„Man hätte den USA die WM entziehen müssen, als die Bomben. . .
Nur eine Autostunde vom WM-Spielort Santa Clara entfernt lebt der San Francisco City FC einen Gegenentwurf zum großen Fußballgeschäft. Warum Fans des Klubs das Spektakel vor der Haustür ablehnen. . . .
Nur eine Autostunde vom WM-Spielort Santa Clara entfernt lebt der San Francisco City FC einen Gegenentwurf zum großen Fußballgeschäft. Warum Fans des Klubs das Spektakel vor der Haustür ablehnen. Eine „Presse“-Reportage. Donald Trump, die Fifa und das Milliardengeschäft Fußball-WM: Das findet logischerweise nicht überall Anklang. Imago / Marco Gonzalez24. 06. 2026 um 11:06vonChristoph GastingerDie Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen. Ein Sonntagvormittag in San Francisco. Asa Vaziri kommt überpünktlich zum vereinbarten Interviewtermin in einem Café an der südöstlichen Ecke des Golden Gate Park. Der 18-Jährige ist oft in dieser Gegend anzutreffen. Der Grund: Sein Verein, der San Francisco City FC, trägt nur einen Weitschuss entfernt im Kezar Stadium seine Heimspiele aus. Der 2001 gegründete Klub gilt als der älteste Fußballverein der USA, der sich in Fan- und Mitgliederbesitz befindet. Er ist sozusagen der First Vienna FC (Gründung 1894) der Vereinigten Staaten, nur mit 107 Jahren weniger Geschichte. Vaziri ist Teil der Kezar Union, einer Fangruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, besonders junge Menschen in der Region für lokalen Fußball zu begeistern. Der 18-Jährige schätzt die Kultur des Miteinanders und die finanzielle Bodenhaftung des Vereins. Heimspiel-Tickets gibt es schon für acht bis zwölf Dollar. Dass bei einem semiprofessionellen Viertligaklub wie dem San Francisco City FC nicht der ganz große Fußball zelebriert wird, liegt auf der Hand. Darum geht es Vaziri aber auch gar nicht. „Ich mag den gemeinschaftlichen Charakter, dass wir als Verein der Community etwas zurückgeben können. “Wo der Kommerz regiertEine knappe Autostunde vom Kezar Stadium entfernt wird während der Weltmeisterschaft ein ganz anderes Spiel gespielt. Das Stadion in Santa Clara, 70 Kilometer südlich von San Francisco, ist Austragungsort von sechs WM-Spielen. Hier regiert der Kommerz und nicht mehr die Bodenhaftung. Ein Ticket für eines der Spiele kostet meist mehrere hundert Dollar. Die „Presse“ traf am Rande des Spiels Österreich gegen Jordanien in Santa Clara einen Fußballfan aus Kolumbien, der 700 Dollar hingeblättert hat, „nur um ein Spiel bei dieser WM zu sehen“. Für die Partien der Kolumbianer hatte er bei der Verlosung der Fifa keine Karten bekommen. Asa Vaziri im Kezar Stadium, das einst die erste Heimstätte der Footballer der San Francisco 49ers war. PrivatVaziri musste nicht einmal darüber nachdenken, ob er beim Spektakel vor der Haustür dabei sein will. Er sieht diese Weltmeisterschaft als Brandbeschleuniger der Kommerzialisierung und als Antithese zu seinen persönlichen Werten. „Ich möchte zu dieser Veranstaltung finanziell nichts beitragen. Also kaufe ich mir weder ein Ticket noch ein Trikot. “Pete Bogdis ist lebenslanges Mitglied des San Francisco City FC und eine der lautesten Stimmen im Umfeld des Vereins. Bogdis macht keinen Hehl daraus, mit der Fifa und ihrem XXL-Event auf Kriegsfuß zu stehen. „Wir veranstalten keine Werbaktionen oder Watch-Partys für diese beschämende Weltmeisterschaft. Ich sehe auch keinen Sinn darin, 1000 Dollar für ein Ticket auszugeben, wenn es hier bei uns Dutzende lokale Klubs gibt. “Als die Stadt San Francisco vor Wochen ein paar Offizielle des lokalen WM-Komitees zu einem Heimspiel des San Francisco City FC geschickt hatte, um die Werbetrommel zu rühren, hatten Bogdis und einige andere Fans dem unerwarteten Besuch „ziemlich deutlich“ ihren Standpunkt erklärt: „Wir haben ihnen gesagt, dass sie sich gern unser Spiel ansehen können. Aber sie sollen unser Spiel nicht dafür benutzen, um diese WM zu bewerben. “„Ich hasse die Fifa“Bogdis hatte mit der Weltmeisterschaft abgeschlossen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. „Ich schaue mir keine Minute an, nicht eine Sekunde“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“. Er ertrage es nicht, wie der Weltverband den Fußball einnehme und „missbrauche“. „Ich hasse die Fifa. Ich hasse alles, was sie gemacht hat, besonders mit Blick auf die letzten Weltmeisterschaften. Sie stützt Diktaturen und schreckliche Regierungen. “ In Katar vor vier Jahren habe man „mit Sklavenarbeit Stadien bauen lassen“, für die WM 2014 in Brasilien „die Favelas aufgeräumt. Das ist inakzeptabel. “Pete Bogdis hält das Vorgehen der Fifa für „unakzeptabel“. PrivatBogdis verfolgt keines der Spiele, sehr wohl aber die Nachrichten rund um die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Immer wieder fallen Worte wie „beschämend“, „absurd“ oder „ekelhaft“. Etwa wenn es darum geht, dass dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan von den USA die Einreise verweigert wurde oder Fans aus teilnehmenden Ländern wie Haiti oder dem Iran nicht einreisen dürfen. Für Bogdis hätte die Weltmeisterschaft in dieser Form nie stattfinden dürfen. „Infantino dabei zuzusehen, wie er Trump diesen lächerlich-falschen Friedenspreis überreicht – das war widerlich. Man hätte den USA die WM entziehen müssen, als die Bomben auf Iran gefallen sind. “