GW Ranch: Amazon steht hinter dem größten geplanten Gaskraftwerk der USA
Seit dem 26. Januar liegt die Genehmigung vor. Der Projektentwickler Pacifico Energy meldete damals, die texanische Umweltbehörde TCEQ habe für ein Kraftwerk namens GW Ranch 7,65 Gigawatt freigegeben — offen. . .

Seit dem 26. Januar liegt die Genehmigung vor. Der Projektentwickler Pacifico Energy meldete damals, die texanische Umweltbehörde TCEQ habe für ein Kraftwerk namens GW Ranch 7,65 Gigawatt freigegeben — offen adressiert an „Hyperscale-Rechenzentren und die nächste Welle der KI-Innovation“. Wer der Kunde sein würde, stand nicht dabei. Seit Freitag steht es: Amazon. Drei Bauanträge und ein SatellitenbildHerausgefunden hat das nicht Amazon selbst, sondern die Marktanalysefirma Cleanview, deren Recherche das Klima-FachmediumDistilledzuerst veröffentlichte. Anfang August reichte Amazon in Texas drei Bauanträge für ein Rechenzentrum ein — aktenkundig als TABS2026026954, 026955 und 026959. Cleanview legte die darin genannten Flurstücke auf die Luftreinhaltungs-Akte des Kraftwerks (PSDTX1672) und schaute anschließend auf Satellitenbilder: Auf einer Aufnahme vom 24. Juli waren die Rodungsarbeiten bereits zu sehen. Amazon hat die Beteiligung danachgegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigt. Das ist der eigentlich bemerkenswerte Teil des Vorgangs: Nicht das Kraftwerk war geheim — dessen Genehmigung war seit einem halben Jahr öffentlich und wurde per Pressemitteilung beworben. Geheim war, wer dort einzieht. 7,65 Gigawatt an einem einzigen StandortDie Anlage soll 35 Gasturbinen umfassen und damit mehr leisten als jedes Gaskraftwerk, das derzeit in den USA in Betrieb ist. Phase eins soll laut Pacifico in der ersten Jahreshälfte 2027 Strom liefern. Größer geplant ist nur ein 9,2-Gigawatt-Projekt in Ohio, an dem Softbank beteiligt ist — das hängt allerdings am öffentlichen Netz, GW Ranch zunächst ausdrücklich nicht. Was die Zahl bedeutet, zeigt ein Blick in die eigene Berichterstattung der letzten Wochen. Metas Rechenzentrums-Komplex in Louisiana wird vonzehn Gaskraftwerken mit zusammen 7,5 Gigawattversorgt — Amazon kommt an einem Standort auf mehr. Und rund 50 Kilometer entfernt baut Microsoft zusammen mit Chevron anseinem eigenen 2,67-Gigawatt-Kraftwerk, ebenfalls netzunabhängig, ebenfalls für KI. In derselben westtexanischen Ecke entstehen damit zwei private Kraftwerksparks zweier Konkurrenten. Der Genehmigungsbescheid erlaubt einen Ausstoß von gut 33 Millionen Tonnen Treibhausgas pro Jahr; AFP formuliert vorsichtiger und spricht von „mehr als 30 Millionen“. In beiden Lesarten wäre die Anlage die größte Einzelquelle des Landes und läge über dem Ausstoß von Plant Bowen in Georgia, dem größten Kohlekraftwerk der USA. Der Vorbehalt gehört dazu: Genehmigungsobergrenzen werden selten ausgeschöpft, und ein Gaskraftwerk stößt pro Kilowattstunde deutlich weniger aus als ein Kohleblock. Nur ist eben auch keins so groß. Die Insel neben dem Netz ist längst der NormalfallAmazon begründet die Eigenversorgung damit, niemandem zur Last zu fallen. „Amazon ist überzeugt, die vollen Kosten der eigenen Stromversorgung zu tragen“, teilte ein Sprecher mit; der Campus werde die Strompreise texanischer Familien nicht erhöhen und später ans Netz gehen, sobald die Anschlusskapazität da sei. Dazu prüfe man Solar und Batteriespeicher — Pacifico plant 750 Megawatt Photovoltaik und 1,8 Gigawatt Speicher —, und gekühlt werde mit salzigem, nicht trinkbarem Grundwasser. Am Ziel der Klimaneutralität bis 2040 halte man fest. Das Argument mit der Netzentlastung ist nicht falsch, es ist nur sehr selektiv. Ich miete seit Jahren Kapazität in Rechenzentren, die für jedes zusätzliche Megawatt beim Versorger anstehen und Jahre auf einen Anschluss warten. Wer sich stattdessen ein eigenes Kraftwerk in die Wüste stellt, umgeht keine Kosten — er umgeht die Warteschlange. Genau das ist der Punkt, und niemand sagt es laut. Ein Einzelfall ist die Bauweise ohnehin nicht mehr. Angefangen hat sie 2024 mit den mobilen Gasturbinen, die xAI in Memphis aufstellte; nach Cleanviews Zahlen entfällt auf xAI noch immer der Löwenanteil der rund zwei Gigawatt, die heute tatsächlich hinter dem Zähler laufen. Angekündigt sind seit Anfang 2025 dagegen rund 90 Gigawatt — verteilt auf Amazon, Microsoft, Google, Meta und Oracle. Zwischen Ankündigung und Turbine liegen also noch zwei Größenordnungen. Amazon verhandelt derweil bereits über ein weiteres Kraftwerk mit 4,5 Gigawatt in Homer City, Pennsylvania. Bleibt die Frage, was von einem Netto-Null-Versprechen für 2040 übrig ist, wenn der Weg dorthin über die größte genehmigte Emissionsquelle des Landes führt. Amazon rechnet das über 40 CO₂-freie Projekte mit zusammen fast zehn Gigawatt in Texas gegen. Die stehen in derselben Bilanz — nur eben auf der anderen Seite, und sie ersetzen kein einziges der 35 Turbinenpakete.