EA-Übernahme: EU gibt 55-Milliarden-Deal frei — USA noch offen
Die EU-Kommission gibt die EA-Übernahme durch den saudischen Staatsfonds PIF ohne Auflagen frei. 55 Milliarden Dollar, über 20 Milliarden davon Schulden — und die US-Freigabe fehlt noch.

Im September vergangenen Jahres angekündigt, im Dezember von den Aktionären abgesegnet — und jetzt fehlt Electronic Arts nur noch grünes Licht aus Washington. Die EU-Kommission hat die 55-Milliarden-Dollar-Übernahme des Spielekonzerns durch ein Konsortium um den saudischen Staatsfonds freigegeben, ohne Auflagen. Damit ist die größte Hürde in Europa genommen. Die eigentliche Frage stellt sich woanders. Was:Die EU-Kommission gibt die EA-Übernahme ohne Auflagen frei. Käufer:Konsortium um den saudischen Staatsfonds PIF (gut 93 Prozent), dazu Silver Lake und Affinity Partners. Preis:210 US-Dollar je Aktie, rund 55 Milliarden Dollar — größter Leveraged Buyout der Geschichte, über 20 Milliarden davon Fremdkapital. Offen:EU-Subventionsprüfung (Frist 30. Juli) und die US-Freigaben durch CFIUS und FTC. Brüssel sieht kein WettbewerbsproblemDie Freigabe kam nach dem regulären Prüfverfahren, ohne vertiefte Phase-2-Untersuchung. Die Begründung der Kommission fällt knapp aus: Der Zusammenschluss habe nur begrenzte Auswirkungen auf die Märkte, auf denen die Beteiligten aktiv sind — PC-, Konsolen- und Mobile-Spiele plus Esports. Das ergibt kartellrechtlich Sinn. Ein Finanzinvestor, der einen Spielehersteller kauft, überschneidet sich kaum mit dessen Geschäft; die klassische Sorge, dass zwei Wettbewerber verschmelzen und der Markt schrumpft, greift hier schlicht nicht. Ganz durch ist der Deal in Europa damit noch nicht. Parallel läuft die Prüfung nach der Verordnung gegen wettbewerbsverzerrende Drittstaaten-Subventionen — bei einem Staatsfonds als Käufer der naheliegende Hebel. Die Frist dafür endet am 30. Juli, eine Freigabe gilt als wahrscheinlich. Offen bleibt vor allem die USA: Das Auslandsinvestitions-Gremium CFIUS muss zustimmen, und mehrere Kongressabgeordnete haben die Handelsaufsicht FTC zu einer gründlichen Prüfung aufgefordert. Ein saudischer Staatsfonds, der sich einen der größten US-Publisher einverleibt, ist in Washington kein Selbstläufer. Der größte Leveraged Buyout der GeschichteDie Zahlen erklären, warum der Fall überhaupt so viel Aufmerksamkeit bekommt. 210 US-Dollar je Aktie in bar, in Summe rund 55 Milliarden Dollar — mehr wurde für eine schuldenfinanzierte Firmenübernahme noch nie gezahlt. Den Löwenanteil hält künftig der Public Investment Fund, Saudi-Arabiens rund eine Billion Dollar schwerer Staatsfonds, mit gut 93 Prozent. Mit an Bord: die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und Affinity Partners, die Investmentfirma von Jared Kushner. Der entscheidende Punkt steckt in der Struktur. Über 20 Milliarden Dollar des Kaufpreises sind Fremdkapital — Schulden, die am Ende nicht die Käufer schultern, sondern das gekaufte Unternehmen. Genau das ist das Muster eines Leveraged Buyouts: Der Konzern finanziert seinen eigenen Verkauf mit und verschwindet anschließend von der Börse. Für EA heißt das ein Leben ohne den Quartalsdruck der Wall Street, aber mit einer Zins- und Tilgungslast, die erst einmal erwirtschaftet werden will. Was das für die Spieler heißtOb sich für den Menschen am Controller etwas ändert, entscheidet sich nicht in Brüssel, sondern in den Studios. Und da macht mich die Schuldenlast skeptisch. Wer über 20 Milliarden Dollar refinanzieren muss, sucht die Rendite dort, wo sie schnell fließt — und in einem Konzern mit EA Sports FC, Battlefield und den Sim-Reihen heißt das erfahrungsgemäß mehr Monetarisierung, nicht weniger. Kürzungen bei Studios, die sich nicht sofort rechnen, sind bei solchen Übernahmen eher Regel als Ausnahme. Dazu kommt der Eigentümer. Ein Staatsfonds ist kein stiller Investor, der nach fünf Jahren weiterverkauft — Saudi-Arabien baut seit Jahren systematisch Anteile in der Spielebranche auf, von Nintendo-Papieren über Beteiligungen an großen Publishern bis zu eigenen Esports-Ligen. Mit EA käme der bislang größte Baustein dazu. Wer die Debatte um „Sportswashing“ im Fußball verfolgt hat, kann sich ausrechnen, dass sie die Gaming-Branche so schnell nicht loslässt. Für die Aktionäre ist der Fall erledigt, der Aufschlag auf den Börsenkurs war ordentlich. Für alle anderen beginnt die interessante Phase erst, wenn der Deal geschlossen ist und die neuen Eigentümer zeigen, wie sie ihre 20-Milliarden-Rechnung bezahlen wollen. Vorerst liegt der Ball in Washington.