Jens Spahn und seine Leihmutter in den USA: Wie die Union auf den Fall reagiert
Jens Spahn ist noch Gesundheitsminister, als die FDP sich für eine Legalisierung der Leihmutterschaft unter Auflagen ausspricht – und er selbst sich dagegen. Durch das geltende Verbot habe der Gesetzgeber im. . .

Jens Spahn ist noch Gesundheitsminister, als die FDP sich für eine Legalisierung der Leihmutterschaft unter Auflagen ausspricht – und er selbst sich dagegen. Durch das geltende Verbot habe der Gesetzgeber im Interesse des Kindeswohls die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten wollen, antwortet sein Ministerium im Frühjahr 2020 auf eine Anfrage der FDP-Abgeordneten Katrin Helling-Plahr. „Die damit verbundenen besonderen Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes lassen aus Sicht des Gesetzgebers negative Auswirkungen auf dessen Entwicklung im Sinne einer Gefährdung des Kindeswohls befürchten. “Jens Spahn ist bereits Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag, als die Frauen Union auf dem Parteitag der CDU im Februar in Berlin eine klare Absage an jede Form von Leihmutterschaft durchsetzt. „Leihmutterschaft bleibt uneingeschränkt verboten“, heißt es in dem Beschluss, und zwar „unabhängig von der Motivation und unabhängig von der Möglichkeit der Eizellenspende. Es wird ausdrücklich verhindert, dass in Deutschland kommerzielle oder neutrale Modelle entstehen, die Leihmutterschaft zu einem Geschäftsmodell machen. “ In Deutschland ist die Leihmutterschaft illegal. Das Embryonenschutzgesetz von 1991 untersagt es, eine Frau künstlich zu befruchten, wenn sie das Kind nach der Geburt abgeben soll. Strafbar würden sich im Falle eines Falles aber die beteiligten Ärzte und Vermittler machen, nicht die Wunscheltern oder die Leihmutter. Die CDU reagiert reserviertNun haben Spahn und sein Ehemann Daniel Funke selbst die Dienste einer Leihmutter in Anspruch genommen. „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht“, gesteht Funke derBild-Zeitung. Nach deren Informationen ist er der genetische Vater des Kindes. Offene Kritik am Vorgehen der beiden übt in der Union trotz des offensichtlichen Widerspruchs allerdings niemand. „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss“, sagt eine Parteisprecherin lediglich. „Die Rechtslage soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist. “ Auch die Unionsfrauen wollen den Fall Spahn nicht größer kommentieren. „An der grundsätzlichen Haltung der Unionsfraktion, Leihmutterschaft abzulehnen, hat sich nichts geändert“, betont die CSU-Bundestagsabgeordnete Anja Weißgerber, die auch stellvertretende Vorsitzende der Frauen Union in Bayern ist, gegenüber unserer Redaktion. Eine Sprecherin der CDU-Frauen beantwortet eine Anfrage ähnlich allgemein: „Es gibt aus Sicht der Frauen Union auch künftig keinen Grund, an der geltenden Rechtslage in Deutschland beim Thema Leihmutterschaft etwas zu ändern. Diese Position unterstreicht auch die Beschlusslage der CDU. “Spahn ist nicht der erste homosexuelle Politiker, der auf einem Umweg Vater wird. Der CDU-Abgeordnete Hendrik Streeck, der in der Corona-Pandemie als Virologe bekannt wurde, und sein Ehemann haben einen Sohn, der ebenfalls in den USA geboren wurde, wo die Leihmutterschaft in einigen Bundesstaaten erlaubt ist. Der frühere SPD-Abgeordnete Johannes Arlt Bjerrehøj und sein dänischer Mann haben bereits seit 2023 einen von einer Leihmutter ausgetragenen Sohn. In Dänemark sind Leihmutterschaften zwar nicht ausdrücklich erlaubt, sie werden aber geduldet, wenn kein Geld im Spiel ist. Einen noch ungewöhnlicheren Weg ist schon vor mehr als zehn Jahren der damalige FDP-Abgeordnete Michael Kauch gegangen. Eine lesbische Freundin von ihm brachte in Berlin sein Kind zur Welt. „Gemeinsam mit ihrer Frau und meinem Mann“, erklärte Kauch anschließend, „freuen wir uns sehr über unsere wundervolle Tochter. “Leihmutterschaft: Ein Markt mit MilliardenumsatzIm Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wird das Thema Mietmutterschaft nicht explizit angesprochen. In früheren Verabredungen haben die Parteien sie jedoch schon als unvereinbar mit der Menschenwürde abgelehnt. Leihmutterschaft sei mit „erheblichen ethischen, rechtlichen und praktischen Bedenken“ verbunden, heißt es in einem Positionspapier der Frauen Union. Es bestehe ein „hohes Risiko für Ausbeutung, Umgehung und Missbrauch“. Nach einer Untersuchung der Vereinten Nationen nimmt die Leihmutterschaft weltweit zu. Den globalen „Markt“ dafür schätzt ihre Berichterstatterin Reem Alsalem auf fast 15 Milliarden Dollar jährlich. Bis zum Jahr 2033 könnte er nach ihren Worten auf 100 Milliarden anwachsen. Leihmütter, die häufig aus prekären Verhältnissen stammen, erhalten davon in der Regel zwischen zehn und 25 Prozent der Gesamtzahlung. Die kann in der Ukraine bei 30. 000 Euro liegen oder in den USA bei 120. 000 Dollar und teilweise sogar noch darüber. Der größte Teil des Geldes geht an Agenturen und Anwälte.