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Energieversorgung der Zukunft? Dieses schwäbische Unternehmen liefert Grafit für Mini-AKW in den USA

Kleine, modulare Atomkraftwerke, die in Serie gefertigt werden können, gelten als eine Lösung für die Energieversorgung der Zukunft. In Deutschland hält man nach dem Atomausstieg zwar Abstand von solchen. . .

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Energieversorgung der Zukunft? Dieses schwäbische Unternehmen liefert Grafit für Mini-AKW in den USA

Kleine, modulare Atomkraftwerke, die in Serie gefertigt werden können, gelten als eine Lösung für die Energieversorgung der Zukunft. In Deutschland hält man nach dem Atomausstieg zwar Abstand von solchen Projekten, in den USA sind die Pläne jedoch recht weit gediehen. Das US-Unternehmen X-Energy aus Rockville im Bundesstaat Maryland plant den Bau von vier kleinen Reaktoren für den US-Chemieriesen Dow Chemical. Entstehen sollen die Mini-AKW am Standort in Seadrift in Texas, wo eine Chemiefabrik Material für die Kunststoffproduktion herstellt. Zulieferer für die Kernkraftwerke der neuen Generation ist ein Unternehmen aus Bayern: Der Kohlenstoff-Spezialist SGL Carbon liefert Grafit für den Reaktoren-Bau. Jetzt hat SGL die Zusammenarbeit mit X-Energy ausgedehnt. In Texas sollen vier Reaktoren mit insgesamt 800 Megawatt Wärmeerzeugung oder 320 Megawatt elektrischer Leistung entstehen – rund ein Viertel der elektrischen Leistung eines der Blöcke des früheren Kernkraftwerkes Gundremmingen. Von SGL stammt das Grafit, das für die Innenauskleidung der Reaktoren vorgesehen ist. „Wir sind bereits im Lieferprozess“, sagt SGL-Sprecherin Claudia Kellert. Um hinreichende Lieferungen sicherzustellen, investiert SGL zusammen mit X-Energy am SGL-Standort in Chedde in den französischen Alpen. X-Energy stellt dafür bis zu acht Millionen Dollar bereit, um den Bau neuer Anlagen und die Modernisierung der Infrastruktur zu unterstützen. Grafit von SGL für kleine, modulare Atomkraftwerke (SMR)Die Erweiterung baut auf einem im Januar geschlossenen Liefervertrag auf, den SGL mit X-Energy geschlossen hat. Der Rahmenvertrag läuft über zehn Jahre. Allein in den ersten drei Jahren will SGL Grafit im Wert von über 100 Millionen Dollar für die ersten kommerziellen Projekte von X-Energy produzieren. „Die ersten im Rahmen dieses Auftrags am SGL-Standort in Chedde hergestellten 18-Grafitblöcke wurden inzwischen an SGL-Standorte in den Vereinigten Staaten geliefert, um dort zu Bauteilen weiterverarbeitet zu werden“, berichtet das Unternehmen. Nach den Investitionen in den französischen Standort würde sich die europäische Produktionskapazität für den speziellen Grafit verdoppeln. Der SGL-Standort Chedde in den französischen Alpen wird modernisiert. Foto: SGL CarbonFürkleine, modulare Reaktoren (SMR, small modular reactors) gibt es mehrere Konzepte. X-Energy plant Kugelhaufenreaktoren, bei denen der Brennstoff in Kugeln eingeschlossen wird. Noch hat das US-Unternehmen keine Anlage am Laufen, allerdings gibt es bereits weitere Pläne, für den US-Konzern Amazon im Bundesstaat Washington bis zu zwölf weitere Mini-Meiler zu errichten. Ob die Atomkraft für SGL Carbon damit zu einem festen, dauerhaften Standbein werden kann, wird vom Erfolg solcher Projekte abhängen, mit denen es bisher kaum Erfahrungen gibt. Umsatz im ersten Halbjahr 2026 bei SGL rückläufig, aber ein GewinnNeben der Energieerzeugung sieht das Unternehmen allerdings auch bei Halbleitern, in der Verteidigung sowie der Luft- und Raumfahrt Zukunftsfelder. Nachdem sich frühere Hoffnungen für den Leichtbau in der Autoindustrie nicht erfüllt haben,hat SGL zuletzt massiv gespart: Die Carbonfaser-Produktion in Lavradio in Portugal mit 250 Beschäftigten wurde geschlossen, der Produktionsstandort in Moses Lake in den USA im Sommer 2025 vollständig heruntergefahren. Das Geschäft bei SGL ist damit zwar rückläufig, das Unternehmen steht aber solider da. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 394,2 Millionen Euro gesunken. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg aber auf 40,5 Millionen Euro. Vor einem Jahr stand hier noch ein Verlust. Unter dem Strich schafft SGL im ersten Halbjahr ein Plus von 11,8 Millionen Euro. Dies liegt auch an einer Kompensationszahlung aus der Halbleiterbranche. Weil der Bedarf der Kunden vor allem aus der Autoindustrie doch nicht so hoch war wie vereinbart, hat sich SGL mit den Betrieben als Ausgleich für entgangene Umsätze auf die Zahlung geeinigt. Firmensitz von SGL soll von Wiesbaden nach Meitingen gehenBei SGL sieht man sich auf Kurs, die Ziele für 2026 zu erreichen. Das Unternehmen peilt einen Umsatz zwischen 720 Millionen und 770 Millionen Euro und einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 110 Millionen und 130 Millionen Euro an. Auch die Schulden sinken. SGL Carbon beschäftigt weltweit 3800 Mitarbeiter und hat kürzlich angekündigt, den Sitz von Wiesbaden in Hessen nach Meitingen im Kreis Augsburg zu verlagern, wo derzeit 1400 Beschäftigte tätig sind.

Quelle: suedkurier.de

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