Kino hautnah erleben: Heimat Europa Filmfestspiele mit echten Menschen, echten Geschichten, echten Gefühlen
Bei der achten Auflage des Simmerner Filmfestivals wetteifern 13 Filme um die Siegertrophäe, den Edgar — benannt nach dem Schirmherren des Festivals, dem Morbacher Filmemacher Edgar Reitz.

NachrichtenKulturKino hautnah erlebenHeimat Europa Filmfestspiele mit echten Menschen, echten Geschichten, echten GefühlenSimmern·Bei der achten Auflage des Simmerner Filmfestivals wetteifern 13 Filme um die Siegertrophäe, den Edgar — benannt nach dem Schirmherren des Festivals, dem Morbacher Filmemacher Edgar Reitz. 10. 08. 2026 , 13:38 UhrAuf dem Fruchtmarkt, direkt vor dem Pro-Winzkino, erlebten rund 300 Gäste einen gelungenen Auftakt der achten Heimat Europa Filmfestspiele. Foto: TV/Werner Dupuis„Liebevoll“ lautete das Wort, mit dem die Heimat Europa Filmfestspiele mehrmals am Eröffnungsabend tituliert wurden. Moderator Holger Wienpahl (SWR) verwendete den Begriff als Begründung, was dieses Festival auch in seiner achten Auflage besonders macht. Dazu passte auch der Titel des Eröffnungsfilms „Etwas ganz Besonderes“ von Eva Trobisch, die an diesem Abend nach Simmern gekommen war. Mit ihrem neuen Film, der auf der Berlinale Premiere gefeiert hatte, liefert die Regisseurin einen der 13 Beiträge, die in diesem Jahr um den Titel des besten modernen Heimatfilms wetteifern. Und so befand Wienpahl dann auch folgerichtig: „Von der Berlinale nach Simmern, das kann sich schon sehen lassen!“300 Gäste auf dem Kornmarkt bei der Eröffnung der Heimat Europa FilmfestspieleEr selbst habe den Begriff „Heimat“ einmal so definiert: „Heimat ist ein Ort, „wo man sich nicht erklären muss, das hat ganz viel mit Menschen zu tun. “ Es gehe um echte Menschen, echte Gefühle, echte Geschichten, die das Kino zu bieten habe. „Und ich finde es schön, dass das Kino noch da ist – und bleibt“, sagte Wienpahl, anspielend auf die immer mehr um sich greifende künstliche Intelligenz (KI). Für viele Simmeraner seine die Filmfestspiele das Highlight des Jahres. 300 Gäste waren zur Eröffnung auf den Fruchtmarkt gekommen. Stadtbürgermeister Nikolay betonte die besondere Nähe zwischen Künstlern und Publikum, die in Simmern gegeben sei. Dass das Ganze in der Form realisiert werden könne, liege vor allem auch an der „unglaublich guten Zusammenarbeit zwischen Stadt und Mitveranstalter Pro-Winzkino. „Über Jahrzehnte hinweg war es nie eine Frage, dass dieses Kino zum kulturellen Angebot wie selbstverständlich dazugehört. Man muss es nicht erklären, man versteht. “ Noch bis einschließlich 2029 gelte der Beschluss des Stadtrats über die finanzielle Förderung der Heimat Europa Filmfestspiele. 13 Filme wetteifern um den „Edgar“, die Trophäe, benannt nach Festival-Schirmherr Edgar ReitzEr habe vor, noch über 2029 hinaus diese Festspiele zu unterstützen, ergänzte im Anschluss der Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, Sven Teuber, der sich in Simmern sichtlich wohlfühlte. „Kino ist der beste Ort, Menschen zu treffen“, sagte er. Und: „Heimat macht die Menschen aus. Aus ihrer Heimat haben sie eine Sicherheit gewonnen, und wir dürfen den Heimat-Begriff nicht denjenigen überlassen, die andere ausschließen. “Spontanen Beifall erhielten die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die sich jedes Jahr wieder zur Verfügung stellen und ohne die es die Filmfestspiele in der Form nicht gäbe. Melina Michel fungiert als Bindeglied zwischen Stadt und Kino. Auf ihre Initiative hin hat sich in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Jugendjury gebildet, die ihren Favoriten aus den 13 Wettbewerbsfilmen küren wird. 13 Filme wetteifern um den „Edgar“, die Trophäe, die nach Festival-Schirmherr Edgar Reitz benannt ist. Ein-Mann-Juror Rainer Bock, der renommierte deutsche Schauspieler, kürt am Samstag, 22. August den Siegerfilm. Während der Festspiele sind rund 50 Filme zu sehen. Auch die Begegnungen mit Regisseuren und Schaupielern machen den Reiz des Festivals aus. Ein besonderes Erlebnis: fünf Stummfilme mit Livemusik-BegleitungInhaltlich wird eine große Vielfalt geboten, wie die Programmkommission um Kurator Janis Kuhnert betonte. Peter Huth, Pro-Winzler der ersten Stunde, freut sich neben den Wettbewerbsfilmen vor allem auf die fünf Stummfilme mit Livemusik-Begleitung: „Das sind einzigartige Momente, die in dem Moment entstehen und nicht reproduzierbar sind. Das macht für mich den Reiz aus. “Begeistert warb Huth vor allem auch für einen besonderen Nachmittag in der Family-Reihe des Festivals, in der nicht nur die jüngsten Kinofans angesprochen werden, sondern auch deren erwachsene Begleitpersonen. Die Clown- und Zirkusshow vom Tier-Erlebnispark Bell, sei nach dem großen Erfolg 2025 am Sonntag, 16. August, zum zweiten Mal im Programm. Als erste war die Regisseurin Eva Trobisch nach Simmern angereist und gab dem Publikum ihre Gedanken mit auf den Weg zu ihrem Film „Etwas Ganz Besonderes“. Sie sei auch offen dafür, wenn ihr Film nicht auf Gegenliebe stoße: „Das wäre völlig in Ordnung – einfach gehen“, empfahl sie dem Publikum bei Missfallen. Man müsse aber schon lange suchen, um Negatives in dem Film zu finden, meinte Wienpahl. Der Moderator fragte die Berlinerin, wie sie sich denn als Großstädterin in der Provinz fühle: „Können Sie hier sein, wie Sie wollen?“ Die Regisseurin antwortete: „Ich find’s herrlich hier. “ Das liege vor allem an den „liebevollen Menschen“, auf die sie in Simmern getroffen sei: „Ich finde es ziemlich toll hier. “Zu den liebevollen Menschen gehörten am Eröffnungsabend auch die vier Musiker, die den Abend als „Die Goldenen Heimat-Grammofoniker ihren eigenen Stempel aufdrückten“.