Google TV Freeplay: Videothek mit 10. 000 Filmen — nur in den USA
Achtzig Kanäle waren es Anfang 2023, gut dreihundert sind es heute — und jetzt kommen mehr als 10. 000 Filme und Serien zum freien Abruf dazu. Google baut sein werbefinanziertes Fernsehangebot kräftig aus. Wer. . .

Achtzig Kanäle waren es Anfang 2023, gut dreihundert sind es heute — und jetzt kommen mehr als 10. 000 Filme und Serien zum freien Abruf dazu. Google baut sein werbefinanziertes Fernsehangebot kräftig aus. Wer hierzulande auf den Fernseher schaut, wird davon trotzdem nichts bemerken, und der Grund steht in Googles eigener Fußnote. Auf einen BlickGoogle TV Freeplay bekommt erstmals eine Videothek: über 10. 000 Filme und Serien auf Abruf, laut Google unter anderem von A24 und Lionsgate. Die Zahl der linearen Gratis-Kanäle wächst auf über 300 — das ist Fortschreibung, kein Neustart. Kostenlos heißt werbefinanziert, ein Google-Konto ist Pflicht, das Angebot rotiert. Verfügbar ausschließlich in den USA — auch Googles deutschsprachige Hilfeseite sagt das so. Neu ist nicht der Name, neu ist die VideothekFreeplay klingt nach Produktstart, ist aber ein alter Bekannter. Die kostenlosen, werbefinanzierten Kanäle laufen auf Google-TV-Geräten seit Anfang 2023, damals mit rund 80 Stück. Den Namen Freeplay bekamen sieim Herbst 2024, zusammen mit dem Google TV Streamer. Seitdem ist die Senderliste stetig gewachsen: gut 117 zum Jahresende 2023, rund 132 im Sommer 2024, über 250 Ende 2025. Die jetzt gemeldeten „über 300“ Kanäle sind also die Fortsetzung einer Kurve, die seit drei Jahren nach oben zeigt — eine Nachricht ist das für sich genommen nicht. Interessant ist der zweite Teil derAnkündigung, den Google eher beiläufig unterbringt: Google TV Freeplay bekommt zum ersten Mal Video auf Abruf. Bisher war das Angebot reines lineares Fernsehen, man schaltete ein und nahm, was gerade lief. Jetzt stehen nach Googles Angabe mehr als 10. 000 Filme und Serien in einer Mediathek, darunter Material von A24 und Lionsgate. Das ist der eigentliche Sprung. Ein FAST-Kanal ist billig zu betreiben und für Zuschauer ein Lückenfüller; eine durchsuchbare Videothek konkurriert direkt mit dem, wofür andere Geld nehmen. Bei den Kanälen sind unter anderem Bloomberg TV+, Yahoo Sports Network und ein Martha-Stewart-Kanal dazugekommen — Kost, die nichts kostet und niemandem wehtut. Gratis heißt werbefinanziert und kontogebundenGoogle bewirbt das Ganze als sofortigen Zugang zu kostenloser Unterhaltung. Das Kleingedruckte relativiert die Sache in drei Punkten, und alle drei stehen direkt unter der Mitteilung: Die Inhalte sind werbefinanziert, ein Google-Konto ist Voraussetzung, und die Verfügbarkeit der Titel kann sich jederzeit ändern. Der letzte Punkt ist der wichtigste. Eine Gratis-Videothek ist keine Sammlung, sondern ein Karussell — Lizenzen laufen aus, Titel verschwinden wieder. Google kündigt selbst an, die Bibliothek über das Jahr hinweg immer wieder auszutauschen. Wie robust der Anspruch auf einmal erworbene Inhalte im Google-Kosmos ist, hat sich vor Kurzem an anderer Stelle gezeigt: Bei Google Playverschwand ein 2022 gekaufter Film aus der Mediathek, eine Erstattung lehnte der Support unter Verweis auf eine längst abgelaufene Frist ab. Bei einem Gratis-Angebot erwartet niemand Bestandsgarantien. Man sollte nur nicht den Fehler machen, eine werbefinanzierte Mediathek gedanklich als Archiv zu führen. Die Fußnote: nur USA — auch auf DeutschBild: GoogleAm Ende der Mitteilung steht der Satz, der für deutsche Leser alles Weitere klärt: verfügbar auf Google-TV-Geräten ausschließlich in den USA. Das ist keine Formulierung aus einem übersehenen Rechtsanhang, sondern die geltende Produktgrenze. Wer es nachlesen will, muss nicht einmal ins Englische wechseln — Googlesdeutschsprachige Hilfeseitebeginnt den entsprechenden Absatz mit den Worten „In den USA“ und beschreibt danach einen Bereich, den es auf einem deutschen Google-TV-Gerät schlicht nicht gibt. Ein Termin für andere Märkte fehlt. Das ist bei Google-Diensten dieser Art nicht ungewöhnlich, hat hier aber einen naheliegenden Hintergrund: Gratis-Fernsehen finanziert sich über Werbung, und Werbeinventar wird pro Land verkauft, verhandelt und lizenziert. Ein Rollout ist also kein Schalter, sondern ein Vertragspaket je Markt. In Deutschland ist das Regal längst vollUnd genau da wird es für den deutschen Markt interessant, denn hier käme Google nicht als Pionier an, sondern als Nachzügler. Samsung TV Plus liefert auf Samsung-Fernsehern über 100 Sender ohne Anmeldung, Pluto TV bringt es auf mehr als 200 Kanäle, dazu kommen waipu. tv, Joyn und die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen, die es in dieser Qualität in den USA gar nicht gibt. Mich überrascht das Fehlen deshalb nicht — überraschen würde mich eher, womit Google hier noch punkten wollte. Zehntausend Titel klingen nach viel, aber die Regale sind voll und das Werbeinventar ist verteilt. Bleibt der nüchterne Befund: Google hat seinem Gratis-Angebot den Teil verpasst, der es von einem Kanal-Wühltisch zu einem echten Streaming-Konkurrenten macht — und das ausgerechnet in dem Markt, in dem der Wettbewerb um kostenloses Fernsehen ohnehin am härtesten ist. In meinem Wohnzimmer laufen die kostenlosen Kanäle des Fernsehers seit Jahren nebenbei mit, und ehrlich gesagt bleibt es meistens beim Durchzappen. Eine Videothek würde daran vielleicht etwas ändern. Ausprobieren lässt sich das hier vorerst nicht.