir's in der Heimat gar nicht so schlecht haben, wie wir's manchmal fühlen.

Quelle: amica.de

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