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Die WM 2026 an der Westküste der USA: Heaven or Hell?

Fast vier Wochen berichtete unser Autor während der WM von der US-Westküste. Er begleitete Fans des Gastgebers, von Iran und Österreich. Schaute die Spiele in den Stadien-Luxustempeln, auf der Straße und in schäbigen Bars. Ein fotografischer Rückblick.

Von @@11Freunde_de · · 7 min Lesezeit

Die WM 2026 an der Westküste der USA: Heaven or Hell?

1 / 20Welcome to the Jungle! Ein Laienprediger auf dem Santa Monica Pier stellt, ohne es zu ahnen, kurz vor Beginn der WM die entscheidende Frage. In welche Richtung wird sich das Turnier vor der bunten Glitzerfassade, die die FIFA im Soccer-Entwicklungsland USA aufgebaut hat, entwickeln? Heaven or Hell?Foto: Tim Jürgens2 / 20The Boys are Back in Town: Nach dem 4:1-Sieg im Auftaktspiel gegen Paraguay keimen bei den Anhängern des US-Teams große Hoffnungen. Ist beim Heimturnier am Ende mehr drin als ein obligatorisches Zwischenrunden-Aus? Bis sich Präsident Donald Trump in der K-. o. -Phase nach der Sperre von Folarin Balogun tumb ins Turniergeschehen einmischen wird, herrscht große Euphorie um das Team von Mauricio Pochettino. Die US-Fans nehmen sich ein Beispiel an europäischen und südamerikanischen Anhängern und sorgen für mächtig Karneval auf den Rängen. So wie diese illustre Jungsrunde vor dem Spiel der USA gegen die Türkei in Los Angeles. Foto: Tim Jürgens3 / 20Die politischste WM aller Zeiten: Die Spiele des Iran an der Westküste werden allesamt begleitet von intensiven Protesten der Regimegegner, die vor und in den WM-Arenen gegen die menschenverachtende Mullah-Diktatur, die tausende Menschen im Iran auf dem Gewissen hat, demonstrieren. Das identitätsstiftende Symbol der Protestler ist die historische Fahne mit Löwe und Feuer. Im Vorfeld des Turniers hat der iranische Verband bei der FIFA beantragt, das Banner in den Stadien zu verbieten. Der Weltverband lehnt den Antrag jedoch ab. Foto: Tim Jürgens4 / 20Hansa all over the World: Auch wenn sich aufgrund des Kontinents, über den sich die WM-Spiele erstrecken, die Fanmassen meist nur um die Stadien herum konzentrieren, haben sich offenbar Rostocker und Fürther Anhänger ihren Weg nach Venice Beach am Pazifik gebahnt, um auf einem Strandschild ihre Duftmarken zu hinterlassen. Die deutsche Elf wird bis hier in den Westen nie vordringen. Was nicht nur am frühen Ausscheiden liegt, sondern auch daran, dass der Turnierbaum für die Nagelsmann-Elf nur Partien an der Ostküste und in Texas vorsieht. Foto: Tim Jürgens5 / 20Public Viewing 1: Während der Gruppenphase haben die Stadtmütter und -väter in der Einkaufspromenade von Santa Monica einen Fernseher aufstellen lassen, damit beim Shopping auch ein wenig WM-Stimmung aufkommt. Der Zuspruch der Flanierenden beim mittäglichen Match zwischen Deutschland und Ecuador hält sich jedoch in Grenzen. Foto: Tim Jürgens6 / 20Public Viewing 2: Eine Kaffee-Bar in Venice Beach wirbt mit einer Messi-Fassade und hofft, durch die Übertragung aller WM-Spiele den Absatz an Heißgetränken zu steigern. Das Match der Kolumbianer gegen die Republik Kongo interessiert allerdings ebenfalls nicht nennenswert. Foto: Tim Jürgens7 / 20Public Viewing 3: Now we're talking! Wenn die Sonne tief steht in Santa Monica und Kolumbien auf Portugal mit dem greisen Superstar Cristiano Ronaldo trifft, treibt es auch die fußballfernen Kalifornier auf die Straße. Eine „Watch Party“ in der Abendsonne, der Pazifik nur knapp 200 Meter entfernt. Foto: Tim Jürgens8 / 20Alles hört aus sein Kommando! So auf Hochglanz poliert wie dieFünf-Miliarden-Dollar-Arenain Inglewood sind auch die Stiefel dieses Stadion-Sheriffs. Zwei Stunden vor Anpfiff der WM-Partie zwischen dem Iran gegen Belgien flaniert der freundliche Officer einsam auf der VIP-Ebene des Luxustempels in Los Angeles. Als ich ihn frage, ob ich ihn vor der überdimensionalen Videoleinwand fotografieren dürfe, ist er zunächst unschlüssig. „Mich ganz allein?“ – „Aber ja, Sie sehen spitze aus!“, antworte ich und bekomme von ihm als Dankeschön das breiteste Tom-Selleck-Grinsen seit der Einstellung der „Magnum P. I. “-Serie im Jahr 1988. Foto: Tim Jürgens9 / 20Banner & Uncle Sam: Im offiziellen „House of Soccer" des US-Fußballverbands in Venice treffen sich während der Vorrunde Fans aus der ganzen Welt, um die WM-Spiele zu schauen. Je länger das Turnier dauert, desto mehr Zeit investieren die Anhänger des Gastgeberteams in ihr Aussehen. Wie am Rosenmontag in Köln trifft hier nach einigen Turniertagen das offizielle Maskottchen des US-Teams, der Chesapeake Bay Retriever „Banner“, auf „Uncle Sam“, der bekanntlich eher wenig mit Soccer zu tun hat. Foto: Tim Jürgens10 / 20The World is my Oyster: 104 WM-Spiele bedeuten in der Gruppenphase nahezu einen Overkill an Live-Übertragungen. In einer Straßenbar in Hermosa Beach halten sich am frühen Abend während des dritten Matchs an diesem Tag noch drei wackere Tresenfliegen an der Bar fest. Das Bier kostet 8,50 Dollar plus Steuern, der Unterhaltungswert der Darbietung auf den Bildschirmen ist überschaubar, die Gespräche aber wie fast überall in den USA unkompliziert und ideal zur Zerstreuung in den häufigen Momenten der WM-Ödnis. Foto: Tim Jürgens11 / 20Der Kunde ist König: Während auf den Straßen von Kalifornien die Bierflaschen und -dosen in Papiertüten verschwinden müssen, wenn die Trinker verschämt an ihren Behältnissen nuckeln, schätzt sich dieser Wirt einer Strandbar in Santa Monica offenbar sehr glücklich, dass er seinen Kunden den „Booze" direkt an der Strandpromenade ausschenken darf. Foto: Tim Jürgens12 / 20Die Kavallerie übernimmt das Kommando: Berittene Sheriffs am Stadion in Inglewood werden für die türkischen Fans vorm letzten Gruppenspiel zu einem seltenen Quell der Freude. Zwar stehen die Polizisten auf ihren Pferden nur gelangweilt am Rand, als die Fanmassen zum Stadion strömen. Für ein Erinnerungsfoto taugt die etwas aus der Reihe geratene Formation aber offenbar doch. Foto: Tim Jürgens13 / 20Wie in der Legebatterie: Die schreibende Zunft berichtet von vielen WM-Spielen aus der sogenannten „Press Box“, dem Bereich ganz oben in den Tribünen, wo die Journalisten hinter Glasscheiben das Geschehen auf dem Rasen verfolgen – und nur wenig von der Atmosphäre im weiten Rund mitbekommen. Dieser bosnische Kollege bringt sich für das Match auf seine Art in Stimmung. Er nimmt in Trikot seinen Platz – und kommentiert jede Toraktion der bosnischen Elf lautstark. Woraufhin ihn bald schon Nebenleute auffordern werden, seine Begeisterung doch netterweise zu zügeln. Foto: Tim Jürgens14 / 20Vergänglicher Ruhm: Venice Beach ist berühmt für seine Murals. Während der WM-Tage zieren vorübergehend auch Wandmalereien von US-Nationalspielern (hier Keeper Matt Freese und Innenverteidiger Chris Richards) einige Häuserwände in der Gemeinde am Pazifikstrand. Nach dem Ausscheiden werden die Bilder der Soccer-Boys schon bald wieder verschwinden. Kein Vergleich zu den Gemälden von Arnold Schwarzenegger oder Jim Morrison, die hier bereits seit Jahrzehnten an den Hausfassaden prangen. Foto: Tim Jürgens15 / 20Heavy Weight: Genau gegenüber des Soccer-Murals liegt das sagenumwobene Freiluft-Gym, in dem seit 1963 trainiert wird. Hier stemmten zeitweise auch Arnold Schwarzenegger, Lou Ferrigno und Franco Columbu ihre Gewichte, weshalb dieser Teil des Boardwalks als „Muscle Beach" weltberühmt ist. Mit Soccer haben die Leute hier auch während der WM-Tage nur wenig am Hut. Foto: Tim Jürgens16 / 20Public Viewing 4: Der „German American Club“ in Santa Monica wurde 1951 von deutschen Auswandern ins Leben gerufen, um für die Mitglieder kostengünstige Reisen in die alte Heimat zu organisieren. Der „Club“ existiert bis heute, hat ungefähr 200 Mitglieder und versteht sich als Anlaufstelle für Exil-Deutsche und Menschen mit deutschen Wurzeln. Zentrum des Vereinslebens ist eine unscheinbare Fabriketage unterhalb eines Nagelstudios, wo während der WM auch die Spiele der DFB-Elf übertragen werden. Foto: Tim Jürgens17 / 20You gotta fight for your right: Zwei bosnische Fans in Los Angeles lassen sich trotz der frühen Uhrzeit das Feiern nicht verbieten. Obwohl die Partie ihrer Mannschaft gegen die Schweiz erst in einigen Stunden beginnt, ist beim Frühschoppen die Laune der Feierbiester schon mehr als ausgelassen. Daran wird auch die bevorstehende 1:4-Klatsche in Inglewood nichts ändern. Foto: Tim Jürgens18 / 20Klein-Venedig: Im Jahr1905 legte Stadtentwickler Abbot Kinney unweit des Weststrands von Los Angeles künstliche Kanäle an. Und weil die vielen Brücken den Architekten an die italienische Lagungenstadt Venedig erinnerten, trug das Viertel fortan an den Namen „Venice“. Während der WM-Tage lassen sich auch die betuchten Bewohner am Kanal nicht lumpen und versichern das US-Team ihrer Unterstützung. Foto: Tim Jürgens19 / 20Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß: Oder eben in der Hose. So wie die deutsche Elf beim Shoot-Out gegen Paraguay. Beim nächsten Mal helfen vielleicht die feuchten Tücher, für die dieser „Mini Pooper“ wirbt. Interesse, Jonathan Tah?Foto: Tim Jürgens20 / 20U-S-A, U-S-A: Eines Tages wird diese junge Dame auf die Frage, wer sie lebenslang dem Soccer-Virus infiziert hat, womöglich anworten: „Das war Daddy, als wir gemeinsam vor einer Bar in der Windward Avenue standen, um das WM-Spiel der US-Boys gegen Australien anzuschauen". Wenn das Turnier in den USA je im Begriff war, ein amerikanisches Sommermärchen zu werden, dann in diesen Stunden als das Team von Mauricio Pochettino mit 2:0 gegen Australien gewinnt. Foto: Tim JürgensMehr zum Thema5 Min8 Min5 Min

Quelle: 11freunde.de

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