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Nato-Gipfel: Trump droht, Europa zahlt

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,wer große Pläne hat, kann hoch fliegen – oder tief fallen. Wie es Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Giorgia Meloni und den restlichen europäischen Staats- und. . .

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Nato-Gipfel: Trump droht, Europa zahlt

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,wer große Pläne hat, kann hoch fliegen – oder tief fallen. Wie es Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Giorgia Meloni und den restlichen europäischen Staats- und Regierungschefs ergeht, wird sich heute zeigen. DerNato-Gipfel in Ankaradreht sich um das Wichtigste überhaupt: die Sicherheit von520 Millionen Menschenin den 29 europäischen Nato-Staaten. Die Europäer sind mit einem Plan in die türkische Hauptstadt gereist:Sie wollen dem US-Präsidenten zeigen, dass sie es ernst meinen. Viele Milliarden Euro für Aufrüstung, Ukraine-Hilfe und transatlantische Einigkeit, ein starkes Zeichen – so hat es der Bundeskanzler formuliert, bevor er in den Regierungsflieger kletterte: "In diesen Zeiten brauchen wir eine starke und geeinte Nato als Garant unserer Freiheit und für unsere Sicherheit. " Sogar Pathos beschwor er: "Ich wünsche mir, dass es uns gemeinsam gelingt, einenGeist von Ankarazu wecken. Von diesem Gipfel soll die Botschaft ausgehen: Wir bauen eine europäischere Nato, damit die Nato transatlantisch bleiben kann. " Frei aus dem Diplomatendeutsch übersetzt heißt das: Wir geben jetzt ganz viel Geld für ganz viele Waffen aus, damit der Donald drüben in Washington uns nicht verlässt und dem Menschenfresser im Kreml ausliefert. Das ist die Botschaft, die Trump hören und sehen soll. Doch Trump sieht etwas anderes. Kaum in Ankara angekommen, nutzte er die erstbeste Gelegenheit beim Tête-à-Tête mit seinem Autokraten-KumpelErdoğan,um über die Europäer herzuziehen: "Italien hat uns abgewiesen, Deutschland hat uns abgewiesen, Frankreich hat uns abgewiesen. " ImIran-Kriegseien die Europäer nicht "für uns da" gewesen. Very sad! Dass die USA nach eigener Aussage "überhaupt keine Hilfe" gebraucht hätten, macht die präsidentielle Klage nicht kleiner, sondern entlarvt sie nur: Es ging nie um Beistand. Es ging um einenLoyalitätstest. "Ich wollte sehen, ob sie für uns da sein würden", dröhnt Trump. Die Verbündeten sollen kuschen, damit sie weiter Verbündete bleiben dürfen. Wer sich dem großen Zampano widersetzt, bekommt eine Abreibung verpasst. Und natürlich weiß Trump, wo er die Europäer am empfindlichsten Punkt trifft: in der Arktis. Prompt packt er seine Drohung wieder aus, sichGrönlandeinzuverleiben. Die Insel solle "von den Vereinigten Staaten und nicht von Dänemark kontrolliert werden", posaunte er und legte eine Drohung nach: "Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen. " Knüppel aus dem Sack!Als Trump seine Besitzansprüche auf die Insel vor anderthalb Jahren zum ersten Mal amtlich erhob, stand halb Europa Kopf. Heute haben sich viele Politiker und Journalisten an seine Drohungen gewöhnt. Genau diese Beiläufigkeit muss jeden klardenkenden Europäer alarmieren. Wenn der Anspruch auf das Territorium eines Bündnispartners zum Grundrauschen wird, ist das mehr als bloße Rhetorik. Es verändert die Lage. Die Lektion aus Ankara lautet deshalb: Die Sicherheitsgarantie der USA ist nicht mehr an den berühmtenArtikel fünfdes Nato-Vertrags gekoppelt, sondern nur noch anTrumps Laune. Launen taugen jedoch nicht als Fundament für eine Verteidigungsplanung. Immerhin ziehen die Europäer die richtigen Konsequenzen: Sie kaufen nun alles, was nicht bei drei aus den Lagern der Rüstungsfirmen verschwunden ist. Am Rande des Gipfels werden mehrere hochdotierte Rüstungsdeals präsentiert:TKMS:Kanada ordert zwölf U-Boote bei dem Tochterunternehmen von Thyssenkrupp – Volumen bis zu 60 Milliarden Euro. Merz nennt es einen der größten Rüstungsaufträge der bundesrepublikanischen Geschichte; Norwegen ist als Entwicklungspartner ebenfalls im Boot. Saab:Das schwedische Unternehmen führt mit der Nato Verhandlungen über zehn Frühwarnflugzeuge, Kosten bis zu 450 Millionen Dollar pro Maschine. Lockheed MartinundRheinmetall:Amerikaner und Deutsche wollen in der Bundesrepublik ballistische Kurzstreckenraketen vom Typ ATACMS bauen – erstmals außerhalb der USA. Die Waffe gilt als Schlüsseltechnologie, um Putins Armee abzuschrecken. Northrop Grumman:Deutschland, Norwegen, Finnland und Dänemark wollen bis zu fünf MQ-4C-Triton-Aufklärungsdrohnen erwerben, die in 15. 000 Meter Höhe ganze Weltregionen überwachen können. Airbus:Der deutsch-französische Konzern baut für die Nato eine Flotte mit A400M-Flugzeugen, die schweres Gerät transportieren können. Drohnenabwehr:Die Nato-Staaten planen, mehr als 40 Milliarden Dollar in neue Technologien zu investieren. Das nötige Know-how liefern die Ukrainer. Die forcierte Aufrüstung bedeutet eine europäische Emanzipation auf Raten – mit amerikanischen Zulieferern mittendrin. Nato-GeneralsekretärMark Ruttewill außerdem die Waffenproduktion smarter organisieren: Künftig soll das Hauptquartier in Brüssel zwischen Auftraggebern und Herstellern koordinieren, statt dass jede nationale Regierung ihr eigenes Süppchen kocht. Freie Fabrikkapazitäten werden im gesamten Allianzgebiet genutzt, kritische Rohstoffe gemeinsam bestellt. Gemeinsam mit sieben weiteren Staaten startet Deutschland zudem das Projekt"Halo",das nationale Militärsatelliten zu einem Abwehrschirm zusammenschalten soll. Drohnen, vernetzte Systeme, der Orbit als mögliches Schlachtfeld:Die Nato rüstet sich für die nächste Ära globaler Gefahren, die heute aus Russland drohen, übermorgen womöglich aber auch aus China oder von anderswo. Ein bisschen wirkt das alles wie die eilfertigen Vorträge von Musterschülern, die ihrem gestrengen Oberlehrer beweisen wollen, dass sie ihre Hausaufgaben brav erledigen – und hoffen, dass er sie nicht abwatscht. Die tiefere Botschaft aus Ankara ist jedoch existenzieller:Die Europäer bauen unter größten Mühen und mit enormen Ausgaben neue Mauern um ihren Kontinent, weil sie ahnen, dass der bislang einzige Tragepfeiler ihres Schutzraums bald einstürzt. So gesehen können ihre Pläne gar nicht hoch genug fliegen. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht abstürzen, bevor der amerikanische Hausherr auszieht und eine Ruine hinterlässt. Trauerzug erreicht IrakSeit Tagen dauern im Iran die Beerdigungsfeiern für Ajatollah Ali Chamenei an. Einen Höhepunkt stellte der von Millionen Menschen gesäumte zehn Kilometer lange Trauerzug durch die Hauptstadt Teheran dar – aber noch lange nicht das Ende. Gestern wurde der Leichnam des Ende Februar bei einem israelisch-amerikanischen Luftangriff getöteten obersten Führers in der Pilgerstadt Ghom aufgebahrt. In der Nacht hat ihn das Regime nach Nadschaf geflogen, dann geht es nach Kerbala weiter, schiitische Heiligtümer im NachbarlandIrak. Die Beisetzung ist morgen in Chameneis GeburtsstadtMaschhadim Nordosten des Iran vorgesehen.

Quelle: couthenans.fr

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