In den USA braut sich ein toxischer Mix für Anleger zusammen
In den USA verschwinden Jobs, während die Preise hoch bleiben und genau dieser Mix wird für Anleger brandgefährlich. Die jüngsten US-Konjunkturdaten liefern einen gefährlichen Cocktail, den die Börsen lange. . .
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In den USA verschwinden Jobs, während die Preise hoch bleiben und genau dieser Mix wird für Anleger brandgefährlich. Die jüngsten US-Konjunkturdaten liefern einen gefährlichen Cocktail, den die Börsen lange Zeit erfolgreich verdrängt haben. Während der Arbeitsmarkt überraschend schwächelt, bleibt die Inflation deutlich über dem Ziel der US-Notenbank. Von einer ausgewachsenen Stagflation zu sprechen, wäre noch verfrüht. Die Zutaten dafür liegen inzwischen aber auf dem Tisch. Besonders alarmierend war der Arbeitsmarktbericht. Im Juli gingen außerhalb der Landwirtschaft 23. 000 Stellen verloren, obwohl Ökonomen mit einem Zuwachs von 80. 000 gerechnet hatten. Noch unangenehmer waren die Revisionen. So wurden die Beschäftigungszuwächse für Mai und Juni zusammen um weitere 103. 000 Stellen nach unten korrigiert. Dass die Arbeitslosenquote trotzdem von 4,2 auf 4,1 Prozent sank, ist kein Entwarnungssignal. Rund 264. 000 Menschen verließen den Arbeitsmarkt, wodurch die Erwerbsquote auf 61,4 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit fast fünfeinhalb Jahren fiel. Stefan Feulner verfügt als Börsenexperte über rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und ist heute Head of Content führender Finanzportale wie wallstreetONLINE. de. Er ist Teil unseres ExpertennetzwerksEXPERTS Circle. Damit bekommt die bisherige Erfolgsgeschichte der amerikanischen Wirtschaft erste tiefe Risse. Denn Stagflation bedeutet nichts anderes als eine Kombination aus schwachem Wachstum beziehungsweise einem schwachen Arbeitsmarkt und gleichzeitig hoher Inflation. Die Inflation bleibt hoch und der nächste Preisschub könnte folgenAuf den ersten Blick lieferten die am Mittwoch veröffentlichten Verbraucherpreise zumindest etwas Entspannung. Die Inflationsrate sank im Juli von 3,5 auf 3,4 Prozent, die Preise stiegen gegenüber Juni lediglich um 0,1 Prozent. ANZEIGEANZEIGEDie Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel legte um 0,2 Prozent zu und lag auf Jahressicht bei 2,5 Prozent. Damit bewegt sich die Teuerung zwar in die richtige Richtung, sie liegt aber weiterhin deutlich oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels der Fed. Die aktuell veröffentlichten Erzeugerpreise sehen zunächst ebenfalls beruhigend aus. Der PPI stagnierte im Juli gegenüber dem Vormonat, während Ökonomen mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet hatten. Gegenüber dem Vorjahr lagen die Produzentenpreise allerdings immer noch 4,7 Prozent höher. Energiepreise schlagen nicht nur unmittelbar auf Benzin und Strom durchDabei ist der starke Ölpreisanstieg Ende Juli in diesen Daten noch kaum enthalten. Ein Teil des jüngsten Energieschocks könnte deshalb erst in den August-Zahlen sichtbar werden. Und Energiepreise schlagen nicht nur unmittelbar auf Benzin und Strom durch. Sie verteuern Transporte, Flugreisen, Kunststoffe, Chemikalien, Düngemittel und damit letztlich unzählige Produkte des täglichen Lebens. Die Federal Reserve nennt den Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts selbst als einen der Gründe für die erhöhte Inflation. Hinzu kommen Zölle, die Preise importierter Waren verteuern. Aus einem vorübergehenden Preisschock kann deshalb eine zweite Inflationswelle entstehen, während gleichzeitig Unternehmen weniger Mitarbeiter einstellen. Das klassische Stagflationsszenario. Die Fed steckt jetzt in der ZinsfalleFür die Börse ist diese Kombination besonders gefährlich, weil der Fed um Ihren neuen Notenbank-Chef Kevin Warsh praktisch jede Entscheidung wehtut. Normalerweise würde ein überraschender Stellenabbau nach Zinssenkungen schreien. Doch die Inflation ist dafür noch immer zu hoch. Ende Juli beließ die Notenbank den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Dabei stimmten sogar gleich drei Mitglieder für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Die Fed sitzt damit zwischen allen Stühlen. Erhöht sie die Zinsen, könnte sie den ohnehin schwächelnden Arbeitsmarkt endgültig abwürgen. Senkt sie zu früh, riskiert sie eine erneute Beschleunigung der Inflation. Und lässt sie die Zinsen lange hoch, steigen Finanzierungskosten für Unternehmen, Immobilienkäufer und Verbraucher weiter. Für Anleger ist deshalb jetzt Vorsicht wichtiger als maximale Rendite. Besonders anfällig sind hoch bewertete Wachstumsaktien, deren Bewertungen auf weit in der Zukunft liegenden Gewinnen beruhen. Bleiben die Zinsen länger hoch, geraten genau diese Bewertungen unter Druck. Interessanter werden dagegen Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht sowie Energie-, Rohstoff- und ausgewählte Versorgeraktien. Auch Gold kann als Beimischung sinnvoll sein. Dazu kommen inflationsgeschützte Anleihen und ausreichend Liquidität, um bei stärkeren Kursrückgängen reagieren zu können. Noch befindet sich die US-Wirtschaft nicht in einer klassischen Stagflation. Doch die Warnsignale sind inzwischen unübersehbar. Der Arbeitsmarkt verliert überraschend Stellen, die Verbraucherpreise liegen bei 3,4 Prozent und die Erzeugerpreise sogar 4,7 Prozent über dem Vorjahr. Sollte der Energieschock in den kommenden Monaten stärker auf die Verbraucherpreise durchschlagen und gleichzeitig der Stellenabbau weitergehen, dürfte aus dem heutigen Stagflationsrisiko sehr schnell das beherrschende Thema an der Wall Street werden.