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Modeland USA: Wo die reichen Leute wohnen

Alle großen Modehäuser fanden sich zuletzt in den USA ein: Um das 250-Jahr-Jubiläum vor Ort zu feiern oder doch in erster Linie, um die kaufkräftigsten Kunden zu bespaßen?Kreativdirektor Demna brachte Gucci. . .

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Modeland USA: Wo die reichen Leute wohnen

Alle großen Modehäuser fanden sich zuletzt in den USA ein: Um das 250-Jahr-Jubiläum vor Ort zu feiern oder doch in erster Linie, um die kaufkräftigsten Kunden zu bespaßen?Kreativdirektor Demna brachte Gucci auf den Times Square von New York. Pietro D'Aprano30. 06. 2026 um 16:02vonDaniel KaltDie Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen. Besondere Anlässe verlangen nach großen Gesten: Was für den 80-jährigen Präsidenten der Vereinigten Staaten gilt (Stichwort: Festbankett in Versailles ebenso güldenen Sälen wie jenen seines Manhattan-Turmes), trifft auf das von ihm regierte und beachtliche 170 Jahre ältere Land nicht minder zu. Unter die Gratulanten zur Feier von 250 Jahren USA mischten sich zuletzt wohl auch Modehäuser aus Mailand und Paris mit vagabundierenden Formaten fern ihres Heimrasens. Chanel ist hier Vorreiter, auch Louis Vuitton,Dior,HermèsundGuccizeigen manche Kollektionen nun fernab angestammter Laufstege. Diese Schauen können als Überraschungspakete überall auf der Welt aufpoppen: in China, Japan, Indien, Brasilien, Senegal, Mexiko – alles schon dagewesen, am häufigsten natürlich andere europäische Städte oder solche in den USA. Dass sich seit vergangenem Dezember aber alle Marken in den Vereinigten Staaten von Amerika präsentiert haben, mag mit dem Vierteljahrtausend-Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung zusammenhängen. Oder aber, es gibt einen anderen Grund, der nicht nur mit diesem historischen Anlass zu tun hat. Lower East Side. Letzten Dezember eröffnete Chanel den Reigen der US-Defilees – in einer ehemaligen Subway-Station. ChanelChanel, Hermès, Dior, Louis Vuitton, Gucci, Balenciaga: alle daZweimal Los Angeles, viermal New York (wenn man die Herbstkampagne vonBalenciagamit Sarah Pidgeon, die in „Love Story“ zuletzt Carolyn Bessette spielte, mitzählt), auf Fly-over-Staaten und alles andere hat man verzichtet. Ein Blick in die jeweiligen Shownotes offenbart die Bandbreite der Inspirationen, logischerweise kommt das Kino nicht zu kurz. Jonathan Andersonließ für Dior etwas Drehbuchartiges verfassen; auchMarlene Dietrichkommt vor, die 1949 den Geldgebern von Warner Bros bei der Auswahl der Kostüme für „Stage Fright“ entgegengeschmettert haben soll: „No Dior, no Dietrich!“Hermès lud in die Hügel des Nobelviertels Bel Air, wie immer agierte man verhalten, zelebrierte Kunst und wohl die Welt des Tanzes. Die wiedereröffnete Frick Collection an der Upper East Side von New York war das Setting der Cruise-Kollektion von Louis Vuitton: Chefdesigner Nicolas Ghesquière feierte allerdings eine andere Epoche als die dort ausgestellte und referenzierte amerikanische Popart mit Motiven von Keith Haring. Bereits vergangenen Dezember schickte Matthieu Blazy seine Hommage an die Lower East Side durch eine stillgelegte Subway-Station. Blazy, der einst für Calvin Klein gearbeitet hatte und New York gut kennt, feierte das bunte Stadtleben und erinnerte zugleich an die Zwischenstopps von Gabrielle Chanel im Big Apple, als sie sich 1931 auf den Weg nach Hollywood machte. BCG-Experte: „Die einfachen Zeiten für Luxusgüter sind vorbei“In den öffentlichen Raum begab sich Gucci mit Kreativdirektor Demna: Am Times Square sollte ein Mode-Durcheinander alle New Yorker Boroughs evozieren und die Bandbreite aller Gucci-Erzeugnisse dank Videos auf den riesigen Screens des Platzes greifbar werden. Explizit zum Geburtstag hat übrigens den USA zwar keiner der erwähnten Designer gratuliert, doch dank der Americana-Verliebtheit aller Marken gilt: „We got the message!“Frick Collection. Louis Vuitton brachte die Cruise-Kollektion nach New York, feierte die Pop-Kultur mit Zitaten von Keith Haring. Gianluca Carraro / GorunwDie naheliegende Erklärung: der US-Markt bleibt wichtigEs ist aber gut möglich, dass es neben der Feierlaune noch eine andere Motivation gibt. Solche Wanderformate sollen ja die lokale Kundschaft entertainen bzw. einen bestimmten Markt „aktivieren“, wie man das nennt. Und hier ist das Potenzial der Vereinigten Staaten enorm, wie Felix Krüger weiß – Managing Director und Partner der Boston Consulting Group in Köln und Ko-Autor des jährlichen Altagamma-Branchenreports. „Die einfachen Zeiten für Luxusgüter sind vorbei“, schickt er einer tieferen Analyse voraus und erklärt: „Das Wachstum der Luxusmarken wird im Kern von den High-Net-Worth-Kunden (Menschen mit mehr als einer Million Euro Privatvermögen, Anm. ) angetrieben. Die sogenannten Aspirational Customers aus dem Mittelstand stellen zwar den größten Teil der Käufer, tragen aber nur einen kleinen, und zuletzt schrumpfenden, Teil zum Wachstum bei. “Bel Air. Das „Second Chapter“ der Herbstkollektion von Hermès wurde in den Hügeln des Nobelbezirks von Los Angeles gezeigt. Vincent TulloBesonders die eklatanten Preiserhöhungen vergangener Jahre haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Die US-Importzölle (aktuell: 15 Prozent) fallen weniger ins Gewicht, sie wurden, da die Margen bereits hoch sind, nur in geringem Ausmaß weitergegeben. Die Entwicklung des Luxussegments sieht aber so aus, dass man sich primär an jene wendet, die ihr Kaufverhalten völlig unabhängig von finanziellen Bedenken ausleben können. Felix Krüger weiß: „Im weltweiten Vergleich spielt in den USA der Anteil der sehr reichen Kunden eine größere Rolle als anderswo. Etwa in Europa, wo es noch mehr ,altes Geld‘ von Menschen mit anderem Kaufverhalten gibt, oder in China, wo das Wachstum der kaufkräftigen Mittelschicht noch wichtiger ist und das gesamte Luxus-Ökosystem noch anders funktioniert. “„NY Minute“. Balenciaga-Kampagne als Hommage an New York mit Carolyn-Bessette-Darstellerin Sarah Pidgeon. BalenciagaKrüger, der gerade den neuen Altagamma-Report finalisiert, entnimmt aktuellen Quartalsanalysen eine bezeichnende Entwicklung: Nordamerika sei für fast alle Konzerne der wichtigste Absatzmarkt, Europa verzeichne, wenn überhaupt, geringere Wachstumsraten. „Marken müssen für die High-Net-Worth-Kunden begehrenswert bleiben“, so Krüger. „Impulse wie das Ausrichten einer Modeschau vor Ort können die Begehrlichkeit innerhalb des US-Marktes kurzfristig steigern. “ Haben sich manche also nicht nur für 250-Jahr-Gedenken auf die andere Seite des großen Teichs begeben? Und das, obwohl man Geschenke ohne Hintergedanken überreichen sollte …

Quelle: tennistv.com

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